“Kehrt um und glaubt an das Evangelium!”
Welchen Sinn hat das Fasten in der kirchlichen Tradition? Bereits die frühe Christenheit bereitete sich durch Fasten auf besondere Ereignisse im Leben der Kirche vor. Selbst dem Empfang der Heiligen Kommunion ging ein fest vorgeschriebenes Fasten voraus, dessen letzte Reste im – uns auch bekannten – Nüchternheitsgebot zu finden sind. Die Aufnahme in die Kirche, die Wiederaufnahme nach einer Kirchenstrafe und die Vorbereitung auf besondere Festtage war stets begleitet durch mehrtägige oder sogar mehrwöchige Fastenzeiten.
Als höchstes Fest der Kirche gebührt besonders dem heiligen Osterfest eine längere Zeit der Vorbereitung und der Buße. Gemäß dem Vorbild unseres Herrn und Erlösers verpflichtet die Kirche daher die Gläubigen sich vierzig Tage auf dieses Ereignis vorzubereiten. Während es heute dem Einzelnen mehr oder weniger selbst überlassen ist, zu entscheiden, worauf er verzichten möchte, waren diese vierzig Tage in der frühen Christenheit eine wirklich strenge Form des leiblichen Fastens. Das Fasten ruft auf zur Besinnung auf die wesentlichen, geistigen Güter, es übt den Leib im Verzicht und befreit ihn von Abhängigkeiten die über die reine Lebenserhaltung hinausgehen.
Schon Augustinus sah das Wesen der Sünde im unguten Anhangen an die geschaffenen Güter. Besonders hier setzt das christliche Fasten an und ist dennoch frei von jeder Leibfeindlichkeit. Neben dem vorbereitenden Aspekt sollte das Fasten auch als wirkliche Buße für begangenen Sünden verstanden und aufgeopfert werden. Somit wird aus dem Verzicht auf die vergänglichen Güter zugleich eine stärkende Geisteshaltung und eine Quelle der unvergänglichen Güter, die unser Herr und Erlöser Jesus Christus uns selbst schenkt. So wollen wir denn dem Beispiel Christi und so vieler Heiliger folgen und den Weg der Buße und des Verzichts in Demut und Freude gehen.
18. Februar 2010, 11:30