Das Vatikanwort zur Interkommunion bietet keinen Grund zum Jubeln

Einige Punkte, die dafür gesorgt haben, dass die Würde des Altarsakramentes immer mehr verletzt wird. Ein Kommentar von Dr. Markus Büning.
Erstellt von Felizitas Küble am 5. Juni 2018 um 16:29 Uhr
Monstranz

Kommentar von Dr. Markus Büning

Die Nachricht ist kaum über den digitalen „Äther“ in alle Welt hinausgegangen und schon findet sich weitgehend ein großer Jubel über das vorläufige „Nein!“ Roms zur Interkommunion-Bestrebung des Marxschen Mehrheitsflügels der Deutschen Bischofskonferenz – wozu übrigens auch der Münsteraner Bischof Genn gehört – in den Diskussionsforen.

Die Redaktion von kath.net titelt in nahezu euphorischer Stimmung: „Knalleffekt: Vatikan lehnt erneut DBK-Inter-kommunionshandreichung ab!“ (vgl. Kath.net).

Meines Erachtens besteht hier überhaupt kein Grund zum Jubel. Die im Schreiben Roms angeführten Gründe sind nämlich im Kern theologisch nahezu ohne klare Aussage, da in der Form vager Andeutungen abgefasst. Man zieht sich auf mehr formelle und rein kanonische Gründe zurück.

Zudem wird ja nun offenkundig auf weltkirchlicher Ebene versucht, entsprechende Regelungen auf den Weg zu bringen. Es bleibt demnach bei einer großen Unsicherheit!

Im Schreiben des Präfekten der Glaubenskongregation heißt es wie folgt:

Der Heilige Vater ist daher zu dem Ergebnis gekommen, dass er nicht reif zur Veröffentlichung ist. Die wesentlichen Gründe für diese Entscheidung können wie folgt zusammengefasst werden: Die Frage der Zulassung von evangelischen Christen in interkonfessionellen Ehen ist ein Thema, das den Glauben der Kirche berührt und eine Bedeutung für die Universalkirche hat. Diese Frage hat auch Auswirkungen auf die ökumenischen Beziehungen zu anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die nicht zu unterschätzen sind.

Das Thema betrifft das Recht der Kirche, vor allem die Interpretation von Kanon 844. Weil es in manchen Teilen der Kirche offene Fragen über diesen Punkt gibt, sind die zuständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls bereits beauftragt, eine baldige Klärung dieser Fragen auf universalkirchlicher Ebene herbeizuführen. Insbesondere erscheint es angebracht, dem Diözesanbischof das Urteil über die Existenz einer ‚drängenden schweren Notlage‘ zu überlassen.“ (Quelle: katholisch.de).

Dabei ist die Sache doch ganz klar: Eucharistiegemeinschaft setzt Glaubensgemeinschaft voraus. Hinsichtlich der Konfessionen der Reformation besteht diese bezüglich des Altarsakramentes nicht, da dort die Notwendigkeit des apostolischen Amtes für die Gültigkeit der Eucharistie abgelehnt wird.

Das soll heißen: Ein Protestant, egal welcher Provenienz, kann nicht zu Eucharistie gehen. Es fehlt der gemeinsame Glaube an die Transsubstantiation – also an die Wesensverwandlung – und die hierfür benötigte apostolische Sukzession des Amtsträgers.

Anders kann dies im Notfall, insbesondere bei Lebensgefahr, bei denjenigen Christen aussehen, die das priesterliche Amt anerkennen und an die wirkliche Gegenwart Christi im Altarsakrament glauben. Hier haben wir vor allem die Orthodoxen im Blick.

Will ein Protestant zur Eucharistie gehen, dann muss er zuvor katholisch werden. Er muss dann auch die Sichtbarkeit der Kirche, das Petrusamt und die Verehrung der Gottesmutter und aller Heiligen anerkennen. Alles andere wäre unaufrichtig und verlogen.

Rom hätte mit einem klar begründeten Bescheid dieser Verwirrung ein Ende setzen können, die seit Jahrzehnten die Kirche hier vor Ort erschüttert. Ja, wir haben eine eucharistische Krise! Und genau diese Krise ist es, die die Marxsche Front dazu verleitet hat, in diese Richtung einer unreflektierten Interkommunion mit Protestanten zu votieren.

Im Folgenden möchte ich einige Punkte hervorheben, die dafür gesorgt haben, dass die Würde des Altarsakramentes immer mehr verletzt wird. Rom, ja insbesondere der Papst, muss dafür Sorge tragen, dass diese Umstände wieder korrigiert, wenn nicht gar beseitigt werden:

Die Einführung der Handkommunion

Meines Erachtens ist die Einführung der Handkommunion die Hauptursache dafür gewesen, dass bei vielen Katholiken die Ehrfurcht vor dem Sakrament geschwunden ist. Es ist nun mal etwas grundlegend anderes, wenn man sich hinkniet und sich von dem in persona Christi handelnden Priester wie ein Kleinkind die konsekrierte Hostie auf die Zunge legen lässt oder ob man diese – wie jede andere profane Nahrung – stehend in die Hand nimmt und sich selbst zuführt.

Hinzu kommt die permanente Gefahr des Partikelverlustes. Zudem habe ich es selbst schon mehrmals gesehen, dass Menschen das Allerheiligste eben nicht empfingen, sondern mit in die Bank nahmen. Gott weiß, was dann mit dem Sakrament passierte? Die Tatsache, dass man konsekrierte Hostien im Internet ersteigern kann, zeigt überdeutlich an, wie weit der Greul hier geht.

Die eucharistische Dezentralisierung

Ein weiterer Punkt des Ehrfurchtsverlustes ist die eucharistische Dezentralisierung. Die Gestaltung der Gotteshäuser nach dem Konzil war eine Fehlentwicklung, die rückgängig gemacht werden muss. Wo ist denn der Tabernakel? Diese Frage muss man sich in vielen Kirchen inzwischen stellen. Der Tabernakel steht vielfach in irgendwelchen Seitenkapellen oder Krypten. Ja, man weiß gar oft nicht mehr, ob der HERR überhaupt noch zugegen ist. Das alles kann nicht so bleiben.

Wenn uns wirklich der HERR im Sakrament begegnet, dann müssen wir ihm auch in seinem Haus einen zentralen Ehrenplatz geben. Der HERR gehört ins Zentrum und eben nicht die Priestersitze oder Schautafeln mit den Fotos der Erstkommunionkinder. Wir müssen endlich wieder von unserer Anthropozentrik zur Christozentrik zurückfinden.

Das eucharistische Sprachproblem

Sodann haben wir ein Sprachproblem – bis in die liturgischen Bücher hinein! Da ist dann die Rede vom „heiligen Brot“ oder von der „geweihten Hostie“. Nein, so dürfen wir über das Altarsakrament nicht reden. Die Sprache verrät uns, sagt alles über unsere Gesinnung. Wenn wir nicht wieder anfangen, hier die Worte richtig zu setzen, dann wird der Glaube an den HERRN im Sakrament noch mehr schwinden. Nein, wir haben es hier mit dem wahren Leib des HERRN zu tun. Es ist die konsekrierte, verwandelte Hostie. Es ist das Brot des Lebens, Christus selbst, der sich zur Nahrung gibt.

Völlig unzureichende Kommunionkatechese

Schon zu meiner Kommunionvorbereitungszeit (1974!) waren die Materialien zur Kommunionvorbereitung derart verflacht, dass es ein Wunder ist, dass ich überhaupt eine eucharistische Frömmigkeit entwickeln konnte. Schon damals war davon die Rede, dass wir zu einem Mahl eingeladen sind. Dieses sei allerdings ein besonderes, ähnlich wie das Festmahl bei einer Hochzeit. Vom Opfercharakter der Messe war in keiner einzigen Stunde die Rede. Mahl, Mahl und wieder mal das Mahl!

Hätte ich nicht meinen Großvater, der selber Religionslehrer und Katechet war, gehabt, hätte ich niemals etwas von der Wandlung und dem Opfer der Messe gehört. All dies ist heute noch viel schlimmer geworden. Vielfach unterweisen Katecheten unsere Kinder, die selber nicht mehr wissen, was es mit dem Sakrament auf sich hat. Wir brauchen eine neue Art der Katechese, die den Kindern wieder die Wahrheit vermittelt.

Mangelnde Vorbereitung durch fehlenden Beichtempfang

Was ist mit der Vorbereitung auf einen würdigen Kommunionempfang? Wissen die Menschen überhaupt noch, dass man im Stand der Gnade sein muss? Wissen die Katholiken noch, dass man vorher zur Beichte gehen muss, falls man eine Todsünde begangen hat? Ja, wo kann man denn bitte schön noch Samstagnachmittag in den Kirchengemeinden beichten? Fragen über Fragen, die alles sagen. Hier müssen vor allem die Bischöfe ran und den Priestern einschärfen, dass der Kommunionempfang und das Bußsakrament zusammenhängen. Vor allem müssen die Priester wieder dafür sorgen, dass man ohne große Mühe den Beichtstuhl aufsuchen kann.

Das Anbetungsdefizit

Wie sollen wir den Menschen deutlich machen, dass wir in der Eucharistie das Allerheiligste unter uns haben, wenn wir nicht regelmäßig in unseren Kirchengemeinden Stunden der Anbetung haben? Nur die Kirche, die vor ihrem eucharistischen HERRN auf den Knien liegt, die beim HERRN ist, kann wieder zu ihrer Mitte, zu Jesus Christus, finden. Statt vieler unnötiger Sitzungen unserer Gremien sollten wir lieber in unseren Kirchen anbeten. Und: Keine Gremiensitzung auf Leitungsebene sollte ohne eine kurze Gebetszeit in der Kirche vor dem Tabernakel beginnen. Nur aus dem Gebet heraus können wir wirklich die Kirche Jesu Christi sein.

Die „Laifizierung“ der Eucharistie

Als letzen Punkt möchte ich den Umstand der Laiifizierung ansprechen. Wir haben hier große Fehler begangen und machen sie immer noch! Nach den einschlägigen liturgischen Normen dürfen Kommunionhelfer nur zum Einsatz kommen, wenn dies nötig ist. Erst recht darf es nicht sein, dass der Priester sich auf seinen Sitz zurückzieht und dann die Laien die Kommunion austeilen. Zudem muss dies alles in Würde geschehen.

Die Realität sieht vielfach anders aus, insbesondere dann, wenn  die Leute in Zivilkleidung zum Tabernakel gehen und das Ziborium zum Altar bringen. Auch dies ist ein visueller Würdeverlust. Wie sollen die Menschen glauben können, dass wir hier etwas grundlegend Anderes tun als bei einem profanen Mahl? So bestimmt nicht.

Man könnte sicher noch weitere Punkte nennen. Eines dürfte deutlich geworden sein: Wir leben in einer schlimmen eucharistischen Krise. Und diese Krise führt die Kirche in den Identitätsverlust. Und dieser wiederum führt dazu, dass es letztlich egal ist, wer dieses „Stück Brot“ empfängt.

Wir müssen alles daran setzen, dass diese Krise ein Ende findet. Dies können wir vor allem durch das Gebet tun. Gerade in der Anbetung des HERRN im Sakrament können wir unsere Sorge um die Kirche vor den tragen, der ganz unter uns ist und sein will, bis an das Ende der Zeit.

Textquelle: Christliches Forum

Foto: Monstranz – Bildquelle: © Franziska Strecker, NIGHTFEVER Kassel