Der Apostel Thomas: vom Zweifler und Skeptiker zum Glaubenden

Homilie. 2. Sonntag der Osterzeit B (08.04.2018), L1: Apg 4,32-35; L2: 1 Joh 5,1-6; Ev: Joh 20,19-31.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 7. April 2018 um 11:39 Uhr
Herz Jesu Statue

Homilie (Josef Spindelböck)

Die Kirche feiert am achten Tag von Ostern, das ist der „Weiße Sonntag“, zugleich den Sonntag der Barmherzigkeit. Die Liebe Gottes offenbart sich uns in seinem Sohn Jesus Christus: Er starb am Kreuz und gab sein Leben hin für uns; am dritten Tage aber ist er von den Toten auferstanden und lebt nun beim himmlischen Vater in Herrlichkeit, bis er kommt zu richten die Lebenden und die Toten.

Blicken wir auf das Evangelium dieses Sonntags!

Der zuerst ungläubige, weil skeptische Apostel Thomas ist vielen Menschen besonders sympathisch. Denn sie erkennen sich wieder in seiner inneren Haltung und Einstellung.

Thomas ist in dieser Interpretation einer, der sich selber überzeugen will von der Wahrheit dessen, was andere behaupten. Er lehnt es ab, sich blind auf Autoritäten zu verlassen, sondern möchte selber überzeugt werden. Er möchte sehen, um dann zu glauben!

Genau hier sagen viele Menschen, die durch den Geist der Aufklärung geprägt sind: „Das gefällt mir!“ Denn sie sehen es als Ideal an, wenn die Menschen in kritischem Geist an die Wirklichkeit herangehen und die Zeugnisse und Aussagen der Mitmenschen auf ihre Stichhaltigkeit und Beweiskraft überprüfen. Dies kann so weit gehen, dass jemand meint: „Was ich nicht selber sehe oder erfahre, das glaube ich nicht.“ Und da sind wir dem Apostel Thomas schon sehr nahe, der angesichts der Erzählungen der übrigen Apostel von der Begegnung mit dem auferstandenen Herrn sozusagen ausgerufen hat: „Was ihr mir sagt, ist gut und schön, und es mag für euch Bedeutung haben. Aber mir reicht es nicht.“ Denn: „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ (Joh 20,25)

Das klingt ziemlich provokant. Manch einer der anderen Apostel wird sich wohl gedacht haben: „Was der sich herausnimmt! Ist dieser Thomas vielleicht etwas Besonderes? Wenn jeder so eine Einstellung hätte, dann kämen wir nicht weiter.“

Aber wie reagiert Jesus? Als er eine Woche später den Aposteln wieder erscheint, da ist Thomas bei ihnen. Und Jesus spricht den zweifelnden und suchenden Apostel ganz persönlich an. Er geht ein auf seine unerhörten Forderungen: „Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ (Joh 20,27)

Warum tut das Jesus? Ist Thomas doch etwas Besonderes? In gewissem Sinn ja! Denn es geht um das gemeinsame Zeugnis der Apostel für Jesus Christus, den Auferstandenen. Dieses Zeugnis soll wirklich ein sicheres Fundament haben; der Osterglauben konnte und musste auch durch die Schule des läuternden und fragenden Zweifels gehen, um im Ergebnis noch sicherer zu werden. Denn das Ziel Jesu ist es nicht, den Apostel Thomas zu verunsichern oder ihn in seiner Skepsis zu belassen. Im Gegenteil: Thomas gelangt durch die Begegnung mit Jesus, den er mit den Händen berühren darf, zu einem noch tieferen Osterglauben als die anderen. Er ruft sogar aus: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28)

Jesus schenkt dem Apostel Thomas eine großartige Erfahrung seiner Güte und Barmherzigkeit. Und weil Thomas dem Herrn so intensiv begegnen durfte, ist er einer der ersten Zeugen des göttlichen Erbarmens, welches uns durch den Tod und die Auferstehung Christi zuteil geworden ist.

Mit den übrigen Aposteln darf der Apostel Thomas den Frieden Christi weitergeben. Es ist ein Friede, den nur Gott schenken kann durch die Vergebung der Sünden. Wer regelmäßig das Bußsakrament empfängt, wird von der Erfahrung dieses Geschenkes wissen: dass uns von Gott her durch den Dienst der Kirche die Sünden vergeben werden und wir so wieder im Einklang sind mit Gott, untereinander und mit uns selbst.

Das Bußsakrament ist das Gnadengeschenk des auferstandenen Herrn an seine Jünger und damit an die ganze Kirche. Gott selbst stiftet Versöhnung durch das Blut seines Sohnes, das aus der Seite des durchbohrten Herrn Jesus Christus am Kreuz strömt. Die Wunden Christi, die unsere Sünden verschuldet und verursacht haben, sind in der Auferstehung des Herrn verklärt. Die Seitenwunde Jesu offenbart uns die Liebe seines heiligsten Herzens. Genau hier gilt es Zuflucht zu nehmen. Wir sündigen Menschen dürfen es wagen, uns dem Erlöser zu nahen. Denn er selber lädt uns ein, das Geschenk der Vergebung anzunehmen. So werden wir im Heiligen Geist neu, und als innerlich neu geschaffene Menschen dürfen auch wir die Wahrheit von der Auferstehung Christi bezeugen.

Mögen viele Menschen auf diese Weise zum Glauben an den auferstandenen Herrn gelangen und den Reichtum seiner Gnade und Barmherzigkeit erfahren, dies auch durch die Fürbitte der Gottesmutter Maria, der Mutter der Barmherzigkeit! Amen. (www.stjosef.at)

Foto: Herz-Jesu Statue – Bildquelle: Kathnews