Europa und die Gottesmutter

Ein Kommentar von Benjamin Greschner.

Flagge der EUDie Medien haben ausführlich darüber Berichtet: in einem Düsselsorfer Gerichtsgebäude gibt es in Zukunft keine Kreuze mehr an den Wänden. Um die „religiöse Neutralität“ der Justiz zu wahren, musste das Zeichen wahrer Hoffnung und christlicher Identität weichen. Dabei ist es doch diese Identität, die das europäische Abendland in den letzten 2000 Jahren maßgeblich geprägt und geformt hat. Mit Erschrecken müssen wir daher feststellen, dass christliche Symbole zunehmend aus dem öffentlichen Leben der freien Europäer verschwinden.

Voll Freude können wir in diesen Zeiten religiöser Nüchternheit auf die Flagge der Europäischen Union (EU) blicken und in ihr einen kleinen katholischen Hoffnungsschimmer erkennen. Schließlich handelt es sich hier nicht nur um ein Sinnbild des geeinten Europas, sondern vielmehr um einen tiefen Ausdruck marianischer Frömmigkeit. Die Flagge der „EU“ besteht nämlich aus einem Kreis von zwölf goldenen Sternen auf einem azurblauen Grund. Direkt erinnert man sich an die Zeilen aus der Offenbarung des Johannes, wo es heißt: “Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: Eine Frau, mit der Sonne bekleidet, der Mond war unter Ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.” (Offb 12,1) Wir erkennen also im Symbol der europäischen Identität einen Ausdruck christlichen Glaubens. Die offizielle Deutung durch den Europarat stellt sich wie folgt dar: „Auf dem blauen Grund des westlichen Himmels bilden die für die Völker Europas stehenden Sterne einen Kreis als Zeichen der Einheit. Die Zahl zwölf ist unveränderlich; sie symbolisiert Vollkommenheit und Vollendung.“

Geschichtlicher Hintergrund: Einen Tag nach dem Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens im Jahre 1955 wurde die europäische Flagge durch den Europarat als Wahrzeichen für ganz Europa eingeführt. Im Jahr 1986 nahmen die Staaten der neu gegründeten Europäischen Gemeinschaft (EG, später EU) die bekannte Fahne als Ihr Symbol an. Selbiges Jahr erklärte der verstorbene Papst Johannes Paul II. übrigens zum „Marianischen Jahr“. Doch woher stammt die allgemein bekannte europäische Flagge? Und ist sie wirklich so katholisch geprägt, wie wir annehmen? Die Antwort finden wir unmittelbar nach der schreckenserfüllten Zeit des Zweiten Weltkrieges. Europa liegt in Schutt und Asche. Millionen Unschuldiger Menschen mussten ihr Leben lassen. In dieser Zeit lebte Paul Levi. Er war Jude und musste miterleben, wie unzählige Juden in die Konzentrationslager des Deutschen Regimes deportiert wurden. In dieser Zeit gelobte er, dass er zum römisch-katholischen Glauben konvertieren werde, falls er die Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus überleben sollte. Dieses Versprechen hielt er ein und ließ sich nach Kriegsende taufen. Als er 1949 zum Leiter der Kulturabteilung des neu gegründeten Europarates wurde, kam schon bald das Thema einer gemeinsamen Fahne für das geeinte Europa auf den Tisch. Viele Vorschläge wurden abgelehnt und die Diskussionen um eine einheitliche europäische Flagge rissen nicht ab.

Eines Tages kam Paul Levi an einer Marienstatue vorbei. Um das Haupt der Gottesmutter gruppierten sich zwölf Sterne zu einem prächtigen goldenen Kranz. Sie funkelten hell im Glanz der Sonne. In diesem Moment kam ihm die Idee zur Europafahne. Seinen Vorschlag unterbreitete direkt dem damaligen Ratspräsidenten welcher ebenso begeistert war von dieser Idee, wie die übrigen Abgeordneten. Somit verdanken wir Paul Levi einen kleinen Funken Katholizität der uns Ansporn sein muss, für ein Europa zu streben, welches dem Unbefleckten Herzen der lieben Gottesmutter geweiht ist.

[ Benjamin Greschner ]

11. März 2010, 09:44

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