Katholischer Karneval (inkl. Audio!)

Heiteres vom Hof des Papstes (Abb.: Verlag Petra Kehl)Bis heute ist der Karneval ein Teil katholischer Mentalität. Dies lässt sich vor allem auch geografisch ablesen – daran nämlich, dass hauptsächlich in Ländern mit (zumindest ursprünglich) katholischer Prägung Karneval gefeiert wird. Auch die verschieden Bezeichnungen für die fünfte Jahreszeit – im deutschen Sprachraum neben Karneval besonders Fastnacht und Fasching – zeigen die enge Verbundenheit zwischen der Kirche und dem närrischen Treiben.

Am deutlichsten ist diese Verbindung bei „Fastnacht“ zu erkennen: Ursprünglich bezeichnete dieser Begriff die Nacht bzw. den Vorabend vor Beginn der katholischen Fastenzeit am Aschermittwoch. Heute hat sich Fastnacht in vielen Regionen zum stehenden Begriff für die gesamte fünfte Jahreszeit entwickelt. Die Wurzeln von „Fasching“ liegen in der mittelalterlichen deutschen Sprache. Das Wort leitet sich von „Fastenschank“ her, also dem letzten Ausschank (alkoholischer Getränke) vor der strengen Fastenzeit. Im Gegensatz dazu betont der Begriff „Karneval“ den anstehenden Fleischverzicht in der Fastenzeit: „Carne, vale“ bedeutet übersetzt so viel wie „Fleisch, lebe wohl“.

Das typische Verkleiden an den „tollen Tagen“ hat seinen Ursprung im Mittelalter, als Europa faktisch katholisch war. Am 28. Dezember, dem Fest der heiligen unschuldigen Kinder, wurde oftmals ein Kinderbischof „gekürt“. Darüber hinaus übernahmen diejenigen Kleriker, die bislang nur die niederen Weihen empfangen hatten, vorübergehend Rang und Privilegien der höheren Geistlichkeit. Kirchliche Rituale wurden parodiert; selbst ein „Pseudopapst“ wurde tauchte auf der Bildfläche auf.

Die Kirche duldete – mit Rückgriff auf das augustinische Zwei-Staaten-Modell – solche Eskapaden. Der Karneval stand für die „civitas diaboli“, den Staat des Teufels. Gleichsam als didaktische Maßnahme blieb die Kirche während der Fastnacht untätig, um zu zeigen, dass die „civitas diaboli“ wie auch der Mensch vergänglich ist und Gott schließlich siegreich bleibt. Mit dem Aschermittwoch musste daher die Fastnacht enden, um die unausweichliche Umkehr zu Gott zu verdeutlichen.

Auch die Päpste waren dem Karneval gegenüber offen. Für sein Hörbuch „Heiteres vom Hof des Papstes“ trug Ulrich Nersinger neben amüsanten Anekdoten zu weiteren Themen auch solche über die Päpste und den Karneval zusammen. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Petra Kehl präsentieren wir Ihnen den entsprechenden Ausschnitt aus dem Hörbuch:

5. Februar 2010, 19:16

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