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	<title>kathnews &#187; Blickpunkt</title>
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	<description>Rom und die Welt</description>
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		<title>&#8220;…und sie empfing vom Heiligen Geist&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Mar 2010 14:15:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dr. Peter Görg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blickpunkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Hochfest der „Verkündigung des Herrn“ und die Stellung Mariens. Von Dr. theol. Peter H. Görg.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.kathnews.de/content/wp-content/uploads/drgoerg_peter.jpg" alt="Dr. Peter H. Görg" title="Dr. Peter H. Görg" width="130" height="125" class="alignleft size-full wp-image-3456" />Am 25. März feiert die Kirche das Hochfest „Verkündigung des Herrn“. Gegenüber dem ge-bräuchlichen Begriff „Mariä Verkündigung“ macht dieser Name deutlich, dass es sich im Grunde um ein Herrenfest handelt, doch zeigt die alte Bezeichnung, welche zentrale Rolle die selige Jungfrau bei der Menschwerdung einnimmt. Sie wird wirklich zur Mutter Gottes! Streng genommen gehört unser Fest zum weihnachtlichen Festkreis, doch fällt es in der Regel in die Fastenzeit, so dass es in alten deutschen Kalendarien auch als „Mariä in der Fasten“ auftaucht.<span id="more-3772"></span> Mit der Wahl des 25. März, also genau neun Monate vor der Feier der Geburt des Herrn, betont die Kirche die wahre Menschwerdung des Sohnes Gottes, der wie jedes andere Menschenkind im Schoß der Mutter getragen wurde.</p>
<p>Was feiert die Kirche nun an diesem Hochfest? Die Grundlage finden wir im Lukasevangelium (Lk 1, 26-39): Der Engel des Herrn, der Verkündigungsengel Gabriel, erscheint an dem kleinen, bis dahin für das Weltgeschehen unbedeutenden Ort Nazareth einer Frau, die wohl niemand außerhalb ihrer Heimat und ihrer Verwandtschaft kannte: Maria. Doch eben diese Begegnung sollte zum größten welthistorischen Moment werden. Der Engel, der Botschafter (lat.: angelus) Gottes, bringt Maria eine Kunde: Er spricht sie an als Gnadenvolle (die Einheitsübersetzung wird mit ihrer Übersetzung „Begnadete“ der Sache nicht gerecht, denn diese Bezeichnung ist zumindest auf jeden Getauften anwendbar) und verheißt ihr, dass sie ein Kind empfangen soll. Maria, die mit Josef verlobt, aber noch nicht verheiratet ist, antwortet lediglich mit einer Frage: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“. </p>
<p>Auf die Erwiderung des Engels, dass der Heilige Geist über sie kommen und die Kraft des Höchsten sie überschatten werde, antwortet Maria mit dem bedeutendsten Satz, der seit dem Fall der ersten Menschen gesprochen wurde: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Mit dem kleinen Wort „fiat“ (es geschehe), wie es in der lateinischen Version lautet, wird durch Maria die Schuld Evas wieder gutgemacht, der Knoten gelöst und dem Erlöser sein Kommen bereitet. Wie Christus als neuer Adam am Beginn der Neuschöpfung steht, so Maria als neue Eva. Was Eva durch ihren Ungehorsam zerstörte, stellt Maria durch ihren Gehorsam wieder her. War Eva die Mutter allen natürlichen Lebens, so wird Maria zur Mutter des übernatürlichen Lebens. Eine Frau hatte Teil am Sündenfall, so sollte auch eine Frau Teil an der Erlösung haben. Gott selbst bindet sich an das Wort dieser Frau. Er selbst erwählte sie, und nur sie, vor aller Zeit, dazu, seine Mutter zu werden. </p>
<p>An der Inkarnation, der Fleischwerdung, der zweiten göttlichen Person sollte nach Gottes Willen ein Geschöpf in Freiheit mitwirken. Natürlich war Maria auf dieses Geschehen von Gott vorbereitet („Gnadenvolle“). So feierten wir am 8. Dezember 2004 den 150. Jahrestag der Dogmatisierung der „Unbefleckten Empfängnis“. Maria wurde aufgrund der Erlösungsverdienste Christi bereits im Voraus von der Erbsünde bewahrt, damit war sie nicht verstrickt in Sünde und Schuld, sondern war in der Lage, ihr „Ja“ völlig frei und stellvertretend für die ganze Menschheit, die den Erlöser so sehr erwartete, zu sprechen.</p>
<p>Wenn die Kirche sagt, dass Maria die größten Glaubenswahrheiten widerspiegelt, so wird dies besonders deutlich an unserem Fest. Die wahre Gottheit Christi zeigt sich in der wunderbaren jungfräulichen Empfängnis, die wahre Menschheit Christi zeigt sich in seiner Abstammung von Maria. Christus nahm seinen irdischen Leib allein aus Maria. Beide Wahrheiten fanden immer wieder Leugner, die entweder Christus die menschliche oder die göttliche Natur absprachen. Der moderne Rationalismus, der besonders gegen die Gottheit Christi gerichtet ist, kann in der Offenheit Mariens gegenüber dem Einbrechen der Transzendenz Heilung erfahren. Die Wahrnehmung, dass die Realität weit größer ist als unsere Sinneswahrnehmungen erzeugt Demut und Ehrfurcht vor der unaussprechlichen Größe Gottes.</p>
<p>An der Begegnung mit dem Engel wird trotz der Einzigartigkeit Mariens das Erlösungsgeschehen am Menschen deutlich, das geheimnisvolle Zusammenwirken von göttlicher Gnade und menschlicher Mitwirkung. Augustinus schreibt, dass der Mensch ohne sein Zutun erschaffen wurde, dass er aber nicht ohne sein Zutun erlöst wird. Niemand kann sich selbst erlösen, sondern allein durch Christus, unseren Heiland, ist Erlösung möglich. Doch Gott wollte freie Geschöpfe, die, vorbereitet durch seine Gnade, am Erlösungswerk Christi teilnehmen. </p>
<p>Die Erbsünde hat die menschliche Natur zwar geschwächt und hat zur Folge, dass der Mensch eine Neigung zum Bösen hat (Konkupiszenz), doch sie hat die Natur nicht zerstört, wie Luther meinte. Während Maria von Erbsünde und Konkupiszenz bewahrt wurde, werden wir von ersterer in der Taufe gereinigt und in den Gnadenstand versetzt, der es uns ermöglicht, am Erlösungswerk Christi Anteil zu nehmen. Ist es nicht wunderschön, dass der Allmächtige uns, die wir uns so oft klein und unbedeutend finden, durch Gebete und gute Werke teilnehmen lässt an seinem Werk? Die selige Mutter Maria Katharina Kaspar, die Selige des Westerwaldes, hat das erkannt, als sie sagte: „Alles, was man zur Ehre Gottes tut, ist groß. Da gibt es gar nichts Kleines!“</p>
<p>Eine weitere Glaubenswahrheit wird deutlich: Maria tritt bereits zu Beginn des irdischen Lebens Jesu als Mittlerin für uns ein. Damit verletzt sie in keiner Weise die einzigartige Mittlerstellung Christi, sondern lässt vielmehr deren Wirkkraft erkennen. Sie spricht für die ganze Menschheit ihr „fiat“, sie empfängt ihren Schöpfer, was die gesamte Natur in Staunen versetzt. Als Mutter schenkt sie der Welt den Erlöser. Diese Stellung behält Maria bei der Hochzeit von Kana, unter dem Kreuz und schließlich in der jungen Kirche bei. Seit ihrer Aufnahme in den Himmel, die als letzte Konsequenz aus ihrer Gottesmutterschaft und Sündenlosigkeit erfolgte, tritt sie stets als Fürsprecherin und Mittlerin bei ihrem Sohn für uns ein. </p>
<p>Wenden wir uns also immer wieder vertrauensvoll an Maria. Sie lenkt nicht von Christus ab, sondern führt uns als Mutter immer zu ihrem Sohn. An ihrer Hand können wir ihn nicht verfehlen.</p>
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		<title>Die Wundertätige Medaille</title>
		<link>http://www.kathnews.de/content/index.php/2010/03/22/die-wundertatige-medaille/</link>
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		<pubDate>Mon, 22 Mar 2010 07:12:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Greschner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blickpunkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Betrachtung von Benjamin Greschner.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src='http://www.kathnews.de/content/wp-content/uploads/medaille.jpg' alt='Wundertätige Medaille' />Bei der Wundertätigen Medaille handelt es sich um eine ovale Medaille, welche ein ganz besonderes Gnadenpfand der Muttergottes für unsere heutige Zeit darstellt. Im Medaillenbild erscheint Maria aber auch als die Vermittlerin aller Gnaden. Diese Gnaden werden durch die von ihren Händen ausgehenden Strahlen versinnbildlicht, die sich über die ganze Welt verbreiten. Maria fordert uns auf, um diese Gnaden zu bitten und weist traurig auf lichtlose Edelsteine hin, auf Gnaden, um die niemand bittet.<span id="more-379"></span></p>
<p>Die Medaille geht auf eine Marienerscheinung in einem französischen Kloster zurück. Der Ordensschwester Cathérine Labouré begegnete die Muttergottes in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli 1830. Maria erschien ihr auf dem Erdenrund stehend und bat die junge Nonne darum, dieses Motiv als Medaille prägen zu lassen. Dafür sah sie die Umschrift „O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir unsere Zuflucht zu dir nehmen“ vor. Gemäß der Erscheinung wurde auf die Rückseite der Medaille der Buchstabe „M“ als Sinnbild der Gottesmutter Maria und ein Kreuz als Zeichen für den gekreuzigten und auferstandenen Gottessohn geprägt. Unterhalb dieser Symbole befinden sich die Darstellungen der Heiligsten Herzen Jesu und Mariä. 1832 erhielt Schwester Cathérine die bischöfliche Erlaubnis zum Prägen der Medaillen, welche sich rasch in ganz Frankreich ausbreiten sollte. Aufgrund zahlreicher Heilungen erhielt die Medaille schon bald den bekannten Namen „Wundertätige Medaille.“</p>
<p>Einem Jeden der die Wundertätige Medaille empfangen hat, sie fromm und andächtig trägt und sich der besonderen Gnadenmittlerschaft dieses marianischen Gnadengeschenkes bewusst ist, kann folgender Ablässe teilhaftig werden: Einen vollkommenen Ablass kann man an dem Tag erhalten, an dem man die Wundertätige Medaille empfängt sowie am kirchlichen Fest der Wundertätigen Medaille, dem 27. November. Ebenso ist der Erhalt eines vollkommenen Ablasses durch die reumütige Anrufung des Heiligsten Namens Jesu am Fest der Unbefleckten Empfängnis, dem Ostersonntag oder auf dem Sterbebett möglich. Zeitlichen Ablässen für jeweils 100 Tage kann man durch das Beten der Anrufung &#8220;O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen!&#8221; teilhaftig werden.</p>
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		<item>
		<title>Einseitige Debatte um Kindesmissbrauch</title>
		<link>http://www.kathnews.de/content/index.php/2010/03/21/einseitige-debatte-um-kindesmissbrauch/</link>
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		<pubDate>Sun, 21 Mar 2010 10:40:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Extern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blickpunkt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.kathnews.de/content/?p=3713</guid>
		<description><![CDATA[Ein Gastkommentar von Monika Rheinschmitt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.kathnews.de/content/wp-content/uploads/zeitungen_bsp.jpg" alt="Symbolfoto: Zeitungen (Foto: Daniel R. Blume)" title="Symbolfoto: Zeitungen (Foto: Daniel R. Blume)" width="130" height="125" class="alignleft size-full wp-image-3722" />Ein in Deutschland lebender Zeitgenosse, der sich nicht selbst um Hintergrundinformationen bemüht, kann leicht den Eindruck gewinnen, dieses Delikt werde hauptsächlich und das seit Jahrzehnten von katholischen Geistlichen und in kirchlichen Einrichtungen begangen. Trotz gegenteiliger Aussagen von Fachleuten, die klar auf die Verantwortung der einzelnen Täter verweisen,  wird auf diese Weise ein pauschales Urteil verbreitet: „DIE Priester“, „DIE katholischen Schulen“, ja „DIE katholische Kirche“ ist an allem schuld.<span id="more-3713"></span> Damit werden in Deutschland ca. 16000 Priester an den Pranger gestellt – obwohl nur einige wenige straffällig geworden sind.</p>
<p>Bei der Frage nach Gründen für den Kindesmißbrauch wird ebenfalls nicht differenziert: allein der Zölibat soll die Ursache für sexuelle Übergriffe „DER Priester“ sein. Auch diese Behauptung steht im Widerspruch zu psychologischen Untersuchungen und fachlichen Aussagen: Pädophilie ist eine sexuelle Entwicklungsstörung, die sich bis zum Ende der Pubertät des Betroffenen manifestiert, aber keinesfalls durch eine Verpflichtung ausgelöst wird, die ein erwachsener Mann eingeht. Im Internet sind sehr viele Statistiken verfügbar, wie viele sexuelle Mißbrauchsfälle pro Jahr in Deutschland bei den Behörden angezeigt werden. [1]</p>
<p>Daraus wird ersichtlich, daß es sich in den vergangenen 15 Jahren um ca. 15000 Fälle pro Jahr handelt. Das sind nur die gemeldeten Fälle, die Dunkelziffer ist sicher weitaus größer. In früheren Jahrzehnten mag die Zahl noch höher gelegen haben, wegen der bereits oft zitierten Auswirkungen der 68er Revolution, der Erziehungsmethoden in den 40er und 50er Jahren in relativ abgeschlossenen Kinderheimen etc.</p>
<p>Gehen wir für die folgenden Überlegungen aber von einer Zahl von 15000 Fällen pro Jahr in den vergangenen 70 Jahren aus, betrachten wir also den Zeitraum von 1940 bis 2010. 70 mal 15000 ergibt 1 050 000 Fälle, in Worten: eine Million fünfzigtausend Kinder, die sexuell mißbraucht wurden. Und jeder Fall ist eindeutig ein Fall zuviel – verbergen sich doch hinter dieser Zahl über eine Million von Einzelschicksalen, von Kindern (und heutigen Erwachsenen), die in ihrer persönlichen Entwicklung mehr oder weniger gestört wurden.</p>
<p>Wenn man diese Zahl von gemeldeten Mißbrauchsfällen zur besseren Handhabung auf 1 Million abrundet, und die der bekannten Mißbrauchsfälle in katholischen Institiutionen von 350 auf 1000 aufrundet ergibt sich in etwa folgendes Bild: In den letzten 70 Jahren gehen 1000 Fälle von insgesamt 1000000 Fällen auf Kleriker zurück, das entspricht einem Promille.</p>
<p>Pro Jahr 15 in kirchlichen Einrichtungen mißbrauchte Kinder ist eindeutig nicht tolerierbar – aber wo bleibt die allgemeine und mediale Empörung über die 99.9 % restlichen Fälle?! Das entspricht 14985 Kindern, die pro Jahr in Familien, im Bekanntenkreis, in Sportvereinen, in öffentlichen Schulen, in nicht-katholischen Internaten usw. sexuell mißbraucht werden.</p>
<p>Eine Aufschlüsselung der Tatverdächtigen in den polizeilich ermittelten Fällen ergibt folgendes: 53% der Täter sind Väter, 16% Stiefväter u.ä., 6% ältere Brüder, 5% Onkel, 3% Großväter, 10% Nachbarn oder Freunde und 6% Lehrer, Erzieher, Ärzte. (Quelle: Statistik des Deutschen Kinderschutzzentrums)</p>
<p>Wie aus obiger Statistik ersichtlich ist, geht also die Mehrzahl der sexuellen Mißbrauchsfälle an Kindern auf Täter zurück, die ihre Sexualität „frei ausleben können“ – NICHT auf zölibatär lebende Priester oder Mönche.<br />
Dies sollte im allgemeinen Bewußtsein sowie in den Medien berücksichtigt werden &#8211; ansonsten kommt der Verdacht auf, es gehe den Autoren nicht in erster Linie um das Schicksal der Opfer und die Prävention weiterer Fälle, sondern vielmehr um einen Angriff auf die Katholische Kirche und ihre Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit.</p>
<p>Die immer lauter erhobene Forderung nach einer Stellungnahme von Papst Benedikt XVI., ja nach einem „Mea Culpa“ des Heiligen Vaters, die nicht nur von den Medien sondern auch von Stimmen innerhalb der katholischen Kirche gefordert wird, erscheint unter Berücksichtigung des oben Gesagten besonders unverständlich: Was sollte der Papst noch sagen oder schreiben, was er nicht schon vielfach gesagt und geschrieben hat? Warum sollte er sich global entschuldigen, gar ein „Mea Culpa“ sprechen, wenn doch einzelne Personen individuell sich falsch verhalten haben? Oder geht es mehr darum, ihn als Person sowie das Papstamt öffentlich herabzuwürdigen und der Institution „Katholische Kirche“ die Vertrauenswürdigkeit abzusprechen?</p>
<p>Verfolgt man den laufenden medialen Sturm um die Pädophilie-Vorwürfe, so fühlt man sich fatal an die vergleichbare Situation anläßlich der Aufhebung der Exkommunikation der FSSPX-Bischöfe vor genau einem Jahr erinnert.</p>
<p>Viel wichtiger als die Dauer-Schelte gegenüber allem Katholischen wäre die Konzentration auf Hilfe für die Opfer, eine angemessene Bestrafung ALLER Täter &#8211; mit begleitender Lebensumstellung (Therapie zur Beherrschung ihrer Sexualität, Versetzung an einen Arbeitsplatz, an dem sie nicht mit Kindern/Jugendlichen in Kontakt kommen) sowie eine verstärkte Prävention, damit Fälle sexuellen Mißbrauchs möglichst verhindert werden.</p>
<p>[1] Bspw. <a href="http://www.kidsschutz.de/index.php?option=com_content&#038;task=view&#038;id=26&#038;Itemid=37">hier.</a></p>
<p><em>Ein Gastkommentar von Monika Rheinschmitt, Vorsitzende der Laienvereinigung für den klassischen römischen Ritus in der Katholischen Kirche e.V.</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Der unermüdliche Einsatz Benedikts XVI.</title>
		<link>http://www.kathnews.de/content/index.php/2010/03/18/der-unermudliche-einsatz-benedikts-xvi/</link>
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		<pubDate>Thu, 18 Mar 2010 07:03:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gero P. Weishaupt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blickpunkt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.kathnews.de/content/?p=3675</guid>
		<description><![CDATA[Eine Rückschau von Dr.iur.can. Gero P. Weishaupt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.kathnews.de/content/wp-content/uploads/benedictusxvi2.jpg" alt="Papst Benedikt XVI." title="Papst Benedikt XVI." width="130" height="125" class="alignleft size-full wp-image-1544" />Am kommenden Wochenende soll das angekündigte Schreiben Papst Benedikts XVI. an die irischen Bischöfe über sexuelle Missbrauchsfälle in Irland veröffentlich werden. Schon zu Beginn des Jahres hat der Papst die Bischöfe Irlands nach Rom geladen, um mit ihnen über die Probelme zu sprechen und Maßnahmen zu vereinbaren. In den letzten Wochen sind zahlreiche Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen in Deutschland, Österreich und in den Niederlanden bekannt geworden. Dabei geriet auch Benedikt XVI. unter Beschuss der Medien.<span id="more-3675"></span> Ihm wurde vorgeworfen, gar nichts oder zu wenig unternommen zu haben. Dass dieser Vorwurf jeder Grundlage entbehrt, beweist nicht nur der bevorstehende Brief an die Katholische Kirche in Irland, sondern vor allem ein kurzer Rückblick in die vergangenen Jahre. </p>
<p><strong>Durchsetzung und Verschärfung des Kirchenrechtes</strong><br />
Schon als Präfekt der Glaubenskongregation hat Joseph Ratzinger sich unermüdlich für eine systematische kirchenrechtliche Aufklärung und Behandlung der Missbrauchsfälle eingesetzt. Die der Glaubenskongregation am 28. Juni 1988 in der Apostolischen Konstitution “Pastor Bonus” Johannes Pauls II. zugewiesene Kompetenz, „Straftaten gegen den Glauben sowie schwere gegen die Sittlichkeit oder bei der Feier der Sakramente begangene Straftaten, die ihr gemeldet worden sind” zu untersuchen und, wenn es sich als notwendig erweist, Kirchenstrafen zu erklären und zu verhängen, führte unter Federführung Kardinal Joseph Ratzingers, des damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, dazu, dass das Strafverfahren „zur Erklärung beziehungsweise Verhängung von Kirchenstrafen“ deutlicher definiert wurde. Frucht dieser Arbeit war das Motu proprio “Sacramentorum sanctitatis tutela” Johannes Pauls II. vom 30. April 2001, das am 18. Mai 2001 durch das Schreiben “Ad exsequendam” des Kardinalpräfekten Joseph Ratzinger ausgeführt wurde. </p>
<p>Das Schreiben ruft die der Glaubenskongregation vorbehaltenen schweren Straftaten in Erinnerung, darunter „die von einem Kleriker begangene Straftat gegen das sechste Gebot des Dekalogs mit einem noch nicht 18jährigen minderjährigen Menschen“. Es heisst dort u.a. „Wenn ein Bischof oder Hierarch auch nur vage Kenntnis von einer derartigen Straftat hat, muss er sie nach abgeschlossener Voruntersuchung an die Glaubenskongregation weitermelden, die, wenn sie nicht wegen besonderer Umstände den Fall an sich zieht, durch Weitergabe der entsprechenden Vorschriften dem Bischof beziehungsweise Hierarchen gebietet, durch sein je eigenes Gericht das weitere Verfahren führen zu lassen.” Die Aufklärung von sexuellen Missbräuchen gegenüber Minderjährigen bis zu 18. Jahren sind also dem Apostolischen Stuhl vorbehalten. Jeder Bischof hat darum die Akten der Voruntersuchung an die Glaubenskongregation in Rom zur weiteren Behandlung zu senden, die dann über das weitere Verfahren entscheidet.</p>
<p><strong>Verlängerung der Verjährungsfrist </strong><br />
Zu beachten ist auch, dass der damalige Kardinalpräfekt Joseph Ratzinger die Verjährungsfrist für eine Strafklage gegen Strafhandlungen, die der Glaubenskongregation vorbehalten sind, auf zehn Jahre verlängert hat, währnd das krichliche Gesetzbuch eine Verjährungsfrist von “nur” 5 Jahren vorsieht.  Die Verjährung läuft nach dem allgemeinen Recht ab. Aber bei einer von einem Priester begangenen Straftat an einer minderjährigen Person beginnt die Verjährung erst mit dem Tag, an dem die Person das 18. Lebensjahr vollendet hat. Von der Verjährung kann die Glaubenskongregation zur weiteren Strafverhängung dispensieren.</p>
<p><strong>“Null-Toleranz” und Bekundungen tiefer Beschämung</strong><br />
Im Frühjahr 2002 hat das Bekanntwerden zahlreicher sexueller Missbrauchsfälle die amerikanische Kirche erschüttert, woraufhin Papst Johannes Paul II. Mitte April 13 amerikanische Kardinäle nach Rom zitierte und die künftige „Null-Toleranz“ vorgab. An der Vorbereitung und Durchführung dieses Treffens war der damalig Präfekt der Glaubenskongreation Joseph Ratzinger maßgeblich beteiligt.  Im April 2008 äußerte sich Papst Benedikt XVI. vor seiner USA-Reise, er sei tief beschämt über die Serie von Missbrauchsfällen pädophiler Priester und wird zitiert mit der Aussage „Wir werden Pädophile vom Heiligen Dienst absolut ausschließen.“ Am 17. April 2008 traf er sich in Washington mit einer kleinen Gruppe von fünf Personen, die Opfer sexuellen Missbrauchs von Priestern geworden waren. </p>
<p>Während seines Aufenthalts in Australien im Rahmen des Weltjugendtages in Sydney im Juli 2008 sprach der Papst erneut von tiefer Beschämung über den sexuellen Missbrauch Minderjähriger in der katholischen Kirche Australiens. Er forderte, dass alle, die dieses Übel begangen hätten, vor Gericht gestellt werden müssten, während die Kirche die Opfer mit größtem Mitgefühl und Sorgfalt behandeln müsse. Kurz vor seiner Abreise traf Benedikt XVI. auch in Sydney Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester und erfüllte damit eine der Hauptforderungen der australischen Opferverbände. Im April 2009 entschuldigte sich der Papst für den Missbrauch der Kinder der Inuit in Kanada. Im Dezember 2009 entschuldigte sich Papst Benedikt XVI. für den sexuellen Missbrauch von Kinder durch Priester in Irland. </p>
<p>Er teile mit vielen Gläubigen in Irland „die Empörung, das Gefühl des Verrats und die Scham“ über die „abscheulichen Verbrechen“. Im Februar 2010 verurteilte Benedikt XVI. den Missbrauch von Internatsschülern durch den Jesuitenorden in Deutschland und verknüpfte daran wiederum die Ankündigung, Verstöße gegen die Rechte von Kindern durch Vertreter der Kirche zu verurteilen. Benedikt XVI. erinnerte auch an Jesu Lehre über die Kinder und „seine Zärtlichkeit im Umgang mit ihnen“ als Mahnung, „die Rechte und die Liebe der Kinder nicht herabzumindern.“</p>
<p><strong>Vorwürfe gegen den Papst sind haltlos</strong><br />
Papst Benedikt XVI. hat die betroffenen Bischöfe immer dazu aufgefordet, die Missbrauchfälle kirchenrechtlich aufzuklären und die Täter zu strafen. Er selber hat als Präfekt der Glaubenskongregation die notwenigen Änderungen der entsprechenden Verfahrensordnung dieses Dikasteriums in die Wege geleitet. Als Papst hat er unzählige Male öffentlich sexuellen Missbrauch verurteilt und den Opfern sein Mitgefühl und sein tiefe Beschämung zum Ausdruck gebracht. Es stimmt daher nicht, dass der Papst tatenlos oder zu wenig getan hat. Die von bestimmten Medien lanzierten Vorwürfe sind haltlos. </p>
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		<title>Jesus Christus &#8211; Die Biografie</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Mar 2010 10:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Extern</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blickpunkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Peter Seewald auf den Spuren Christi.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.kathnews.de/content/wp-content/uploads/seewaldjc.jpg" alt="Buchcover (Foto: Droemer Knaur)" title="Buchcover (Foto: Droemer Knaur)" width="130" height="125" class="alignnone size-full wp-image-3739" />Eine Biografie bekannter Persönlichkeiten zu schreiben, ist fast immer ein Mammutwerk. Entweder gibt es kaum Quellen über die jeweilige Person, oder aber man verliert vor lauter Quellen beinahe diese Person aus den Augen. Für eine Biografie der wohl bekanntesten „Persönlichkeit“ der Welt, Jesus Christus nämlich, trifft wohl beides zu. Die Originalquellen – allen voran die Heilige Schrift sowie archäologische Zeugnisse – sind überschaubar. Der Markt wird jedoch mit Sekundärliteratur überschwemmt.<span id="more-3738"></span></p>
<p>In seinem neuen Werk „Jesus Christus. Die Biografie“ reist der bekannte Publizist Peter Seewald auf den Spuren Christi durch das Heilige Land – von der Geburt in Betlehem bis zur Kreuzigung auf den Hügeln von Golgatha. Er hat mit den Mesnchen dort gesprochen, die antiken Quellen befragt und die biblischen Berichte auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft – und erzählt so eine mitreißend moderne Geschichte über jenen Mann, von dem ein Drittel der heutigen Weltbevölkerung sagt, er sei Mensch und Gott zugleich.</p>
<p>Peter Seewald, Jahrgang 1954, arbeitete als Journalist für die Magazine Stern und Spiegel sowie für die Süddeutsche Zeitung und gilt heute als einer der erfolgreichsten religiösen Autoren Deutschlands. Seine bekanntesten Bücher sind „Salz der Erde“ und „Gott und die Welt“ als Interviewbücher mit dem damaligen Kardinal Ratzinger. So wurde Seewald nach dem Konklave zu einem der besten Papstkenner der Welt. Peter Seewald ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in München.</p>
<p><em>Peter Seewald:<br />
Jesus Christus. Die Biografie<br />
ISBN: 978-3-629-02192-2<br />
Pattloch<br />
24,95 € / 704 Seiten</em></p>
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		<item>
		<title>Kommentar: Die Abtreibungsdramatik unter dem Aspekt der Unterlassungssünde</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Mar 2010 07:17:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mag. Michael Gurtner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blickpunkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Kommentar von Mag. theol. Michael Gurtner.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.kathnews.de/content/wp-content/uploads/embryo.jpg" alt="Embryo" title="Embryo" width="130" height="125" class="alignleft size-full wp-image-195" />Eine der positive Erneuerungen, welche im Zuge der Liturgiereform nach dem letzten Konzil in die katholische Liturgie Einzug hielten, war die Einfügung des omissione ins Confiteor. Es weist uns darauf hin, daß wir nicht nur in dem Sündigen was wir tun, sei es im Handeln, im Denken, im Sprechen, sondern daß wir auch durch unser nicht-tun sündigen können: wenn wir nicht handeln, wo wir handeln müßten, wenn wir unser Denken nicht kultivieren und dort nicht sprechen (oder schreiben) wo wir dazu moralisch gehalten wären.<span id="more-3662"></span> Viel mehr Unterlassungssünden häufen sich bei uns allen, als den meisten vermutlich bewußt ist!</p>
<p>Es steht uns an, uns auch in dieser Hinsicht einmal einer selbstkritischen und ehrlichen Gewissensprüfung zu unterziehen, und zwar mit besonderer Bezugnahme auf ein Drama, welches die Todesursache Nummer eins in der Europäischen Union, welche sich gerne menschenfreundlich und als betonte Befürworterin der Menschenrechte darstellt. Allein im Jahre 2008 gab es 2,86 Millionen registrierte Abtreibungen – dem steht eine geschätzte Sterbezahl von etwa 4,8 Millionen geborener Menschen gegenüber. Das entspricht einem Verhältnis von 1:1,68. </p>
<p>Oder in Worten gesprochen: einer Person, welche innerhalb der ersten neun Lebensmonate gezielt getötet wird stehen, statistisch gesehen, weit weniger als zwei geborene Personen gegenüber, die in einem Zeitraum von etwa achtzig Jahren sterben, alle Todesursachen zusammengenommen!</p>
<p><strong>Sich selbst an den eigenen Maßstab halten</strong><br />
Gerade in einer Zeit, da wir gerne den Maßstab unserer eigenen Zeit an die Vergangenheit legen und das Argument nicht gelten lassen wollen, daß in vergangenen Zeiten die Mehrheit anders dachte als die gegenwärtige Mehrheit, sondern rückwirkend fordern, man hätte damals auch gegen den mainstream handeln und seine Stimme zum Guten erheben müssen, müssen wir uns auch fragen, wie es denn bei uns in dieser Sache aussieht: ob wir auch selbst das tun, was wir rückwirkend von anderen Generationen verlangen. Mit Recht sagen wir heute, die Menschen hätten vor und bei Beginn des zweiten Weltkrieges nicht wegsehen dürfen, sondern laut aufschreien müssen, auch gegen einen gewissen Druck der Mehrheit, um so vielleicht den Aufstieg Hitlers zu verhindern.</p>
<p>Und mit recht sagen wir auch heute, man hat in den letzten fünfzig Jahren zu viel Toleranz gegenüber sexuellen Straftätern walten lassen: man hätte härter durchgreifen müssen, obwohl damals Toleranz und eine „offene Sexualerziehung“, welche in Wirklichkeit viel zu oft sexueller Mißbrauch war, Gebot der Stunde war, in einem Klima der neuen Offenheit, welche die 68er-Revolution mit sich brachte.</p>
<p>Im Nachhinein klagen wir, wenn möglich auch gerichtlich, Täter für Dinge an, welche gegen das objektiv Richtige verstießen (welches nicht zeitlich bedingt ist), auch wenn sie damals dem Denken der Mehrheit folgten: was sie taten war allgemein akzeptiert und wurde von nicht wenigen auch als Recht eingefordert.</p>
<p>Mit recht wollen und können wir dort nicht das Argument gelten lassen, daß es damals eben so der allgemeine Konsens war, wo es um ein objektive und absolutes Übel geht. Vollkommen zurecht sagen wir, daß man das Übel hätte im Keime ersticken müssen. Zuallererst müssen dabei die Intellektuellen in Pflicht genommen werden, die Entscheidungsträger, die Politiker, die Meinungsbildner und besonders auch der Klerus.</p>
<p>Es ist nicht legitim ein objektives Unrecht und ein Übel wachsen zu lassen und zu tolerieren, nur weil dieses Übel durch den mehrheitlichen Konsens geschützt ist welcher das Übel nicht als solches anerkennen möchte und mitunter sogar als ein Gut, ein Recht oder eine Pflicht deklariert. Die Mehrheit darf nie zum Maßstab für gut und böse werden, ebensowenig wie das Recht dieser Maßstab sein darf.</p>
<p>Wo ein Recht oder die Mehrheit Unrecht toleriert oder fordert, darf man diesem Gesetz oder diesem Konsens nicht folgen, man muß widerstehen und das objektive Unrecht zu Fall bringen, auch gegen den Mehrheitswillen.</p>
<p>Soweit es Vergangenes betrifft, erkennen wir oft sehr gut, daß die Mehrheit kein gültiger Maßstab ist. Wir fragen vollkommen richtig: wo war denn der Widerstand beim Aufstieg des Diktators Hitler? Und wir können es nicht begreifen, wie es dazu kommen konnte, daß das unbeschreibliche Drama des millionenfachen Massenmordes während des letzten Weltkrieges von vielen einfach wie selbstverständlich hingenommen und ideologisch akzeptiert wurde. Fassungslos stehen wir vor diesem Teil der Geschichte, den wir alle ungeschehen machen möchten, und sind uns einig, daß man rechtzeitig hätte einschreiten müssen, und zwar trotz den allgemeinen Konsenses und gegen diesen.</p>
<p>Ähnlich ist es jetzt mit den beschämenden Fällen von sexuellem Mißbrauch in privaten, staatlichen und leider auch kirchlichen Einrichtungen: hätte man die allgemeine Akzeptanz von fragwürdigen Aufklärungsmethoden, welche die Grundlage sexuellen Mißbrauchs werden konnten, nicht rechtzeitig im Keime ersticken müssen? Auch wenn die Freiheit zu Mißbrauch nie von der Mehrheit gefordert wurde, so wurde aber dennoch eine sexuelle Offenheit und Freizügigkeit gefordert, welche der Nährboden für schwerste sexuelle Vergehen wurde. Auch hier sagen wir heute rückwirkend: warum tat denn niemand etwas? Warum trat man dem nicht entschieden entgegen, und zwar auch gegen den mainstream der sexuellen Freizügigkeit? </p>
<p>Doch wirken diese an sich richtigen Anklagen doch solange etwas unglaubwürdig, als wir sie nur auf die Vergangenheit beziehen und nicht auch auf die Gegenwart anzuwenden bereit sind. Wenn wir richtiger Weise erkennen, daß für vergangene Fehlentscheidungen der allgemeine Konsens keine Entschuldigung sein kann, dann gilt dies allgemein und so auch für das Heute. Wenn wir fordern, daß damals ein Aufschrei hätte erfolgen müssen wo Tod und Mißbrauch akzeptiert wurde, und zwar nicht nur vereinzelt sondern großflächig, dann gilt dies auch für die Gegenwart.</p>
<p><strong>Das größte Unrecht der Gegenwart ist die Akzeptanz der Abtreibung</strong><br />
Wenn wir vollkommen richtiger Weise sagen, man hätte damals die Tötung von Menschen niemals tatenlos hinnehmen oder gar mit fordern dürfen, sondern es hätte die Pflicht gegeben dieses Unrecht zu bekämpfen, so gilt dies auch heute für das Abtreibungsdrama. Auch wenn es von einem gewissen Konsens getragen sein mag rechtfertigt dieser Konsens noch lange nicht das Verbrechen an sich. Wenn wir nach den Widerstandskämpfern der damaligen Zeit fragen und eine diesbezügliche Lethargie fassungslos beklagen, so können wir dies nur dann glaubwürdig tun, wenn wir aus den Fehlern und Unterlassungssünden der damaligen Zeit gelernt haben und nicht heute denselben Fehler mit einem offenen und einem geschlossenen Auge wieder begehen. </p>
<p>So richtig es ist, vergangenes Verbrechen und Unterlassen anzuklagen, so ist es aber noch wichtiger, dasselbe bei gegenwärtigem Unrecht und Verbrechen zu tun: wir dürfen vor lauter Bestürzung und Anklage der Vergangenheit nicht das gegenwärtige Verbrechen übersehen, und so selbst zu lethargischen Schweigern werden, während wir laut und deutlich vergangene Untätigkeit anklagen.</p>
<p>Leider bestehen diesbezüglich viele Unterlassungssünden, und wir sind dabei dasselbe zu tun, wo wir eigentlich doch sagen: „nie mehr wieder!!!“. Wie wird man in Zukunft über uns urteilen? Wird man nicht in einigen Jahren dieselben Maßstäbe an unsere Zeit legen wie wir heute an die Vergangenheit? Wird man dann nicht auch, vollkommen zu recht, sagen: „warum taten so wenige etwas gegen die Abtreibung? Wo waren die anderen? Wo war vor allem die Kirche?“</p>
<p>Es wäre die rechte Zeit, wenn wir es bislang schon nicht taten, so zumindest jetzt selbst das zu tun, was wir von früheren Generationen eigentlich verlangt hätten. Das würde erst unsere Anklagen glaubwürdig und einsichtig machen. Oder meinen wir wirklich, heute in einer besseren Zeit zu leben wie damals? Ohne durch den Konsens getragenes Unrecht? </p>
<p>Wenn wir heute darauf blicken, wie sich die Mehrheit gegenüber der Abtreibung verhält und argumentiert, so können wir daran sehen, wie viele Menschen damals über die verschiedenen Greuel des zweiten Weltkrieges dachten und wie es geschehen konnte, daß es so wenig Widerstand gab.</p>
<p>Diesen Fehler dürfen wir nicht erneut begehen. Besonders die intellektuelle, meinungsbildende Schicht muß hier aktiv werden: man muß schreiben, reden, filmen und Vorträge halten. Es genügt nicht, gegen Abtreibung zu sein: es muß auch kundgetan werden, es muß zu Zusammenschlüssen kommen mit dem Ziel, die Fristenlösung, welche keine Lösung ist sondern eine solche nur vorgaukelt, endlich, mit jahrzehntelanger Verspätung, zu Fall zu bringen. </p>
<p>Als erstes würde man sich eine vermehrte Aktivität der Kirche in dieser Hinsicht erwarten, der Bischöfe und Priester. Klare, deutliche Worte von Bischöfen und auch Priestern, ebenso wie von führenden Intellektuellen aus Politik, Kunst, Kultur und Wissenschaft würden die Tore für weitere Aktionen und Kundgebungen öffnen können: wenn sich die „Oberen“ getrauen, dann erst wird sich das auf die Allgemeinheit übertragen. Das Verbrechen der Fristenlösung und akzeptierten Abtreibung muß unbedingt als Thema präsent bleiben: deshalb soll und muß man öfters als bisher darüber sprechen und schreiben: denn sonst schweigen wir und zu einem Verbrechen aus, wie wir es vielen Menschen zu und vor Beginn des zweiten Weltkrieges vorwerfen. </p>
<p><strong>Die Möglichkeiten sind vielfältig</strong><br />
Die Möglichkeiten sind vielfältig, und je nach Wirkungsbereich sind sie bei jedem etwas verschieden.<br />
Wichtig ist – wir sind mittlerweile in 2010 angelangt – sicher das Internet. Eine große Anzahl von Personen betreiben einen blog oder betreiben sonst persönliche Seiten im Internet: hin und wieder sollten diese Medien auch für Kommentare gegen Abtreibung und Fristenlösungs-Gesetze genutzt werden.</p>
<p>Die Priester müßten wieder mehr in Predigten, Pfarrbriefen und Katechesen darüber aufklären, weshalb die Fristenlösung niemals stillschweigend akzeptiert werden können wird. Besonders schwer wiegt es, wenn die Kritik aus der Kirche verstummt – sie müßte wieder die Anführerin des Widerstandes zum Schutz der ungeborenen Menschen werden!</p>
<p>Die Lehrer sind dort nicht an staatliche Verfügungen gebunden, wo sie dem Naturrecht entgegenstehen: gerade die Erziehung der Jugend ist wegweisend für die Zukunft! Die Gläubigen müßten auch ihre hirten – Priester wie besonders auch Bischöfe – ermutigen, sich gegen die Fristenlösung einzusetzen: auch Hirten sind manchmal schwach und tun sich persönlich etwas leichter wenn sie wissen, daß sie viele Gläubige hinter sich haben. Das muß man sie aber auch merken und wissen lassen!</p>
<p>Die Politiker haben als Entscheidungsträger eine besondere Verantwortung – und deren Unterlassen wiegt ungemein schwerer, da es an ihnen liegt, Gesetze zu ändern. Besonders die Mütter sind auch gerufen, ihren Kindern, ganz besonders ihren Töchtern, die rechten Werte zu vermitteln und sie zu gottesfürchtigen Menschen heranzuziehen, welche sich nicht von der Mehrheit an die intellektuelle Leine hängen lassen.</p>
<p>Intellektuelle und Meinungsbildner müssen ihre Fähigkeiten dazu einsetzen, um die Gesellschaft zum Guten zu verändern und bestehende Fehler und Verbrechen einsichtig zu machen: deshalb müssen gerade sie viel darüber schreiben und reden.</p>
<p>Nicht alle sind verpflichtet, dasselbe zu tun – aber wo jemand die Gelegenheit hat, sich gegen die Fristenlösung auszusprechen, besteht die schwere moralische Pflicht, diese Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Das Thema Abtreibungskritik muß zu einem selbstverständlichen, stets präsenten Thema werden: dazu muß es aber am Leben erhalten werden – mit dem hehren Ziel, die Fristenlösung zu stürzen!</p>
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		<title>Die Umsetzung von &#8220;Summorum Pontificum&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Mar 2010 17:43:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gero P. Weishaupt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blickpunkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Dr.iur.can. Gero P. Weishaupt]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.kathnews.de/content/wp-content/uploads/altemesse_pmt.jpg" alt="Alte Messe" title="Alte Messe" width="130" height="125" class="alignleft size-full wp-image-3262" />Am 7. Juli dieses Jahres wird das Motu Proprio &#8220;Summorum Pontificum&#8221; drei Jahre alt. Mit diesem für die Zukunft der Liturgie und damit der Kirche weichenstellenden Dokument hat Papst Benedikt XVI. die Feier der gregorianisch-tridentinische Liturgie, die sogenannte außerordentliche Form des Römischen Ritus, für die gesamte Katholische Kirche des lateinischen Ritus wieder möglich gemacht. Bis zum 14. September 2010 sollen die Bischöfe dem Apostolischen Stuhl über ihre Erfahrungen mit der Umsetzung des Gesetzestextes in ihren Bistümern Bericht erstatten.<span id="more-3626"></span> </p>
<p><strong>Systemänderung durch &#8220;Summorum Pontificum&#8221;</strong><br />
Die außerordentliche Form des Römischen Messritus kann seit dem Motu Prorpio &#8220;Summorum Pontificum&#8221; als beständige Gemeindemesse gefeiert werden. Eine im Vergleich zur bisherigen Gesetzgebung wesentliche Neuerung durch &#8220;Summorum Pontificum&#8221; besteht darin, dass die Entscheidung darüber nicht beim Bischof liegt, sondern beim Priester vor Ort. Der Pfarrer braucht hierfür kein Indult des Bischofs mehr. Für diese Änderung des Systems mögen zwei Gründe ausschlaggebend gewesen sein: Einerseits die Anwendung des Subsidiaritätsprinzip insofern die Entscheidungskompetenz von den Ordinariaten nun auf die Pfarrer verlagert wird und die Bischöfe von der Entscheidung über die in den letzten Jahren vermehrten Anfragen von Priestern und Gläubigen entlastet werden sollen, andererseits aber auch die negativen Erfahrungen im restriktiven Umgang mit der Gewährung des Indultes seitens der bischöflichen Behörden, obwohl Papst Johannes Pauls II. in seinem Motu Proprio &#8220;Ecclesia Dei adflicta&#8221; von 1988 die Bischöfe zu einem großzügigen Umgang mit der Indultgewährung aufgerufen hatte.</p>
<p><strong>Initiative geht von Gläubigen oder vom Pfarrer aus</strong><br />
Was die Gemeindemesse betrifft, so ist es der Pfarrer bzw. der ihm rechtlich Gleichgestellte, wie etwa der Pfarradministrator, der bestimmt, ob eine Messe in der sog. außerordentlichen Form des Römischen Messritus in der Gemeinde gefeiert wird. Die Initiative zur Umsetzung des Motu Proprio &#8220;Summorum Pontificum&#8221; in einer Pfarrgemeinde geht von der &#8220;Basis&#8221; aus, d.h. der untersten Ebene der kirchlichen Verfassungsstruktur, der Pfarrei, und zwar entweder von einer Gruppe von Gläubigen, die sich mit der entsprechenden Bitte an den Pfarrer wenden, oder vom Pfarrer selber. Letzteres geht unzweideutig aus einem Antwortschreiben  des Sekretärs der Päpstlichen Kommission &#8220;Ecclesia Dei&#8221; vom 20. Januar 2010 hervor: &#8220;Entsprechend dem wohlabgewogenen Urteil des Pfarrers kann auch ohne die Bitte einer festen Gruppe von Gläubigen eine Messe in der außerordentlichen Form stattfinden.&#8221; Die sogenannte außerordentliche Form des Römischen Ritus ist dabei so in der Pfarrei umzusetzen, dass sie harmonisch in das Ganze des Pfarrlebens integriert wird. Spannungen und Spaltungen in der Gemeinde sollen vermieden werden. Das fordert vom Pfarrer eine kluge pastorale Vorgehensweise. </p>
<p><strong>Erfahrungsbericht eines Pfarrers</strong><br />
Am Beispiel der Pfarre St. Gertrud in Herzogenrath im Bistum Aachen kann veranschaulicht werden, dass eine Umsetzung von &#8220;Summorum Pontificum&#8221; gelingt. Pfarrer Dr. Guido Rodheudt berichtet in seinem lesenswerten Artikel &#8220;Die entfachte Glut. Bericht zum Angebot der tridentinischen Messe in der Pfarrei St. Gertrud &#8211; Herzogenrath&#8221;, den die &#8220;Sinfonia Sacra&#8221;, der Aachener Verein zur Förderung der Kirchenmusik, auf ihrer Internetseite zur Verfügung stellt, über eine gründliche Vorbereitungs- und Aufklärungsarbeit in seiner Gemeinde, als deren Ergebnis die Akzeptanz des alten Usus seitens der Pfarrangehörigen steht. Doch nicht alles ist immer reibungslos verlaufen. Der Pfarrer erwähnt in seinem Erfahrungsbericht auch einige Probleme, die es im Zusammenhang mit der Umsetzung des Motu Proprio in seiner Pfarrei gegeben hat.</p>
<p><strong>Modellcharakter</strong><br />
Wenngleich die Situation einer jeden Pfarrgemeinde verschieden ist, hat Pfarrer Rodheudts Vorgehensweise der praktischen Implementierung des päpstlichen Gesetzestextes in seiner Herzogenrather Pfarrgemeinde Modellcharakter und kann für den einen oder anderen Priester eine Hilfe sein.</p>
<p><a href="http://www.sinfonia-sacra.de/Rodheudt_Die_entfachte_Glut.pdf" target="blank">Linktipp: Erfahrungsbericht aus der Pfarrei St. Gertrud</a></p>
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		<title>Der Verlust der Wahrheit (II. Teil)</title>
		<link>http://www.kathnews.de/content/index.php/2010/03/11/der-verlust-der-wahrheit-ii-teil/</link>
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		<pubDate>Thu, 11 Mar 2010 14:36:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mag. Michael Gurtner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blickpunkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Auszug aus dem Buch „Religionsfrei“ (Benedetto-Verlag) von Mag. Michael Gurtner.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.kathnews.de/content/wp-content/uploads/maggurtner_neu.jpg" alt="Mag. Michael Gurtner" title="Mag. Michael Gurtner" width="130" height="125" class="alignleft size-full wp-image-3595" />Doch genau das ist der Punkt: wir sind kein bißchen freier geworden in den letzten 50 Jahren, weil nämlich die Möglichkeiten, sich frei zum Guten zu entscheiden, weniger anstatt mehr geworden sind, und die Umstände, unter welchen ein Leben gemäß der ewigen, göttlichen Wahrheit möglich ist, heute ungemein erschwert worden sind. Die Mehrheit hat sich gegen Gott entschieden, also müsse dies, so meint man, in vielen Bereichen einfach akzeptiert werden. Die Wahrheit steht gegen das Wollen. <span id="more-3601"></span>Eine Befreiung ist nur insofern geschehen, als sie in einer Loslösung von Gott und seiner Wahrheit gemeint ist. Dies ist aber letztlich keine Befreiung, sondern ihr Gegenteil, eine potentielle Versklavung. Die Wahrheit ist es hingegen, welche frei macht: veritas liberabit vos. Möchte man sich hingegen von der Wahrheit befreien, so wird man letztlich in Unfreiheit enden – wie wir es allmählich, aber dafür immer deutlicher zu spüren bekommen, besonders in Europa.</p>
<p>Es wird heute etwas als Freiheit ausgegeben, was in Wirklichkeit keine ist (das wäre nämlich, die reale Möglichkeit zu haben, sich zum objektiv Guten zu entscheiden), doch selbst der irrige Freiheitsbegriff, welcher der heute allgemein Gebräuchliche ist (nämlich die Möglichkeit zu haben, sein subjektives Wollen unabhängig vom Urteil anderer verwirklichen zu können) ist letztlich ein bloßer Betrug, welcher uns vormachen möchte, daß wir das hätten was wir wollten, ohne es aber wirklich zu haben, da das, was heute gerne Freiheit benannt und als das eben beschriebene ausgegeben wird, effektiv aber nichts anderes bedeutet, als sich unter den von einer Mehrheit oder einer anerkannten Gesellschaft begrenzten Vorauswahl wählen zu können, was einem von diesen vorgegebenen und eingegrenzten Möglichkeiten am ehesten zusagt.</p>
<p>Auch hieran sehen wir: Ohne die eine Verankerung und Rückkoppelung an eine unbestechliche, vollkommen objektive und unfehlbare Wahrheit, wie sie in dem allmächtigen, dreifaltigen Gott gelegen ist, bleibt der Mensch immer dem unberechenbaren Willen anderer ausgesetzt und von diesen abhängig. </p>
<p><strong>Die Wahrheit besitzt man nicht unverlierbar</strong><br />
Freilich, auch wenn sich die Gesetzgebung und die Gesellschaft im Allgemeinen tatsächlich an Gott ausrichten, ist dies noch lange keine Garantie für eine ewige Beständigkeit dieses Zustandes, bleibt die Gefahr doch immer bestehen, daß dies eines Tages enden wird. Die Geschichte lehrt uns ja bereits mehrfach, daß derartiges auch tatsächlich eintreten kann: einen idealen Zustand hat man nie einfach, man muß ihn sich vielmehr immer erneut stabilisieren, verteidigen und sich erhalten, und immer wieder erneut um diesen ringen. Aber der Verlust eines solchen Idealzustandes ist, wo er denn besteht, eben erst eine potentielle Gefahr. Der aktualisierte Zustand einer katholischen Gesellschaft ist eben gerade ein idealer, welcher, wie beinahe jedes Ideal, das Risiko der Vergänglichkeit und eines Endes in sich trägt. Ist dieses Ende aber erst einmal eingetreten, so ist der Idealzustand vorbei, und der Mensch in Gefahr. Er ist dann beständig der Willkür der anderen ausgeliefert, weil es keine außerhalb seiner selbst gelegenen unübertretbaren moralischen Grenzen mehr gibt: was der Mensch kann, das wird er auch. Spätestens früher oder später. </p>
<p>An sich fixe und objektivierbare Konstanten wie Gut und Böse werden somit nach und nach entscheidbar und dann auch tatsächlich dem Entscheid einiger weniger Menschen anheimgestellt, welcher sich in Wirklichkeit die Mehrheit zu beugen hat – und das unabhängig davon, ob die Entscheidungen der wenigen nun gut oder schlecht sein mögen. Ohne die Anbindung an Gott und an eine aus ihm abgeleitete Wahrheit ist aber letztlich auch jeglicher Versuch der Menschheit, sich selbst eine Art ethischen Verhaltenskodex aufzustellen, vergebens und argumentativ leicht angreifbar: Denn wenn nichts absolut wahr ist, sondern höchstens als wahr, gut oder nützlich scheint, so steht es nur auf schwachen Füßen: Weil wenn sich erst einmal eine Gruppe etabliert, welcher alles ganz anders erscheint…? Dann werden auch diese vermeintlich fixen und unantastbaren Regeln noch schneller „abgeschafft“, als man im letzten Jahrhundert plötzlich die Wahrheit „abschaffte“ – Zeugung durfte man plötzlich ruhig verhüten, was bereits heute mittlerweile, nach einem weiteren, in sich logischen, wenngleich auch falschen Denkschritt, nicht mehr bloß als Recht, sondern unter Umständen gar als Pflicht gilt, das Leben der ungeborenen Menschen haben wir schon längstens preisgegeben, an der Preisgabe der Komapatienten arbeiten wir gerade fleißig, und wenn wir diese endlich geschafft haben kommen die Alten dran – das werden dann wir selbst sein – und dann, wer weiß ob uns noch eine Menschengruppe Mißhagen bereitet… </p>
<p>Selbst unter der theoretischen Annahme, daß wir irren sollten, und die absolute Wahrheit Gottes in Wirklichkeit nur ein Irrtum wäre und in Wahrheit doch der Atheismus recht haben sollte, wäre ein Fürwahrhalten und Absolutsetzen dieses Irrtums (es ist freilich nur ein Gedankenexperiment) noch immer die für den Menschen beste und sicherste aller Lösungsmöglichkeiten. Und gehen wir nicht von einem Gefühl (welches das subjektive Alles-Können-Wollen letztlich ja nur ist), sondern von der Vernunft aus, so erzeigt sich auch das, was das Naturrecht und daher auch die heilige Kirche durch die Jahrhunderte hindurch immer lehrte, als das wirklich Vernünftigste. Halten wir an dieser Wahrheit fest, selbst für den Fall, daß sie ein Irrtum gewesen wäre, so könnten wir dennoch nur an ihr gewinnen. Geben wir sie hingegen auf, so werden wir früher oder später gewiß viel verlieren, auch und vor allem im sozialen, kulturellen und humanitären Bereich.</p>
<p>Überlegen wir einmal, vielleicht auch nur still für uns selbst, um keiner Beeinflussung und Druck von außen ausgesetzt zu sein, wie die Welt wohl sein würde, wenn sich alle an das gehalten hätten, was die katholische Kirche unter Berufung auf die Heilige Schrift und den Willen Gottes lehrte, so müssen wir wohl zugeben, daß viele unserer derzeitigen Weltprobleme so nicht bestünden. Viele Probleme entstehen nur, weil das Handeln einiger eben gerade von ihrem subjektiven Wollen bestimmt wird, und nicht von der objektiven Wahrheit.</p>
<p><strong>Der Papst lehrte es uns klar und deutlich</strong><br />
Die Notwendigkeit am Festhalten an der absoluten Wahrheit Gottes hat auch Seine Heiligkeit feliciter regnans bei seiner Pastoralvisite in Mariazell in seiner Predigt deutlich und ausführlich betont: „Nur ER ist Gott, und nur ER ist daher die Brücke, die Gott und Mensch wirklich zueinander kommen läßt. Wenn wir Christen ihn daher den einzigen für alle gültigen Heilsmittler nennen, der alle angeht und dessen alle letztlich bedürfen, so ist dies keine Verachtung der anderen Religionen und keine hochmütige Absolutsetzung unseres eigenen Denkens, sondern es ist das Ergriffensein von dem, der uns angerührt und uns beschenkt hat, damit wir auch andere beschenken können. In der Tat setzt sich unser Glaube entschieden der Resignation entgegen, die den Menschen als der Wahrheit unfähig ansieht &#8211; sie sei zu groß für ihn. Diese Resignation der Wahrheit gegenüber ist meiner Überzeugung nach der Kern der Krise des Westens, Europas. Wenn es Wahrheit für den Menschen nicht gibt, dann kann er auch nicht letztlich Gut und Böse unterscheiden. Und dann werden die großen und großartigen Erkenntnisse der Wissenschaft zweischneidig: Sie können bedeutende Möglichkeiten zum Guten, zum Heil des Menschen sein, aber auch &#8211; und wir sehen es &#8211; zu furchtbaren Bedrohungen, zur Zerstörung des Menschen und der Welt werden. Wir brauchen Wahrheit. Aber freilich, aufgrund unserer Geschichte haben wir Angst davor, daß der Glaube an die Wahrheit Intoleranz mit sich bringe. Wenn uns diese Furcht überfällt, die ihre guten geschichtlichen Gründe hat, dann wird es Zeit, auf Jesus hinzuschauen, wie wir ihn hier im Heiligtum zu Mariazell sehen. Wir sehen ihn da in zwei Bildern: als Kind auf dem Arm der Mutter und über dem Hochaltar der Basilika als Gekreuzigten. Diese beiden Bilder der Basilika sagen uns: Wahrheit setzt sich nicht mit äußerer Macht durch, sondern sie ist demütig und gibt sich dem Menschen allein durch die innere Macht ihres Wahrseins. Wahrheit weist sich aus in der Liebe. Sie ist nie unser Eigentum, nie unser Produkt, sowie man auch die Liebe nicht machen, sondern nur empfangen und weiterschenken kann. Diese innere Macht der Wahrheit brauchen wir. Dieser Macht der Wahrheit trauen wir als Christen. Für sie sind wir Zeugen. Sie müssen wir weiterschenken in der Weise, wie wir sie empfangen haben, wie sie sich geschenkt hat.“</p>
<p>Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI. spricht es klar und deutlich an: das Wohlergehen der Welt ist von dem Maße abhängig, in welchem wir das Handeln und Denken an der Wahrheit, an Gott ausrichten. Sein Wille ist nicht eine Art unverbindliche Orientierung, sondern eine wirkliche Verpflichtung, auch eine Verpflichtung im Gewissen. Leugnen wir dies, so haben wir bereits verloren, weil diese Leugnung bereits bedeutet, daß wir zur Wahrheit nicht bereit sind.</p>
<p><strong>Der Wahrheitsverlust hat auch die Kirche befallen</strong><br />
Dieser eben skizzierte Paradigmenwechsel hat das gesamte Denken des Menschen erfaßt, und so war es nur eine allzu logische Folge, daß dieser Abschied von der Kategorie des Wahren auch in die Kirche Einzug halten mußte. Die Kirche mit ihrem Anspruch absoluter Wahrheit der katholischen Religion (und jede Religion muß logischer Weise letztlich diesen Anspruch für sich erheben, da sie sich ansonsten ad absurdum führen und selbst von innen her auflösen würde, und tatsächlich sehen wir bestürzt, wie sich der Glaube durch den Mangel an Wahrheit von innen her nach und nach zersetzt) war nicht nur weiten Teilen der Gesellschaft suspekt und fragwürdig geworden, sondern die Gläubigen und gar auch der Klerus selbst begannen zu zweifeln, ob der bisherige Anspruch der Kirche, religio verissima zu sein, nicht doch zu hoch gegriffen, oder zumindest nicht doch zu offensiv vertreten war. </p>
<p>Doch neben diesem Selbstzweifel gab es noch ein weiteres Problem, mit welchem die Kirche plötzlich konfrontiert war: Mit dem Auftreten dieses allgemeinen Paradigmenwechsels war die Kirche quasi über Nacht vom in ins out gewechselt. Sie war mit den neuen geistigen Grundlagen nicht mehr konform.</p>
<p>So wurde der katholische Wahrheitsanspruch letztlich von zwei Seiten angegriffen: einerseits waren die „inneren“ Gründe, andererseits die „äußeren“. Beide Gründe trugen dazu bei, daß man selbst im Inneren der Kirche, welche doch stets als der Hort ewiger Wahrheit galt, von diesem Anspruch abrückte, wenngleich mit unterschiedlichen Begründungen. </p>
<p>Die einen beriefen sich auf die äußeren Bedingungen und Fakten und meinten, wenn die Kirche in der Gesellschaft präsent bleiben und möglichst viel „Territorium“ retten wolle, müsse sie sich den Menschen in einer für diese annehmbaren Gestalt präsentieren. Wahrheitsansprüche gehören da definitiv nicht dazu, auch wenn sie in sich nicht als falsch, sondern gar als richtig anerkannt wurden, jedoch nur „unter sich“ hinter den verschlossenen Türen. Nur wäre ein Wahrheitsanspruch, so theologisch berechtigt er auch sein mag, eben pastoral nicht geeignet. Die einzige Möglichkeit, die Leute noch zu erreichen und zumindest etwas von „der Botschaft“ zu vermitteln sei, so behauptete man, die Pfarre in einer Art von „Wohlfühlkirche“ zu organisieren. Ultralight. Man fordert nichts mehr, man sagt nichts mehr was dem Denken der Menschen entgegengesetzt sein könnte, und war der Ansicht, man müsse nolens volens den Zeitgeist übernehmen und die „Zeichen der Zeit“ deuten. Seinen liturgischen Ausdruck fand dies in Volksaltären, der Volkssprache, dem Beiseitelassen alles angeblich „Unverständlichen“, in rhythmischen Messen, thematisch gestalteten Messen, der Einführung von Ministrantinnen, etc. </p>
<p><em>Dieser Artikel ist der zweite Auszug aus dem Buch „Religionsfrei“ (Benedetto-Verlag) von Mag. Michael Gurtner. Insgesamt werden vier Teile auf Kathnews erscheinen.</em></p>
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		<item>
		<title>Der Verlust der Wahrheit (I. Teil)</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Mar 2010 16:36:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mag. Michael Gurtner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blickpunkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Auszug aus dem Buch „Religionsfrei“ (Benedetto-Verlag) von Mag. Michael Gurtner.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.kathnews.de/content/wp-content/uploads/maggurtner_neu.jpg" alt="Mag. Michael Gurtner" title="Mag. Michael Gurtner" width="130" height="125" class="alignleft size-full wp-image-3595" />Das 20. Jahrhundert war gekennzeichnet von einem gewaltigen Paradigmenwechsel, welcher die geistige Grundlage und Voraussetzung für zahlreiche Einzeländerungen war, dessen Folgen weitreichend gewesen sind, und nicht nur die bürgerliche Gesellschaft von Grund auf veränderten, sondern auch weit in das Innerste der heiligen Kirche, sozusagen in ihr Allerheiligstes eingedrungen sind. Das 20. Jahrhundert ist, zumindest seit dem Ende des ersten Weltkrieges, gekennzeichnet von einem beinahe völligen Verlust der Wahrheit (in ihrem metaphysischen Sinne).<span id="more-3594"></span>  Dieser allgemeine Wahrheitsverlust ist dabei nicht allein so zu verstehen, daß die tatsächliche Wahrheit verloren wurde, weil man sich eben etwas anderem zugewandt hätte, was man zwar für wahr hielt, was aber in Wirklichkeit nicht wahr war. Das wäre nicht das erste Mal in der Geschichte gewesen, daß solches passiert. Nein, diesmal wandte man sich von der Wahrheit an sich ab und negierte die Erkennbarkeit oder sogar die Existenz einer solchen selbst.</p>
<p>Damit ging aber freilich auch ein Abschied von jeglicher Metaphysik einher, der in einem rein positivistischen Empirismus endete, welcher unserem Denken die Grenzen jedoch viel zu eng setzt, sodaß das rechte Ergebnis nicht mehr erreicht werden kann, weil durch die Halbierung des Ganzen auf die reine Physika ganz einfach die geistigen Mittel viel zu bescheiden geworden sind. Man sagte plötzlich, es gäbe überhaupt erst gar keine Wahrheit, zumindest keine solche, welche dem Menschen mit Sicherheit als solche erkennbar und zugänglich wäre. Der Grund für die auf einmal auftretende Bereitschaft, Wahrheit als Wahrheit über Bord zu werfen, ist sicherlich zu einem guten Teil in zwei totalitären politischen Systemen des 20. Jahrhunderts zu finden, dem Kommunismus und dem Nationalsozialismus, welche beide trotz aller Gegensätze, die sie kennzeichneten, darin übereinstimmten, daß beide ganz bewußt die Wahrheit auslöschen wollten, und eine vom Menschen erdachte, rein künstliche und entworfene Ideologie an deren Stelle setzten, und dieses synthetische Kunstprodukt des menschlichen Geistes nun als Wahrheit verkünden wollten. </p>
<p>Dies hat viele dazu gebracht, allem, was für sich einen Wahrheitsanspruch erhebt und etwas im Namen der Wahrheit fordert, kritisch-ablehnend gegenüber zu stehen. Wahrheit, das konnte für viele nur Gefahr bedeuten, und man nahm somit eine prinzipiell mißtrauische Grundhaltung gegenüber allem ein, was mit absolutem Anspruch auftrat, und sich nicht selbst freiwillig und von sich aus zur ergebnisoffenen Diskussion stellte.</p>
<p><strong>Die Gefahr liegt in der Loslösung von der einen und absoluten Wahrheit Gottes</strong><br />
Dabei übersah man jedoch, daß die Gefahr der beiden genannten Regime nicht darin gelegen war, daß sie Wahrheitsanspruch erhoben, sondern darin, daß sie sich von der Wahrheit in Wirklichkeit genau losgelöst hatten, und anstatt dessen ihre eigenen, menschlich gemachten Konstrukte als Wahrheit ausgaben. Der unwahre Inhalt war also genau das Falsche und Gefährliche, nicht der bloße Wahrheitsanspruch selbst: derselbe Inhalt ohne Wahrheitsanspruch wäre kaum besser gewesen.</p>
<p>Der Grund, weshalb das Übel gleich zweimal, wenngleich in völlig unterschiedlicher Weise und mit entgegengesetzten Vorzeichen, überhaupt erst seinen Lauf nehmen konnte war, daß sich beide Regime von der objektiven, göttlichen Wahrheit losgelöst hatten. Ohne dies als Voraussetzung hätten sie nie ihre künstlichen, unwahren Ideologien trügerisch als Wahrheiten ausgeben können. Die Gefahr, und das übersah fataler Weise ein Großteil der europäischen Gesellschaft, ist also keinesfalls in einem erhobenen Wahrheitsanspruch an sich gelegen, sondern im Gegenteil, gerade in der Loslösung von der wahren Wahrheit, als Voraussetzung dafür, daß eine Lüge als Wahrheit proklamiert werden konnte.</p>
<p>Als Reaktion tat man zu Beginn der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts in einem ersten Schritt dasselbe, wie die beiden genannten Regime. Dieser erste Schritt bestand zunächst einmal darin, daß man sich von der Wahrheit löste, allerdings setzte man als zweiten Schritt diesmal nicht eine Proklamation einer erdachten Wahrheit, welche in Wirklichkeit keine Wahrheit war, sondern negierte die Erkennbarkeit oder gar die Existenz einer jeglichen Wahrheit. Es durfte also keinen absoluten wahren Inhalt mehr geben, und wer behauptete, Wahres zu verkünden, stand auf der Liste der Verdächtigen.</p>
<p>Dieser Denkfehler mußte nun zur logischen Folge haben, daß auch Gott nicht mehr eine fixe, konstante Größe war, auf welche man sich verlassen konnte, die Gutes und Böses erkennen ließ, die ebenso gewisse Grundweisen menschlichen Handelns anzugeben vermochte, und deren Richtigsein nicht erst hinterfragt und zerdiskutiert, abgestimmt werden mußte, weil sie eben als wahrseiend und ewig gültig, weil gottgewollt erkannt worden waren.</p>
<p>Die dahinterliegende Absicht war, sich gegen Totalitarismen und menschenverachtende Ideologien zu immunisieren, da so, wie es schien, keine großen Massen mehr mobilisiert werden konnten. Diese allem Endgültigem gegenüber ablehnende Haltung war zu einem Teil gewiß ein Pragmatismus, welcher als Präventivmaßnahme einfach als geistige Grundlegung notwendig erschien und deshalb „gewählt“ wurde, zum anderen Teil war sie aber auch bestimmt ein Skeptizismus, welcher aus dem großen Vertrauensbruch, welchen die politischen Erfahrungen mit sich brachten, resultierte: seit dem Ende der Monarchie hatte man keinen Regenten mehr, welcher des Vertrauens würdig war.</p>
<p><strong>Die logischen Konsequenzen von Wahrheitslosigkeit waren absehbar</strong><br />
Mit dieser neuen Geisteshaltung änderte sich aber sehr rasch die gesamte Gesellschaft: es gab keine feststehende Größe und keine absolute Autorität mehr im Denken der (vor allem jüngeren) Menschen, ja Autorität erschien ohnehin etwas Negatives, Bedrohliches und bekämpfen zu Müssendes zu sein, wenngleich es aus verständlichen Gründen freilich niemals gelungen ist und auch nicht gelingen konnte, eine brauchbare und funktionierende Alternative zu Autorität zu finden.<br />
Mit dem Ablehnen einer jeglichen Wahrheit, an welcher sich grundsätzlich das Denken ausrichtete und das Handeln Maß nahm (daß es nicht immer gelang im Maß der Wahrheit zu bleiben ist eine andere Sache, aber zumindest der Versuch, welcher sehr oft auch sehr gut gelang und reiche Früchte trug, war vorhanden), war auch plötzlich jegliche feste Konstante weggebrochen, an welche man sich halten mußte, aber sich auch ruhigen Gewissens an diese halten konnte, weil man ja wußte, daß es gut und richtig war, auch wenn vielleicht nicht alles immer sofort und unmittelbar jedem einzelnen einsichtig. Aber, so wußte man vorher auch aus der Erfahrung, im Nachhinein wird es sich als rechtens erweisen, und somit wurde die göttliche Autorität auch nicht so sehr als enges Korsett an welchem man das Gefühl hatte, ersticken zu müssen, sondern eher als eine willkommene, zuverlässige Hilfe im täglichen Leben empfunden.</p>
<p>Auf einmal aber konnte/wollte man auf diese Konstante nicht mehr zurückgreifen. Die Konsequenz war, daß die Regeln, Entscheidungen und Denkweisen keine innere Verankerung mehr hatten, ebenso wie sie kein inneres Maß mehr hatten. Woran sollten sie sich auch nun ausrichten können? Woraus sollten sie schon Autorität schöpfen können? Woher konnte man sie denn schon ableiten?</p>
<p>Da ja keine Verankerung in einer absoluten Wahrheit, und daher auch nicht in Gott, mehr möglich war, blieb nun nichts anderes mehr übrig, als das eigene Ich als Quelle, Maß und Autorität für das Denken und Handeln heranzuziehen. Dies ergab sich vielleicht viel mehr aus dem Mangel, als daß es eine bewußte, überlegte Entscheidung gewesen wäre. Aber da Handeln ja letztlich auf Entscheidungen des jeweiligen Ichs beruht, jegliche Autorität und Wahrheit als Maßstab aber nicht mehr in Betracht gezogen werden konnte, fielen all diese Aufgaben nun auch dem entscheidenden Ich zu. </p>
<p><strong>Der Mensch verlor sein Maß</strong><br />
Da der Mensch aber als ein Sozialwesen nicht für sich alleine leben kann, konnte in all jenen Bereichen, in welchen mehrere betroffen waren, nicht ein jeder so agieren, wie er selbst es gerade wollte. Man mußte sich untereinander organisieren und sich doch ein Minimum an Struktur geben, wobei es unter den gegebenen Umständen am einsichtigsten erschien, sich auf jenes zu einigen, was auch die meisten als Einzelne wollen, und worin die meisten übereinstimmen. Dennoch blieb auch dieses Modell letztlich erst recht wieder im Subjekt als Letztinstanz verhaftet, da auch der demokratisch gefundene Kollektivwille sich aus Einzelwillen zusammensetzte, welche ihrerseits das eigene Ich und das eigene Wollen als letzte Instanz hatten, über welcher es nichts anderes mehr gab. Dort, wo nicht der Wille des Ichs die Handlungsnorm sein konnte, war es anstatt dessen der Wille der Mehrheit. Doch ob es nun im Konkreten der Wille des Einzelnen oder der durchschnittliche Wille einer Masse war: in beiden Fällen blieb der Wille, auf dem alles aufbaute und basiert war, ein rein menschlicher. Wo es nur ging aber war es immer das subjektive Wollen, worauf die Entscheidungen fußten, niemals aber objektive Wahrheiten. Somit mangelte es aber auch hier an einem objektiven Korrektiv.</p>
<p>Dabei hatte man jedoch übersehen, daß der Teufel, den man bei der Türe rausgejagt hatte, nun wieder über das Fenster einstieg: wollte man durch das Abschütteln der Wahrheit als Autorität eigentlich verhindern, daß produzierte Gedankenerzeugnisse, die sich fälschlich der Autorität der Wahrheit bedienen, indem sie ihre eigenen Gedankenprodukte für wahr ausgeben, zur Bedrohung, und gerade auch zur Bedrohung der eigenen Freiheit werden können, so war genau dies nun wieder erneut der Fall: wieder begann das Denken und Wollen einiger zur Gefahr der anderen zu werden und das Wollen des Einzelnen, welches man sich mittlerweile als Maßstab errungen zu haben wähnte, zu erdrücken. Freilich nicht mehr unter der ausgesprochenen Beanspruchung, „wahr“ zu sein, aber doch unter demselben Verhalten.  Man behauptet es nicht. Man verhält sich danach! Dies ist genau jener Punkt, an welchem wir derzeit stehen. </p>
<p>Wir wähnen uns in Freiheit, in der größten Freiheit, die es jemals in der Geschichte der Menschheit gab, doch wir lassen uns darin täuschen. Jene persönliche (Entscheidungs)freiheit und Unabhängigkeit, welche uns zu haben beständig und mit einer Eselsgeduld weisgemacht wird, wird uns letztlich gerade doch nicht gegeben: denn welche Mutter kann sich schon wirklich und in völliger Freiheit aussuchen, ob sie ihr Kind in die Krippe oder in den Kindergarten geben möchte oder nicht? Welcher junge Arzt kann sich tatsächlich und in wirklicher Freiheit entscheiden, nach der katholischen Morallehre zu praktizieren und findet trotzdem, ohne Nachteile wegen seiner katholischen Überzeugung, eine adäquate Anstellung? Und was ist mit den jungen Eltern, welche ihr Kind wohlbehütet und geschützt vor den leiblichen und seelischen Gefahren einer mittlerweile vollkommen versexten Welt, in der die Unmoral als Ideal der errungenen Freiheit dargestellt wird, erziehen wollen? Wenn sie nicht in eine entfernte, abgelegene Höhle umsiedeln, um ihre Kinder zu schonen, wird es sehr schwierig für sie werden – ganz zu schweigen von den meisten Schulen, in welchen durch Inhalt wie Methode eine scheinpluralistische Erziehung aufgezwängt wird, welcher man sich kaum entziehen kann: Pluralismus, das ist heute die Liste aller gesellschaftlich erlaubter Meinungen. Lehren über eine absolute göttliche Wahrheit sind darin nicht vorgesehen</p>
<p>In einem anderen Zusammenhang hat Ähnliches bereits S.H. Papst Pius XII. seligen Angedenkens in einer Ansprache an die Sacra Rota Romana im Jahre 1946 festgestellt, und den Anfang dieser Entwicklungen etwa in das Jahr 1850 gesetzt: Manche Gruppen wollen zwar keine übernatürliche Macht oder Offenbarung anerkennen und sehen sich von jeder Transzendenz völlig unabhängig, aber überstrapazieren gleichzeitig dennoch die „Gewissensfreiheit“ und die (religiöse) „Toleranz“ welche besonders dann gelten, wenn diese Gruppe (noch) eine Minderheit ist. Sobald diese jedoch erst einmal an die Macht gekommen ist, bestimmt diese recht absolut und rigoros gemäß ihren eigenen Ideologien, und will plötzlich von der einst für sich selbst eingeforderten Freiheit nichts mehr wissen, besonders was den Bereich der Erziehung der Kinder durch die Eltern anbelangt.</p>
<p><em>Dieser Artikel ist der erste Auszug aus dem Buch „Religionsfrei“ (Benedetto-Verlag) von Mag. Michael Gurtner. Insgesamt werden vier Teile auf Kathnews erscheinen.</em></p>
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		<title>Das Verhältnis des Menschen zur Sünde</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Mar 2010 10:21:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mag. Michael Gurtner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Kommentar von Mag. theol. Michael Gurtner.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.kathnews.de/content/wp-content/uploads/suendenfall.jpg" alt="Sündenfall (Cornelis Cornelisz van Haarlem)" title="Sündenfall (Cornelis Cornelisz van Haarlem)" width="130" height="125" class="alignleft size-full wp-image-2255" />Die Sünde ist jener Schatten, welcher den Menschen seit seinem Entstehen auf Schritt und Tritt verfolgt. Mit Ausnahme der Allerseligsten Gottesmutter gab es keinen Menschen, der nicht ständig über den Fallstrick der Sünde gestolpert wäre, den der Teufel und täglich erfolgreich spannt. Von daher betrachtet gab es nie ein wirklich glänzendes goldenes Zeitalter, die Sünde war allzeit präsent. Dennoch waren nicht alle Zeiten gleich, es gab bessere und schlechtere, besonders was das Verhältnis zur Sünde anbelangt.<span id="more-2253"></span></p>
<p>Derzeit scheinen wir uns in einer besonders gottlosen Zeit zu befinden, welche die Kategorie der Sünde nicht mehr zu kennen scheint. Falsch und Richtig scheinen vielfach ausgetauscht zu sein: das Sündige gilt als das Erstrebenswerte und das Verpflichtende, die Moral als das Verachtete und Verbotene. Ein Blick in die Tageszeitungen und Gesetztesetwürfe genügt um zu erkennen, wie sehr die Moral verachtet und unterdrückt wird.</p>
<p><strong>Die Kirche ist eine Kirche der Sünder</strong><br />
Gott wurde Mensch wegen unserer Sündhaftigkeit, wegen unserem Versagen legte er sich in die Krippe, um seinen Kreuzweg anzutreten. Der Kreuzestod Gottes hat erlösende Kraft, aus ihm fließen gewissermaßen Kirche, Priestertum und Eucharistie. Der Sünder hat daher wieder eine positive Perspektive, er hat Anlaß zur Hoffnung, daß er doch seines Heiles nicht verlustig geht, auch wenn er ein Sünder ist und immer wieder zu einem solchen wird. Diese Erlösung, die Christus am Kreuz erwirkt hat, ist aber keine, welche dem einzelnen Menschen gleichsam aufgezwängt wird: sie muß am Einzelnen erst wirksam werden, indem der Einzelne sie an sich wirksam werden läßt. Deshalb müssen wir an unserem Heile selber mitarbeiten, indem wir unsere innere Haltung und unser äußeres Verhalten dem Willen und dem Gesetz Gottes anpassen. Das Heil ist uns nicht geschenkt, sondern zum Erwerb angeboten. Unser Verhalten und Mühen, unser Beichten und Büßen ist der Preis und sozusagen der Teil, den wir noch ergänzen müssen, da dies an den Leiden Christi noch fehlt und was er nicht an unser statt tun konnte. Kirche, Priestertum und Eucharistie kamen nur in die Welt, weil der Mensch aus seinem Sündersein heraus ihrer bedürftig ist, er bedarf ihrer, um trotz seiner Sünden heilig werden zu können, indem er die Sünde in der heiligen Beichte immer wieder von sich abschüttelt. Deshalb bleibt die Kirche immer eine Kirche der Sünder, denn ob der Sünde wurde sie ja gerade von Gott eingesetzt. Ihr Zweck ist es, aus dem Sünder einen Heiligen zu machen.</p>
<p><strong>Der Erlösungstod Jesu ist kein Freibrief</strong><br />
Daß Christus für uns am Kreuz den Erlösungstod gestorben ist, ist also kein Freibrief zu sündigen, frei nach dem Motto: Christus hat uns ja erlöst. Es trifft viel eher zu, daß er durch die Erlösung, welche er erwirkt hat, dem Menschen die Möglichkeit gegeben hat, sich wieder von seinen Sünden zu reinigen, und er so nicht in Tiefe der Hoffnungslosigkeit versinken muß, als wäre eine Sünde das endgültige Todesurteil seiner Seele. Der Kreuzestod ist daher kein Freibrief zu sündigen, sondern gerade eine Motivation, nicht zu sündigen, da der Mensch sieht, daß, auch wenn er gesündigt hat, er dennoch eine berechtigte Heilshoffnung hat, wenn er in Zukunft nicht mehr sündigt. </p>
<p>Durch den Opfertod am Kreuz kann der Mensch also nicht mehr sagen: jetzt habe ich schon gesündigt – jetzt ist es ohnedies schon egal ob ich weiterhin sündige, sondern das Kreuz läßt uns mit Berechtigung sagen: auch wenn ich gesündigt habe, wenn ich mich jetzt ändere, dann hat diese vielleicht auch anstrengende und mühsame Änderung doch einen Sinn, denn dann kann ich trotz der begangenen Sünden noch den Himmel erringen. Damit diese Hoffnung aber berechtigt ist, müssen wir aber das Unsere dazutun. Denn erst wenn wir bereit sind, auch unser Leben zu ändern und dort wieder auf Gott zu richten, wo wir uns gegen seinen heiligen Willen versündigt haben, meinen wir es auch wirklich Ernst mit dem Glauben.</p>
<p><strong>Der Mensch will sündigen</strong><br />
Um uns in die Reihe jener einzureihen, welche zu denen Zählen, an welchen die Erlösung wirksam geworden ist, müssen wir also begangene Sünden bereuen, beichten, sie büßen und uns bessern. Damit indispensabel verbunden ist auch der feste Wille, künftig nicht mehr zu sündigen. Eine Beichte ohne zumindest den festen Willen zur Sündenfreiheit und zum Nichtmehr-Sündigen, ist ungültig. Ich kann nicht gültig beichten wenn ich sage: ich beichte es, aber ich tu es wieder! Natürlich wissen wir auch um unsere Schwäche. Aber wir dürfen sie nicht wollen, im Gegenteil: wir müssen sie hassen. Auch wenn wir gegen unseren Willen immer wieder sündigen und immer wieder dieselben Fehler begehen, so können wir doch immer wieder die Annahme durch Gott erlangen, wenn wir auch nach dreißig Stürzen zum dreißigsten Mal in den Beichtstuhl gehen und danach aufrichtig sagen: so, dies war aber das letzte mal!</p>
<p>Dieser aufrichtige Wille, von der Sünde abzulassen ist aber Voraussetzung, die conditio sine qua non für unser Heiligwerden. Nur wenn wir nicht mehr sündigen wollen können wir auch in den Himmel, denn wenn wir die Sünde wollen, dann ist die Hölle der richtige Ort: denn der Himmel ist ein Zustand von absoluter Sündenreinheit, der Hölle aber ist die Sünde zutiefst zueigen.</p>
<p>Doch darin ist ein großes Problem der heutigen Zeit gelegen: der Mensch will sündigen! Es ist oft und oft nicht nur so, daß ihm die Sünde eben passiert wie es immer der Fall war und immer der Fall bleiben wird, sondern es ist ein großer Mangel am Willen zur Sündenfreiheit festzustellen, im Gegenzug ein Wille zum Sündigen. Oftmals wird die Sünde sogar durch staatliche Gesetze geschützt, gefördert oder gar gefordert. Dies reicht von den (fälschlich) sogenannten Anti-Diskriminierungs-Gesetzen bis hin zur Fristenregelung und der Homo“ehe“.</p>
<p>Die geistige Grundlage ist eine Gottlosigkeit des Denkens: die Existenz der Sünde im theologischen Sinn wird heute meist konsequent geleugnet: Sünde, das ist nach allgemeinem Verständnis höchstens noch das, was einem anderen Menschen schadet. Aber das Bewußtsein, daß sich jede Sünde zuallererst gegen Gott richtet, ist weitestgehend verloren gegangen. </p>
<p>Es ist viel schlimmer, wenn wir eine Sünde begehen wollen, als wenn uns dieselbe Sünde in einem Moment der Schwäche „passiert“. Denn erstere ist auch viel schwieriger aufrichtig zu bereuen als zweitere. Dies ist ein großer Unterschied zu früheren Zeiten, in welchen die Welt auch nicht unbedingt ein Hort der Heiligen war. Aber man wußte um seine Sünden, wenn man sie beging, und man wußte, wo Zuflucht suchen. Man sündigte, aber man bereute dies dann auch eher und gab zu, gesündigt zu haben und riet vor allem anderen nicht dazu, selbes zu tun.</p>
<p><strong>Keine Bigotterie</strong><br />
Oftmals wird sogar der Vorwurf der Bigotterie gegen jene erhoben, welche zugeben, in einer bestimmten Angelegenheit gesündigt zu haben und anderen abraten, selbiges zu tun. Dieser Vorwurf kommt dann meist gerade von jenen, welche nicht die Größe haben selbst zuzugeben, daß auch sie Sünder sind und sich selbst zum Maß von Recht und Unrecht machen: was ich tue ist auf jeden Fall erlaubt und kann nicht sündhaft sein.<br />
Dieser Vorwurf der Bigotterie ist aber völlig unberechtigt. Denn es ist besser, eine Sünde begangen zu haben und gegen diese zu sein, als eine Sünde zu begehen und dann in eine Gleichgültigkeit dieser gegenüber zu fallen und zu sagen: das war schon recht, es ist nichts Schlechtes daran.<br />
Um es an einem Extrembeispiel, welche ja oft das Generelle und allgemein Gültiger deutlicher sichtbar machen, zu zeigen: Wenn ein Mörder im Gefängnis sitzt, was ist besser: wenn er trotz seiner eigenen Sünde des Mordens sagt: „Mord ist Sünde, er ist unerlaubt, tut das nicht“, und somit gegen Mord ist und jeden Mord verurteilt, auch wenn er selbst einen verübt hat, oder wenn er sagt: „Mord ist völlig in Ordnung, ich habe a auch gemordet!“?</p>
<p>Es wäre ungerecht zu sagen, der Mörder der den Mord verurteilt und Morde als abscheuliches Verbrechen bewertet, wäre bigott, denn das würde ja bedeuten, daß einer, der einmal eine Sünde begangen hat, nie wieder eine rechte Haltung zu den Dingen einnehmen kann und die Dinge nie wieder so benennen könnte, wie sie tatsächlich sind. </p>
<p>Niemals ist der Einzelne also derjenige, der durch sein Verhalten das Maß der Sünde bemißt, sondern Sünde ist an ein objektives Maß gebunden. Deshalb ist unter Umständen vielleicht jemand, der gesündigt hat aber weiterhin diese Sünde verurteilt näher am Himmel als jener, der die Sünde nicht begangen hat, aber es als Bigotterie bezeichnet, wenn ein Sünder zumindest noch die rechte Einsicht behalten hat und die Dinge ihrer objektiven Richtigkeit nach beim Namen nennt, auch wenn er sie selbst begangen hat. Ein Mörder, der die Sünde als solche erkennt, bereut und gegen Mord ist, ist unter Umständen viel heiliger als ein Minister, der zwar nie gemordet hat, aber keine Sünde im theologischen Sinne kennt, und dementsprechend seine Gesetzesentwürfe vorbringt – vielleicht gar solche, die andere zum Mörder werden lassen.</p>
<p><strong>Christus gab Anlass zur Umkehr</strong><br />
Durch die Menschwerdung ob der Erlösung Willen hat der Mensch Anlaß und Grund bekommen, von seinem sündigen Tun, welches es auch immer sei, abzulassen. Wenn er auch sündigt: es ist noch nichts verloren, er kann, wenn er will, immer von seiner Schuld befreit werden. Die Kirche anerkennt den Menschen als einen sich Bessernden weil sie an Christus erkennt, daß auch der Sünder nicht verloren ist. </p>
<p>Solange Christus zur Umkehr mahnt, und heute tut er das durch seine Kirche, solange gibt es noch Hoffnung für das eigene Geschick. Deshalb ist es nicht Recht mit dem Finger auf die Kirche zu zeigen unter dem Hinweis, daß in ihren Reihen doch auch schon Sünder gesichtet worden sein sollen, wenn sie ihre mahnende Stimme erhebt.</p>
<p>Natürlich sind in der Kirche Sünder. Sie ist voll von ihnen! Jeder Katholik ist ein Sünder! Für diese Sünder wurde sie ja überhaupt erst eingesetzt. Aber sie weiß auch, daß nicht der Sünder das Maß der Sünde ist, sondern daß die Sünde ein objektives Maß hat. Nicht die Kirche gibt die Sünde an, sondern Gott, und unter diesem Maße staht sie auch selbst.Und somit ist es auch keine Bigotterie, wenn sie die Sünde anklagt während ihre Glieder doch dieselben Sünden begehen.</p>
<p>Mit diesem Hinweis wollen viele nur erreichen, daß die Kirche aufhört, das Wahre zu sagen und die Menschen zur Heiligkeit zu mahnen. Eine Kirche von mehr als eine Milliarde Sündern, die die Sünde anklagt und auszurotten versucht, ist nicht bigott, sondern hat sich die nötige Objektivität bewahrt. Was wäre das denn für eine Logik, wenn sie eine Sünde zu einer Tugend machen würde, nur weil manche ihrer Glieder selbst die Sünde begehen, die sie anklagen? Doch auch wenn die Kirche sich als Zuflucht des Sünders erkennt und die Sünde daher auch immer in ihr lebendig ist, so bleibt sie doch die Große Heilige, da sie von Gott eingesetzt und mit dem Heiligungsauftrag betraut ist. </p>
<p>Und wenn man schon einen Vergleich mit der Welt will, so gilt auch: eine Kirche, deren Glieder alle sündigen, aber die dennoch die Sünde, auch die eigene, als solche anerkennt und als teuflisches und auszurottendes Übel anklagt ist noch immer besser dran als eine Welt, die nicht weniger sündigt, aber ihre Sünde nicht anerkennt, sondern gar als Tugend ausgibt auf die sie alle verpflichten möchte, und davon ablenkt, indem sie den selbstkritischen Realismus der Kirche der Bigotterie anklagt.</p>
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