Überfall auf christliche Dörfer

Über 400 Tote bei Angriff muslimischer Nomaden in Nigeria.

Nigeria-PosAbuja (kathnews). Drei überwiegend von Christen des Berom-Volkes bewohnte nigerianische Dörfer wurden am Sonntagmorgen von Milizen des muslimischen Nomadenvolkes der Fulani mit Schusswaffen und Macheten überfallen. Nach amtlichen Angaben hat die Attacke der Fulani-Nomaden weit über 400 Menschen im zentralnigerianischen Bundesstaat Plateau State das Leben gekostet. Mit “Besorgnis und Entsetzen” überkomme den Heiligen Stuhl diese Nachricht auf den Überfall christlicher Dörfer, sagte Vatikansprecher P. Federico Lombardi am Dienstag.

Der nigerianischen Regierung wird unterdessen vorgeworfen nicht genügend Vorkehrungen getroffen zu haben, um erneute Unruhen zu verhindern. Bereits im Januar wurde die Stadt Jos im Bundesstaat Plateau Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen. Bei Überfällen von christlichen Banden auf muslimische Dörfer starben damals rund 300 Menschen. Zudem sei zu spät eingegriffen worden. Die Soldaten seien erst Stunden später in dem fünf Kilometer entfernten attackierten Dorf eingetroffen. Unter Berufung auf Augenzeugenberichte schilderte ein örtlicher Kirchenführer den Angirff: „Sie drangen in die Häuser ein, riefen „Allah ist groß“ und gingen mit Messern und Macheten auf die Bewohner los“. Die Mehrzahl der Opfer sollen Kinder und Frauen gewesen sein.

Gegenüber Radio Vatikan betonte der Erzbischof der nigerianischen Hauptstadt Abuja, John Olorunfemi Onaiyekan, dass nicht religiöse, sondern wirtschaftliche und soziale Motive Anlass für die Unruhen gewesen seien. Es handle sich um einen Konflikt zwischen Nomaden der muslimischen Fulani und christlichen Bauern, sagte Onaiyekan.

Etwa fünfzig Prozent der 149 Millionen Nigerianer sind Christen, die andere Hälfte sind Muslime. Im Norden gilt seit dem Jahr 2000 das islamische Recht, die Scharia. Der ölreiche Süden ist hingegen christlich. Nigeria ist ein föderaler Staat und besteht aus 36 Bundesstaaten. Der Plateau-Staat mit seiner Hauptstadt Jos liegt in Zentralnigeria an der Nahtstelle zwischen dem überwiegend muslimischen Norden und dem überwiegend christlichen Süden.

[ Franz Jakob Schipp ]

10. März 2010, 14:14

© 2005 - 2010 by kathnews.de    |    Impressum