Die Beichte im „Feldlazarett“ Kirche

Überlegungen von Prälat Prof. em. Dr. Peter Kremer zu einer Verbesserung des Bußsakramentes.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 22. Februar 2018 um 16:00 Uhr
Foto: Beichtstuhl, St. Leonhard in Leonberg

Trier (kathnews). „Obwohl das Bußsakrament in der pastoralen Praxis einer Pfarrei kaum mehr eine größere Rolle spielt, ist es keineswegs tot.“ Das schreibt Prälat Prof. Dr. Peter Kremer, emeritierter Professor für Kirchenrecht an der Theologischen Fakultät in Trier, in der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln. Nach seiner Überzeugung hat die Beichte Zukunft. Doch bedürfe das besonderer Voraussetzungen.

Keine Folterkammer

Im Sinne von Papst Franziskus, der häufig und eindringlich über die Beichte in seiner Verkündigung spreche, dürfe der Beichtstuhl zu keiner Folterkammer werden. Die Kirche sei nach den Worten von Papst Franziskus einem Feldlazarett vergleichbar. Und in einem solchen komme dem Sakrament der Barmherzigkeit hoher Stellenwert zu. „Mit dieser Feststellung wendet sich der Papst vor allem an die Beichtväter, um vor Missbräuchen in der Beichtpraxis zu warnen, die die Gläubigen belastet haben“, erläutert Kremer.

Beichten im Kirchenraum

Die Nutzung der Beichtstühle als Ort des Sakramentenempfanges gehe zurück, konstatiert der Autor. „Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche neuen Räume für die Feier des Bußsakramentes eingerichtet werden könnten.“ Prof. Kremer erinnert an die ostkirchliche Praxis, wonach die Beichte im Kirchenraum stattfindet unter Wahrung der für dieses Sakrament erforderlichen Diskretion. Dadurch komme die ekklesiale Dimension des Beichtsakramentes deutlicher zum Ausdruck.

Beispiel der Priester

Die Spendung des Sakramentes der Beichte könne nur glaubwürdig erscheinen, wenn der Priester selber regelmäßig beichtet. Prof. em. Kremer: „Nur wenn der Priester den Empfang des Sakramentes selbst wertschätzt, kann er die Gläubigen zu einem regelmäßigen Empfang des Sakramentes einladen“. Wichtig sei auch auch, dass die Priester den Gläubigen in angemessener Weise die Gelegenheit zum Empfang geben. Es sei unangemessen, „wenn eine persönliche Anmeldung im Pfarrhaus verlangt wird, statt zu regelmäßigen Zeiten ein Beichtangebot in der Kirche vorzusehen“.

Ausbildung der Beichtväter

Zur Verbesserung der Beichtpraxis gehöre auch eine angemessene Ausbildung der Priester zu Beichtvätern. Die Beichtväter müssten über die Fähigkeit zur Gesprächsführung verfügen und psychologische Erfahrungen haben. Der ehemalige Trierer Kirchenrechtler plädiert in diesem Zusammenhang zudem für eine Wiederbelebung des vom Kirchenrecht vorgesehenen Amtes des Bußkanonikers (can. 508 CIC/1983). Diesem könne, so Kremer, die Aufgabe zugewiesen werden, „die Beichtpraxis in einer Diözese kritisch zu begleiten und die Priester in der Beichtseelsorge durch ein qualifiziertes Angebot einer theologischen Fort- und Weiterbildung zu unterstützen.“

Foto: Beichtstuhl – Bildquelle: Kathnews