Eichstätter Priester: Kirche war zu nachlässig beim Schutz für christliche Flüchtlinge

Interview mit dem griechisch-katholischen Priester Andreas Thiermeyer auf "Katholisch.de".
Erstellt von Felizitas Küble am 17. März 2016 um 07:33 Uhr
Priesterkragen

Eichstätt (kathnews/CF/katholisch.de). Auf “Katholisch.de”, dem Internetportal der Deutschen Bischofskonferenz, wurde am 15. März 2016 ein Interview mit dem griechisch-katholischen Priester Andreas Thiermeyer veröffentlicht; der Geistliche ist Flüchtlingsbeauftragter des Bistums Eichstätt. Er kritisiert, daß die Kirche “viel zu lange” zu den Übergriffen auf Christen in Flüchtlingsunterkünften “geschwiegen” habe. Skeptisch äußert sich der Diözesanbeauftragte zudem über die Integrationsfähigkeit strenggläubiger Muslime.

Der Priester versteht sich nicht allein als Anwalt christlicher Flüchtlinge, sondern aller Asylbewerber. Allerdings erwähnt er ein wesentliches Problem: “Es gibt Menschen, die aufgrund ihrer Prägung und ihrer Religion einfach nicht fähig für die Demokratie sind. Ihnen jetzt die erste Hilfe in der Not zu leisten, ist selbstverständlich, aber dauerhaft kann ihr Weg nicht nach Europa führen…

Wenn jemand ein strenger Muslim ist, dann tut er sich oft sehr schwer mit der Demokratie, mit einer Gleichberechtigung von Mann und Frau, dann tut er sich sehr schwer mit Religions- und Gewissensfreiheit.” Auf die Frage nach der schwierigen Lage christlicher Flüchtlinge antwortet Pfarrer Thiermeyer: “Wenn sie dezentral untergebracht sind, dann geht es schon. Aber wenn sie in Gemeinschaftsunterkünften leben, haben sie es oft schwer. 95 bis 98 Prozent der Bewohner sind Muslime. Und wer die Mehrheit hat, gibt den Ton an. Manche Christen getrauen sich nicht einmal, sich zu ihrer Religion zu bekennen, weil sie Angst haben, gemobbt zu werden.”

Auf die Rückfrage nach konkreten Aussagen erläutert er: “Ein Beispiel sind die Gemeinschaftsräume: Ein Christ ist für einen gläubigen Muslim ein “Ungläubiger” und “Unreiner”. Er verunreinigt die Küche, wenn er sich darin betätigt. Ich habe auch schon gehört, dass Frauen sich in der Nacht nicht trauen, zur Gemeinschaftstoilette zu gehen, weil sie Angst haben vor anderen Flüchtlingen. Sie haben irgendwo ein Töpfchen oder eine Dose und verrichten da ihre Notdurft.” Die Reporter-Frage, ob es sich hierbei um die Regel oder um Einzelfälle handelt, beantwortet der Priester wie folgt: “Ich kann nur das wiedergeben, was man mir anvertraut. Es gibt in dieser Hinsicht ja eine große Schamgrenze. Ich höre von einzelnen Fällen, aber es sind nicht wenige.”

Schutzräume für homosexuelle Flüchtlinge – aber nicht für christliche?

Daher schlägt der Geistliche vor, Flüchtlinge nach Religionen und Ethnien getrennt unterzubringen. Auf die Frage, ob seitens der Kirche ausreichend auf die erwähnten Übergriffe gegen Christen hingewiesen wurde, erklärt der Flüchtlingsbeauftragte: “Nach Köln getrauen sich nun die Bischöfe, das Thema anzusprechen. Aber bis dahin wollte man eigentlich nichts hören. Es ist schon verrückt: Es werden Schutzräume eingerichtet für homosexuelle Flüchtlinge, aber für Christen getraut man sich das nicht.” Mittlerweile hätten sich die Erzbischöfe Schick und Koch geäußert, Kardinal Woelki wolle im Erzbistum Köln ein Flüchtlingsheim speziell für Christen einrichten: “Aber man war lange viel zu zurückhaltend. Das werfen uns unsere orientalischen Mitbrüder ja auch vor: Warum schweigen die europäischen Bischöfe zu dem Unrecht, das Christen hier und im Nahen Osten geschieht?”

Foto: Priesterkragen – Bildquelle: Kathnews