Das Kreuz ist der Wille des Vaters, der Ruhm des Sohnes, der Jubel des Heiligen Geistes

Âus einer Homilie des heiligen Johannes Chrysotomus zum Evangelium des 7. Ostersonntages (Lesejahr A). Text: Hom. In Illud Pater, si possibilie est: PG 51, 34-35). Übersetzung: Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 28. Mai 2017 um 10:08 Uhr
Bildquelle: Patrimonium-Verlag

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Jo 17, 1-11a)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

1erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht.

2Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.

3Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.

4Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.

5Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war.

6Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten.

7Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.

8Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.

9Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.

10Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.

11aIch bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.

Aus einer Homilie des Heiligen Johannes Chrysostomus

Vater, die  Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn. Er nennt das Kreuz eine Herrlichkeit. Dass die Herrlichkeit im Kreuz besteht, höre es, wie der Evangelist davon Zeugnis ablegt: Noch war der Heilige Geist nicht gegeben, denn Jesus war noch nicht verherrlicht. Der Sinn dieser Worte ist der: Die Gnade war noch nicht gegeben, weil der Zorn Gottes zu den Menschen noch nicht gedämpft war, da Christus noch nicht den Weg zum Kreuz angetreten hatte. Das Kreuz löschte den Zorn Gottes gegen die Menschen, versöhnte Gott mit den Menschen, machte die Erde zum Himmel, vereinte die Menschen mit den Engeln, rieß das stark befestigte Bollwerk des Todes ein, schwächte die Kräfte des Teufels, befreite die Erde vom Irrtum, gründete die Gemeinden.

Das Kreuz ist der Wille des Vaters, die Herrlichkeit des Sohnes, der Jubel des Heiligen Geistes, der Ruhm des Apostels Paulus. Er sagt: Ich jedoch will mich nicht rühmen, es sei denn im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus. Das Kreuz leuchtet stärker als die Sonne, glänzt mehr als ihre Strahlen. Wenn sie verdunkelt, dann leuchtet es. Die Sonne aber verdunkelt, nicht weil sie verschwindet, sondern weil sie durch den Glanz des Kreuzes übertroffen wird. Das Kreuz zerreist unseren Schuldschein, macht den Kerker des Todes unbrauchbar. Das Kreuz weist auf die göttliche Liebe hin. So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn hingegeben hat, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht.

Das Kreuz hat das Paradies geöffnet, den Schächer dort hineingeführt, die Menschheit, dem Untergang geweiht und nicht einmal der Erde würdig, in das Himmelreich geleitet. So große Güter sind uns durch die Wohltat des Kreuzes zuteil geworden und wir erfahren sie noch immer, und er lehnt es ab gekreuzigt zu werden? Wer, bitte, wird das  denn behaupten? Wenn er aber nicht wollte, wer hat ihn dann dazu gezwungen? Wer wandte gegen ihn Gewalt an? Aber warum sagten dann auch die Propheten voraus, dass er gekreuzigt würde, wenn die Kreuzigung nicht notwendig war und er nicht leiden wollte? Wozu bezeichnete er den Kelch als Kreuz, wenn er doch das Kreuz ablehnte? Es ist zu zeigen, wie sehr er danach verlangte. Wie nämlich für Dürstende ein Kelch anziehend ist, so für ihn das Kreuz. Aus dem Grund sagte er auch: Mit großen Verlangen habe ich verlangt, dieses Paschamahl mit euch zu halten. Nicht dass er das ohne Grund sagte, sondern weil er nach Ablauf des Abends sein Kreuz auf sich nehmen würde. …

Foto: Vom Goldgrund der Kirchengeschichte (Buchcover) – Bildquelle: Patrimonium-Verlag