Die Sexualmoral ist eine Vorgabe und keine Option – Der Fall Wucherpfennig

"Der Reformkatholizismus poltert ... seit Langem gegen die katholische Sexualmoral." Ein Kommentar von Mathias von Gersdorff.
Erstellt von Mathias von Gersdorff am 9. Oktober 2018 um 12:31 Uhr
Mathias von Gersdorff

Von Mathias von Gersdorff:

Die kirchliche Sexualmoral ist recht einfach zu verstehen: Der Eheakt ist für Katholiken lediglich in einer gültig geschlossenen Ehe (zwischen Mann und Frau) ethisch einwandfrei. Dieser Akt soll generell neuem Leben geöffnet sein. Sämtliche Akte, Gedanken, Vorstellungen (mit voller Zustimmung, also mit bewusster Absicht) außerhalb dieses Kontexts, sind sündhaft. Die Sexualmoral ist eine Vorgabe und keine Option; sie ist verbindlich und nicht nur ein Ratschlag oder Konzept zur Lebensgestaltung. Ein Katholik ist also verpflichtet, diese Sexualmoral zu akzeptieren, auch wenn er nicht danach lebt. Ist jemand der Auffassung, die gelehrte Sexualmoral sei falsch, ist er eigentlich nicht mehr katholisch.

Die Kirche hat allerdings nie gesagt, dass es einfach wäre, nach dieser Vorgabe zu leben. Im Gegenteil: Nach der katholischen Sexualmoral zu leben erfordert die Bereitschaft, gegen seine eigenen Neigungen zu kämpfen. Das gilt übrigens für alle. Selbst Eheleute dürfen sich nicht alles erlauben, z.B. keinen Ehebruch.

Der Reformkatholizismus poltert bekanntlich seit Langem gegen die katholische Sexualmoral. Gegenwärtig regen sie sich auf, weil der Vatikan Prof. Ansgar Wucherpfenning als Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Oberrad bei Frankfurt abgelehnt hat. Die Begründung: Wucherpfenning erklärte Homosexualität als Bestandteil der Identität einer homosexuellen Person; sie müsse moraltheologisch anders gesehen werden, wie das in den letzten 2000 Jahren geschehen ist. Darüber hinaus hat Professor Wucherpfenning, der Jesuitenpater ist, Segenshandlungen mit homosexuellen Paaren durchgeführt. Die vatikanische Bildungskongregation lehnt deshalb Wucherpfennig als Rektor ab.

Die Reformkatholiken zeigen sich erwartungsgemäß erschüttert und kündigen Widerstand an. Ihre Argumentation wird in einer akademischen Sprache vorgebracht. Die Entscheidung aus Rom sei außerdem ein Angriff gegen die wissenschaftliche Theologie etc. Im Grunde betreibt der Reformkatholizismus Augenwischerei: Homosexuelle Handlungen finden weder innerhalb einer sakramentalen Ehe statt noch sind sie offen für neues Leben. Sie widersprechen der Schöpfungsordnung Gottes. Das ist offensichtlich. Wären homosexuelle Handlungen ethisch einwandfrei, so wären es alle Handlungen außerhalb der Ehe, also auch sog. „Wilde Ehen“ etc.

Wenn die Reformkatholiken das tatsächlich so vertreten, dann sollten sie an die Öffentlichkeit gehen und erklären: Die katholische Kirche hat bezüglich der menschlichen Sexualität in den letzten 2000 Jahren eine falsche Lehre verbreitet. Wenn das aber tatsächlich so gewesen sein soll, dann wäre die katholische Kirche schlicht und ergreifend eine falsche Kirche. Sie wäre nämlich nicht im Besitz der Wahrheit. Konsequenterweise müssten die Reformkatholiken (die die Sexuallehre ablehnen) eine neue Kirche gründen, wie das etwa im 16. Jahrhundert Luther, Calvin etc. getan haben.

Sie haben aber nicht den Mut dazu. Anstatt Tacheles zu reden, tun sie so, als ob die Sexualmoral so was wie eine Theorie sei, über die man diskutieren könne. Ist sie aber nicht. Die Sexualmoral hat ihre Grundlage in der Natur des Menschen – ist darum keine spezifisch katholische Lehrmeinung, sondern im Naturrecht begründet. Dieses findet  eine Erläuterung im 6. Gebotes des Dekaloges, hat aufgrund von Vernunft und Glaube normativen und verpflichtenden Charakter. Man kann sie nicht ändern. Würde man das tun, so wäre die katholische Kirche nicht mehr die wahre Kirche.

Foto: Mathias von Gersdorff – Bildquelle: privat