Kardinal skeptisch über Medjugorje

Martins sprach über angebliche Erscheinungen.

Symbolbild: Kardinal und Bischof (Bild: Carolus)Vatikan (kathnews). Ein Kardinal zeigt sich skeptisch über die angeblichen Marienerscheinungen in Medjugorje: „Kein Zweifel – solange die Kirche die Erscheinungen durch den Papst nicht offiziell positiv beurteilt, soll man sie nicht als echt ansehen.“, so der portugiesische Kardinal Jose Saraiva Martins gegenüber dem Nachrichten-Portal „petrus online“. Martins war bis 2008 Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. In dem Interview betonte er in diesem Zusammenhang, dass auch vorliegende Berichte über Bekehrungen oder Heilungen in Medjugorje keinen Beweis für die Echtheit der angeblichen Marienerscheinungen darstellen.

Der Kardinal unterstrich, dass er nicht beurteilen könne, ob die Sehe „diese Erscheinungen erfunden haben oder ob sie wirtschaftliche Interessen verfolgen“, „aber mit Sicherheit kann hinter solchen Fällen der Teufel stecken“, so der Kardinal weiter. Gott sei allerdings „so groß, dass er sich auch des Bösen zum Wohl der Menschheit zu bedienen weiß“ – das erkläre vielleicht, so Kardinal Martins, „die Wohltaten, die viele in Medjugorje empfangen“.

Verwundert zeigte sich der Kardinal auch über die Tatsache, dass keiner der Seher von Medjugorje das geweihte Leben gewählt hat. Martins, der selbst eng mit Schwester Lucia, einer Seherin von Fatima, befreundet war, ist sich sicher, dass dies ein „schönes Zeugnis“ gewesen wäre. Darüber hinaus zog Kardinal Martins einen weiteren Vergleich zwischen Medjugorje und dem Marienwallfahrtsort Fatima in Portugal: „In Fatima waren die Seherkinder sehr demütig und zogen es vor, zu schweigen; in Medjugorje sehe ich so etwas überhaupt nicht“. Besonders zu denken gebe, so der Kardinal, dass die Erscheinung in Medjugorje die Seher in einigen Fällen dazu aufgefordert habe, ihrem Bischof nicht zu gehorchen.

Angesprochen auf den Medjugorje-Besuch des Wiener Erzbischofs Christoph Kardinal von Schönborn hüllte sich Kardinal Martins in Schweigen. Kardinal Saraiva Martins betonte jedoch, dass er sich vorweg mit dem zuständigen Ortsbischof in Verbindung gesetzt hätte, was er immer tue, wenn er in eine andere Diözese reise. Er ist davon überzeugt, dass dies besonders in Anbetracht der „krankhaften Aufmerksamkeit, die sich auf Medjugorje konzentriert“ besser gewesen wäre.

[ Benjamin Greschner ]

22. Februar 2010, 08:36

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