Die Umsetzung von “Summorum Pontificum”
Am 7. Juli dieses Jahres wird das Motu Proprio “Summorum Pontificum” drei Jahre alt. Mit diesem für die Zukunft der Liturgie und damit der Kirche weichenstellenden Dokument hat Papst Benedikt XVI. die Feier der gregorianisch-tridentinische Liturgie, die sogenannte außerordentliche Form des Römischen Ritus, für die gesamte Katholische Kirche des lateinischen Ritus wieder möglich gemacht. Bis zum 14. September 2010 sollen die Bischöfe dem Apostolischen Stuhl über ihre Erfahrungen mit der Umsetzung des Gesetzestextes in ihren Bistümern Bericht erstatten.
Systemänderung durch “Summorum Pontificum”
Die außerordentliche Form des Römischen Messritus kann seit dem Motu Prorpio “Summorum Pontificum” als beständige Gemeindemesse gefeiert werden. Eine im Vergleich zur bisherigen Gesetzgebung wesentliche Neuerung durch “Summorum Pontificum” besteht darin, dass die Entscheidung darüber nicht beim Bischof liegt, sondern beim Priester vor Ort. Der Pfarrer braucht hierfür kein Indult des Bischofs mehr. Für diese Änderung des Systems mögen zwei Gründe ausschlaggebend gewesen sein: Einerseits die Anwendung des Subsidiaritätsprinzip insofern die Entscheidungskompetenz von den Ordinariaten nun auf die Pfarrer verlagert wird und die Bischöfe von der Entscheidung über die in den letzten Jahren vermehrten Anfragen von Priestern und Gläubigen entlastet werden sollen, andererseits aber auch die negativen Erfahrungen im restriktiven Umgang mit der Gewährung des Indultes seitens der bischöflichen Behörden, obwohl Papst Johannes Pauls II. in seinem Motu Proprio “Ecclesia Dei adflicta” von 1988 die Bischöfe zu einem großzügigen Umgang mit der Indultgewährung aufgerufen hatte.
Initiative geht von Gläubigen oder vom Pfarrer aus
Was die Gemeindemesse betrifft, so ist es der Pfarrer bzw. der ihm rechtlich Gleichgestellte, wie etwa der Pfarradministrator, der bestimmt, ob eine Messe in der sog. außerordentlichen Form des Römischen Messritus in der Gemeinde gefeiert wird. Die Initiative zur Umsetzung des Motu Proprio “Summorum Pontificum” in einer Pfarrgemeinde geht von der “Basis” aus, d.h. der untersten Ebene der kirchlichen Verfassungsstruktur, der Pfarrei, und zwar entweder von einer Gruppe von Gläubigen, die sich mit der entsprechenden Bitte an den Pfarrer wenden, oder vom Pfarrer selber. Letzteres geht unzweideutig aus einem Antwortschreiben des Sekretärs der Päpstlichen Kommission “Ecclesia Dei” vom 20. Januar 2010 hervor: “Entsprechend dem wohlabgewogenen Urteil des Pfarrers kann auch ohne die Bitte einer festen Gruppe von Gläubigen eine Messe in der außerordentlichen Form stattfinden.” Die sogenannte außerordentliche Form des Römischen Ritus ist dabei so in der Pfarrei umzusetzen, dass sie harmonisch in das Ganze des Pfarrlebens integriert wird. Spannungen und Spaltungen in der Gemeinde sollen vermieden werden. Das fordert vom Pfarrer eine kluge pastorale Vorgehensweise.
Erfahrungsbericht eines Pfarrers
Am Beispiel der Pfarre St. Gertrud in Herzogenrath im Bistum Aachen kann veranschaulicht werden, dass eine Umsetzung von “Summorum Pontificum” gelingt. Pfarrer Dr. Guido Rodheudt berichtet in seinem lesenswerten Artikel “Die entfachte Glut. Bericht zum Angebot der tridentinischen Messe in der Pfarrei St. Gertrud – Herzogenrath”, den die “Sinfonia Sacra”, der Aachener Verein zur Förderung der Kirchenmusik, auf ihrer Internetseite zur Verfügung stellt, über eine gründliche Vorbereitungs- und Aufklärungsarbeit in seiner Gemeinde, als deren Ergebnis die Akzeptanz des alten Usus seitens der Pfarrangehörigen steht. Doch nicht alles ist immer reibungslos verlaufen. Der Pfarrer erwähnt in seinem Erfahrungsbericht auch einige Probleme, die es im Zusammenhang mit der Umsetzung des Motu Proprio in seiner Pfarrei gegeben hat.
Modellcharakter
Wenngleich die Situation einer jeden Pfarrgemeinde verschieden ist, hat Pfarrer Rodheudts Vorgehensweise der praktischen Implementierung des päpstlichen Gesetzestextes in seiner Herzogenrather Pfarrgemeinde Modellcharakter und kann für den einen oder anderen Priester eine Hilfe sein.
Linktipp: Erfahrungsbericht aus der Pfarrei St. Gertrud
13. März 2010, 18:43