Der Ort ist beim Vater, der Weg ist Christus

Homilie des heiligen Ambrosius zum Evangelium des 5. Ostersonntages nach der sog. ordentlichen Form des Römischen Ritus. Text:  Cap. 12, 52-55: CSEL 32, 747-750).  Übersetzung: Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 13. Mai 2017 um 11:47 Uhr
Bildquelle: Sarto-Verlag

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Jo 14. 1-12)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

1Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!

2Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?

3Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.

4Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.

5Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?

6Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.

7Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.

8Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.

9Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?

10Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.

11Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke!

12Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.

Homilie des heiligen Ambrosius

Laßt uns ohne Sorge auf unserem Weg zu unserem Erlöser Jesus fortschreiten. Wir wollen ohne Sorgen fortschreiten auf dem Weg zu jener Gesellschaft der Heiligen, zu jener Zusammenkunft der Gerechten. Denn wir werden zu unseren Vätern gehen, zu jenen Lehrern unseres Glaubens auf dem Weg sein, damit, auch wenn die Werke fehlen, der Glaube Hilfe leistet, das Erbe bewahrt wird. Denn der Herr wird das Licht aller sein. Und jenes wahre Licht, das jeden Menschen erleutet, wird allen strahlen. Wir werden dorthin gehen, wo der Herr Jesus für seine Diener Wohnungen bereitet hat, damit, wo er ist, auch wir sind. Welches diese Wohnungen sind, das erfahre wir von dem, der sagt: Im Haus meines Vater gibt es viele Wohungen. Erfahre auch, was sein Wille ist:  Ich komme … wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.

Aber du sagst, er habe nur mit den Jüngern darüber gesprochen, dass er nur ihnen viele Wohnen in Aussicht gestellt hat. Hat er sie für die elf Jünger bereitet? Und wie steht es damit, dass man von allen Seiten kommen und im Reich Gottes zu Tische sitzen wird? Woher der Zweifel an der Verwirklichung des göttlichen Willens? Bei Christus bedeutet etwas wollen etwas in die Tat umsetzen. Er zeigte sodann auch den Weg, benannte zudem den Ort mit den Worten: Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. Der Ort ist beim Vater, der Weg ist Christus, wie er es sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Lasst uns auf dem Weg gehen, lasst uns die Wahrheit festhalten, lasst uns dem Leben folgen. Der Weg führt, die Wahrheit stärkt, das Leben gibt. Und damit wir seinen eigentlichen Willen erfahren, fügte er später hinzu: Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, dort sind mit mir, wo ich mit dir bin, damit sie meine Herrlichkeit erkennen.

Wir folgen dir Herr Jesus, aber rufe uns herbei, denn ohne dich steigt niemand auf. Denn du bist der Weg, die Wahrheit, das Leben, die Kraft, die Zuversicht, der Lohn. Emfange die Deinen gleichwie der Weg, stärke sie gleichwie die Wahrheit, mache sie lebendig gleichwie das Leben.

Ambrosius von Mailand (333/334 – 397)

Er stammte aus einer christlichen Adelsfamilie. Es wird berichtet, daß er noch als Katechumene 374 zum Bischof von Mailand gewählt wurde. In dieser Position nahm er auf die Religionspolitik der römischen Kaiser beachtlichen Einfluß. Durch seine Predigt konnte er den damals als Rhetor tätigen Augustinus für den katholischen Glauben gewinnen. Zu seinen Werken gehören Bibelkommentare (vor allem zu alttestamentlichen Büchern, aber auch zum Lukasevangelium), ethische (De officiis ministrorum) und dogmatische Schriften (De fide, De spiritu sancto). Von dem „Vater des Kirchengesanges” sind auch mehrere Hymnen überliefert. Mit Hieronymus, Augustinus und Gregor dem Großen zählt er zu den vier großen lateinischen Kirchenvätern (1295 endgültig fixiert durch Papst Bonifaz VIII.). (Quelle: Catena Aurea)

Foto: Jesus der König – Bildquelle: Sarto-Verlag