„Der Geist trieb Jesus in die Wüste“

Homilie zum 1. Fastensonntag B. L1: Gen 9,8-15; L2: 1 Petr 3,18-22; Ev: Mk 1,12-15.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 17. Februar 2018 um 13:41 Uhr
Füße

In der Homilie „sind das Kirchenjahr hindurch aus dem heiligen Text die Glaubensgeheimnisse und die Normen für das christliche Leben darzulegen“ (can. 767 § 1 CIC/1983). Zum heiligen Text innerhalb der Liturgie gehören vor allem die Schriften der Heiligen Schrift. Darüber hinaus auch die Gebete der Liturgie.

Homilie (Josef Spindelböck):

Noch bevor Jesus seine öffentliche Verkündigungstätigkeit aufnahm, bereitete er sich darauf vor, indem er sich in die Wüste zurückzog. Dort betete und fastete er, 40 Tage lang. In ähnlicher Weise hatte schon Johannes der Täufer in der Wüste gelebt, der sich dort von Heuschrecken und wildem Honig ernährte.

Was hat Jesus bewogen, sich in der Einsamkeit der Wüste aufzuhalten? Er suchte nichts anderes als die Nähe des himmlischen Vaters, mit dem er als wesensgleicher Sohn Gottes von Ewigkeit eins ist im Heiligen Geist. Als Mensch freilich hat er auch gebetet und auf eine unaussprechlich tiefe Weise die Verbindung mit dem gesucht, der ihn in diese Welt gesandt hatte. Nichts anderes war also das Ziel und der Inhalt dieses Aufenthaltes in der Wüste: auf Gott, seinen Vater, zu hören und mit ihm in der Einheit des heiligen Geistes das Zwiegespräch der Liebe zu führen. Dies alles tat Jesus als Messias, als der Erlöser und Retter der Menschen. Es war also keine Flucht vor den Menschen, zu denen er gesandt war, sondern im Gegenteil die Vorbereitung darauf, seinen Auftrag unter den Menschen richtig wahrzunehmen!

Während die Evangelisten Matthäus und Lukas dies ausführlicher schildern, berichtet Markus in seinem Evangelium nur kurz von der Versuchung Jesu durch den Teufel in der Wüste. Jesus ist ganz Gott und ganz Mensch; er konnte als Mensch auch versucht werden. Sündigen freilich konnte er nicht, da er auch als Mensch ganz eins ist mit dem Willen des himmlischen Vaters.

Drei mögliche Quellen von Versuchungen gibt es: Die Welt um uns kann uns zum Bösen verlocken, die eigene Begierlichkeit kann dafür die Ursache sein, und schließlich kann es direkt der Teufel sein, der uns in Versuchung führt. Bei Jesus, dem vollkommenen Menschen, war von Seiten der Umwelt kaum eine Verlockung gegeben. Auch war er frei von jeder bösen Begierlichkeit, die ihn in Versuchung führen hätte können. Es blieb nur die Möglichkeit, daß durch göttliche Zulassung der Satan selber an Jesus herantrat.

Wir brauchen uns das nicht in der üblichen Weise vorzustellen, daß hier eine dunkle, bocksfüßige Gestalt mit Schwanz und Hörnern Jesus nahegetreten wäre. Der Teufel oder Satan ist vielmehr eine geistige Macht, nämlich ein gefallener Engel, der von Gott ursprünglich gut geschaffen war, aber durch eigene Schuld von Gott abgefallen und böse geworden ist. Sein Ziel ist es, möglichst viele in den Abfall von Gott hineinzureißen und zum Bösen zu verführen. Freilich ist seine Macht begrenzt, da Gott es nicht zuläßt, daß wir über unsere Kraft versucht werden!

Wir können es uns nicht vorstellen, wie diese Versuchung Jesu durch den Teufel vor sich gegangen ist. Die Evangelien geben uns hier gewisse Hinweise. Weil Jesus gefastet hatte, hungerte ihn. So nahm dies der Teufel zum Anlaß, ihm die Aussicht darauf vorzulegen, er solle die Steine in Brot verwandeln. Jesus lehnte dieses Ansinnen ab mit den Worten: Nicht nur vom Brot allein lebt der Mensch! Der Teufel führte ihn dann – ob wirklich oder nur im Geiste, das wissen wir nicht – auf die höchste Zinne des Tempels in Jerusalem. Er schlug Jesus vor, sich hinabzustürzen, um auf diese Weise die Hilfe Gottes und seiner Engel zu erfahren. Jesus widerstand dieser Provokation mit den Worten, daß man Gott nicht versuchen dürfe. Schließlich zeige ihm der Satan von einem hohen Berg aus alle Reiche dieser Welt und sagte zu Jesus, er wolle ihm dies alles übergeben, wenn er ihn anbete. Auch hier erteilte der Herr dem Teufel eine Abfuhr mit den Worten, daß man Gott allein anbeten und ihm dienen solle.

Liebe Gläubige! Es tut uns gut, in unseren täglichen Versuchungen und Prüfungen auf das Beispiel unseres Herrn Jesus Christus zu blicken. Er hat als Mensch alles mit uns geteilt, ausgenommen die Sünde. Die Versuchung zum Bösen ist noch keine Sünde, sondern vielmehr eine Gelegenheit, daß wir mit Gottes Hilfe im Guten fest bleiben und uns immer neu für Gott und seine Liebe entscheiden.

Beten wir allezeit zu Gott, daß wir stark bleiben im Glauben und standhaft in der Versuchung! Dann werden wir den Frieden empfangen, den nur Gott allein schenken kann. Und sollten wir in Sünde gefallen sein, so haben wir einen Erlöser, Jesus Christus, den Herrn. Ihm wollen wir uns ganz anvertrauen und die Quellen der Gnade und Barmherzigkeit besonders im Bußsakrament gut nützen.

Die heilige Jungfrau Maria war als einziger Mensch neben Jesus ganz sündenlos. Gott hat sie vor der Erbsünde und jeder persönlichen Sünde bewahrt. Niemals hat sie ihre Zustimmung zum Bösen gegeben und war daher dem Satan nie unterworfen. Sie ist die Zuflucht der Sünder, die Mutter der Barmherzigkeit und die Siegerin in allen Schlachten Gottes. Wenn wir uns ihr anvertrauen und in ihrem Herzen bergen, dann kann uns der böse Feind nicht schaden. Keine Versuchung wird in der Weise an uns herankommen, daß wir zugrunde gehen.

Im Vaterunser beten wir: „Führe uns nicht in Versuchung!“ Das heißt sinngemäß, Gott möge uns Kraft geben in der Stunde der Prüfung und Bewährung, daß wir das Gute nicht aufgeben. Gott ist treu, und er verläßt uns nicht. Mögen auch wir mit seiner Hilfe ausharren auf dem Weg des Glaubens, in unerschütterlicher Hoffnung und mit nie aufhörender Liebe! Amen (www.stjosef.at)

Foto: Füße – Bildquelle: Kathnews