Latein erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Colosseum in Rom (Foto: B. Greschner)Nicht nur in der Kirche erwacht spätestens seit Benedikt XVI. die lateinische Sprache aus ihrem 40-jährigen Dornröschenschlaf. Auch moderne Medien interessieren sich für die antike Sprache. Seit Jahren sind die Finnen mit ihren Nuntii Latini, ihrem täglichen Nachrichtenservice auf Latein, federführend. Faszinierend ist die in Polen erstellte Homepage “Ephemeris”, die eine online-Zeitung auf Latein anbietet, die auch wegen ihrer “Aufmachung”, ihres Designs, den Ansprüchen des moderne Lesers vollends entgegenkommt.

Radio Bremen
Als einziger Sender in Deutschland produziert Radio Bremen mit seinem Magazin “Nuntii Latini” Nachrichten auf Latein. Seit Oktober 2001 produziert ein Team aus etwa 50 Ehrenamtlichen den monatlichen Nachrichten-Rückblick “Nuntii Latini” für Radio Bremen. Die Redaktion aus Altphilologen, vornehmlich aktiven oder pensionierten Lateinlehrern, übersetzt aktuelle Texte ins Lateinsche und zeichnet selbst die entsprechende Audiodatei für das Internet auf. Inzwischen bietet das Programm auch im “Angulus Librorum” (”Bücherwinkel”) Lesetipps zur Antike. Ja sogar lateinische Nachrichten von Kindern für Kinder gehören zum Programm.

Deutschlandradio
Wie jetzt bekannt wurde, übernimmt auch das neu gegründete “DRadio Wissen”, das dritte Programm des Senders Deutschlandradio, Meldungen in der unsterblichen Sprache Ciceros, Augustins und Erasmus´ von Rotterdam. Für “DRadio Wissen”, das am 18. Januar auf Sendung ging, liefert die Bremer Redaktion wöchentlich etwa drei Kurznachrichten auf Latein. Die Meldungen werden ohne festen Sendeplatz ins Programm eingestreut. Zu hören ist das Ergebnis als Livestream im Internet-Radio, via Kabel oder Satellit.

Wochennachrichten
Die “Septimanales” (”Wöchentlichen”) heißen die Lateinnachrichten des Deutschlandradios. Sie enthalten meist zwei politische Meldungen und eine bunte Nachricht. Dabei geht es um hochaktuelle Themen wie etwa die Lage in Haiti, die neue Afghanistanstrategie der Bundesregierung oder den Erfolgsfilm “Avatar”.

Radio Vatikan
Groß scheint die Konkurrenz auf diesem Nachrichtensektor nicht: es gibt weltweit lediglich neben dem finnischen Sender “Radiophonia Finnica Generalis”, dem polnischen “Ephemerides” auch beim deutschsprachigen Programm von Radio Vatikan lateinische Nachrichten. Das “Vatican-Magzin” veröffentlicht in seiner Monatsausgabe ein bis zwei der Nuntii Latini von Radio Vatikan. Deren deutschsprachige Redaktion startete im April 2004 eine eigene Homepage für Nachrichten auf Latein. Sie beschränken sich auf Ereignisse aus dem Vatikan und erweisen sich darin als die “Stimme des Papstes” auf Latein. Seit anderthalb Jahren gibt es auch einen Audiofile zu den “vatikanischen” Lateinnachrichten.

Wachsendes Interesse
Der Deutsche Altphilologenverband verzeichnet seit Anfang des Jahrtausends ein stetig steigendes Interesse am Lateinunterricht; hier erhofften sich die Schüler Kompetenzgewinne, so der Berufsverband. Den letzten Schliff können sie sich bei “Nuntii Latini” oder den “Septimanales” holen, denn die Formate richten sich vor allem an ausgewiesene Fans und Profis.

Lateinwettbewerbe in Rom und in Aachen
Seit 1976 gibt es im Vatikan eine eigene Stiftung, die den Namen “Latinitas” trägt. Sie wurde von Papst Paul VI. gegründet. Ihr Ziel ist es, die lateinische Sprache zu fördern, vor allem das klassische Latein eines Cicero, Livius oder Seneca, aber auch die “Latinitas christiana”, das christliche Latein, etwa von Tertullian, Augustinus, Leo dem Großen. Das Mittelalter kennt ebenfalls große Lateinautoren wie Einhard, Lupus von Ferrières oder Johannes von Salisbury. Einen großen Raum nimmt bei “Latinitas” die Forschung des Neolateins ein. In 17-jähriger Arbeit erstellte die Stiftung ein Latein-Wörterbuch der Gegenwartssprache: In 23.000 Stichwörtern verzeichnet das “Lexicon Recentis Latinitatis” die lateinischen Entsprechungen wie “Computer”, “Internet” oder “Aktiengesellschaft”. Seit 1953 wird die vatikanische Lateinzeitschrift “Latinitas” heraus gegeben. Jährlich veranstaltet “Latinitas” am letzten Sonntag im November einen Lateinwettbewerb, das “Certamen Vaticanum”. Die besten und kreativsten Lateiner aus aller Welt werden in den Sparten Poesie und Prosa gekürt.

Eine Jury beurteilt die Leistungen und vergibt Auszeichnungen. Zusammen mit dem “Verein zur Förderung der alten Sprache” veranstaltet auch das renommierte Aachener Kaiser-Karls-Gymnasium seit 25 Jahren das “Certamen Carolinum”, einen Landesschülerwettbewerb “Alte Sprachen” für Schüle und Schülerinnen in Nordrhein-Westfalen. Das 25-jährige Bestehen des Vereins und des Certamen Carolinum beweist, dass das Anliegen nach wie vor aktuell ist, nicht zuletzt auch im Rahmen der Pisastudie. Es geht um die Förderung von Begabten, den Erwerb von Sprachkompetenz und dem Bewusstsein der nicht zuletzt auch höchst pädgogischen Bedeutung der Alten Sprachen.

Benedikt XVI. ist Förderer der lateinischen Sprache
Papst Benedikt XVI hat am 25. November 2005 zu den Teilnehmern des jährlich im Vatikan stattfindenden Lateinwettbewerbs Certamen Vaticanum gesagt: „Wir möchten euch ermuntern und anspornen, dass ihr unsere lateinische Literatur, sei sie nun antik oder modern, weltlich oder geistlich, nicht nur mit ehrendem Eifer bewahrt, sondern sie auch mit neuen Methoden lehrt und sie vornehmlich den jungen Menschen nahe bringt.” Die von modernen Medien angebotenen Lateinnachrichten und die jährlich stattfindenden “Certamina” sind Methoden, die lateinische Sprache vor allem den jungen Menschen nahezubringen und sie dafür zu begeistern. Vivat Lingua Latina! Es lebe Latein!

[ Gero P. Weishaupt ]

31. Januar 2010, 13:09

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