Pater Franz Schmidberger: “Die Kirche ist in ruhigere Fahrwasser gekommen.”

Kathnews-Chefredakteur Benjamin Greschner im Exklusiv-Interview mit P. Franz Schmidberger FSSPX.

Pater Franz Schmidberger (Foto: FSSPX)Stuttgart (kathnews-exklusiv). Die theologischen Gespräche zwischen Vertretern der Kongregation für die Glaubenslehre und der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. (FSSPX) dauern an. Mehr als 20 Jahre nach den unerlaubten Bischofsweihen von Erzbischof Marcel Lefebvre kommt Bewegung in das schwierige Verhältnis zwischen dem Heiligen Stuhl und der Bruderschaft. Kathnews-Chefredakteur Benjamin Greschner sprach mit Pater Franz Schmidberger, Oberer des deutschen Distrikts der Piusbruderschaft. Thematische Schwerpunkte waren der aktuelle Stand der Gespräche mit Rom, die Liturgie und das Pontifikat von Papst Benedikt XVI.

Geboren wurde P. Franz Schmidberger am 19. Oktober 1946 in Riedlingen. Nach einem Mathematikstudium an der Universität München trat er im Jahr 1972 in das Priesterseminar der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Ecône ein. Dort empfing er 1975 das Sakrament der Priesterweihe durch Erzbischof Marcel Lefebvre. Ab 1979 war Schmidberger Oberer des deutschen Distrikts der Priesterbruderschaft und wurde 1982 Generaloberer der Bruderschaft. Ab 1994 war er in der Generalleitung der Bruderschaft tätig, bevor er 2003 zum Regens des Priesterseminars in Zaitzkofen wurde. 2006 wurde er Erneut Distriktoberer in Deutschland.

Benjamin Greschner: Hochwürden, wie beurteilen Sie den aktuellen Stand der theologischen Gespräche zwischen Vertretern der Priesterbruderschaft St. Pius X. und des Heiligen Stuhles?

Pater Schmidberger: Gemäß den eher spärlichen Informationen sind die theologischen Klärungsgespräche gut angelaufen. Zum ersten Mal können wir in Ruhe unsere Bedenken wegen Aussagen des II. Vatikanischen Konzils und der nachkonziliaren Entwicklung den zuständigen Autoritäten vortragen. Diese Gespräche werden sicher längere Zeit in Anspruch nehmen, vielleicht Jahre. Aber möglicherweise stellen unsere Gesprächspartner schon nach kurzer Zeit fest: Man kann der Priesterbruderschaft St. Pius X. das Katholisch-Sein nicht absprechen, auch wenn es Streitpunkte gibt. Dies wäre ein großer Fortschritt. Die sehr diskrete Form der Gespräche ist dringend notwendig für den Erfolg; denn das Gute macht keinen Lärm, und aus Lärm entsteht nichts Gutes.

Benjamin Greschner: Kürzlich äußerte sich Bischof Richard Williamson in einem Video-Interview zu den Gesprächen. Er kommentierte die Gespräche eher abfällig und zeigte sich nicht davon überzeugt, dass es zu einer Einigung kommen wird. Wie beurteilen Sie dieses Auftreten? Entspricht dies der offiziellen Meinung der Bruderschaft?

Pater Schmidberger: Die Stellungnahme von Bischof Williamson zu den Gesprächen in Rom kann man nur bedauern, weil sie tatsächlich nicht der Haltung der Bruderschaft entspricht. Indes muss man andererseits vor übertriebenem Optimismus bezüglich dieser Gespräche deutlich warnen. Bischof Fellay spricht von einem Wunder, wenn sie zu einem wirklichen Erfolg und Abschluss kommen.

Benjamin Greschner: Für wie realistisch halten Sie persönlich eine Einigung zwischen dem Heiligen Stuhl und der Bruderschaft St. Pius X.? 1988 erlebten Sie schon einmal solche Gespräche aus unmittelbarer Nähe, Sie waren damals Generaloberer. Hat die Situation sich seither verändert?

Pater Schmidberger: Eine Einigung zwischen dem Heiligen Stuhl und der Bruderschaft kann nur folgendes bedeuten: Rom anerkennt die Stimme des Lehramtes vor dem Konzil. Die Bruderschaft hat sich nie eine eigenbrötlerische Position zu eigen gemacht, sondern sich vielmehr zum Sprachrohr der Päpste gemacht, insbesondere jener seit der Französischen Revolution bis zum II. Vatikanischen Konzil. Die Situation seit 1988 hat sich insofern geändert, als man in Rom unsere Einwände ernstnimmt und nach Antworten sucht.

Benjamin Greschner: Bei welchen Themen sehen Sie besonderen Klärungs- und Gesprächsbedarf auf theologischer bzw. lehramtsmäßiger Ebene? Gibt es Themen, die Sie selbst als „heißes Eisen“ bezeichnen würden?

Pater Schmidberger: Ohne Zweifel ist die Frage der neuen Liturgie ein Gesprächspunkt, dann aber auch der Ökumenismus, die Rolle der anderen Religionen, das Verhältnis der Kirche zur Welt. Als „heißes Eisen“ würde ich insbesondere die Frage der Religionsfreiheit sehen und auch die Frage des Lehramtes.

Benjamin Greschner: Vor einem Jahr hat Papst Benedikt XVI. die Exkommunikationen der vier Bischöfe Ihrer Bruderschaft aufgehoben. Hat sich diese Entscheidung des Heiligen Vaters positiv auf die Arbeit der Priesterbruderschaft ausgewirkt?

Pater Schmidberger: Durch die Rücknahme des Exkommunikationsdekrets sind neue Gläubige zu uns gestoßen, Schranken sind abgebaut worden; andererseits sind durch den Medienrummel zum Teil neue Schranken aufgerichtet worden. Indes glaube ich, dass der mutige Schritt des Papstes sich nicht nur positiv auf die Bruderschaft und ihre Arbeit auswirkt, sondern noch mehr auf die ganze Kirche.

Benjamin Greschner: Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Stimmung in Ihren Prioraten und Einrichtungen? Wie denken die Gläubigen und Priester über die Gespräche mit dem Heiligen Stuhl?

Pater Schmidberger: Im allgemeinen herrscht, soweit ich dies beurteilen kann, eine durchaus gute Stimmung in unseren Prioraten und anderen Einrichtungen, und im allgemeinen begrüßen die Mitbrüder die Gespräche mit dem Heiligen Stuhl. Indes macht sich bei uns niemand Illusionen.

Benjamin Greschner: Im April 2005 wurde mit Joseph Kardinal Ratzinger ein Kirchenfürst auf den Papstthron gewählt, der für viele „traditionelle“ Katholiken einen Hoffnungsschimmer bedeutete. Nun regiert Benedikt XVI. bereits seit knapp fünf Jahren die Kirche. Wie beurteilen Sie diese ersten fünf Jahre seines Pontifikats?

Pater Schmidberger: Mit Benedikt XVI. ist die Kirche in ruhigere Fahrwasser gekommen. Die Rehabilitierung des heiligen Messopfers in seiner überlieferten Form, die Rücknahme des Exkommunikationsdekrets, die lehrmäßigen Gespräche mit dem Heiligen Stuhl sind sehr positive Akte dieses Pontifikats. Andererseits bedauern wir den Besuch in der Synagoge von Rom und insbesondere das Wort des Papstes, wir würden mit den Juden zum selben Gott beten.

Wir Christen verehren nämlich die Allerheiligste Dreifaltigkeit und beten unseren Herrn Jesus Christus als den dem Vater wesensgleichen Sohn an. Die heutigen Juden dagegen nehmen weder die eine noch die andere dieser beiden Fundamentalwahrheiten unserer heiligen Religion an. Da es keinen anderen Gott gibt als die Allerheiligste Dreifaltigkeit, keinen anderen Herrn als Jesus Christus, beten wir mit den Juden nicht zum selben Gott.

Anders lagen die Dinge bei den Gerechten des Alten Testaments: Sie waren offen für die trinitarische Wahrheit und die Gottessohnschaft des verheißenen Messias. Der Papst entfernt sich in bedenklicher Weise mit seiner Aussage von den Worten des ersten Papstes, des hl. Petrus: „In keinem anderen [als in Jesus Christus] ist das Heil“ (Apg 4,12). Dies gilt für jeden Menschen, auch für Juden und Moslems.

[ Benjamin Greschner ]

18. Februar 2010, 20:52

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