„Sexuallehre weit entfernt vom realen Alltag“
Jesuit Mertes greift Kirche scharf an.
Berlin (kathnews). Nach Bekanntwerden sexueller Missbrauchsfälle am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin übt nun dessen Rektor, ein Priester der Gesellschaft Jesu (SJ), scharfe Kritik an der Kirche. Dies meldet die Agentur „AFP“ unter Berufung auf ein Interview mit Pater Klaus Mertes, dass der Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“ heute veröffentlichte. Mertes unterstellte der Kirche demnach, dass sie an „Homophobie“ leide und das Thema Homosexualität gänzlich verschweige. Daher seien Kleriker mit homosexuellen Neigungen oft unsicher, ob sie bei einem ehrlichen Umgang mit ihrer Sexualität noch akzeptiert würden, so der 55-jährige Jesuit, der das Gymnasium seit 2000 leitet.
Darüber hinaus sieht Mertes scheinbar allgemein ein Problem in der kirchlichen Sexualmoral. So bemängelte er, dass sich die kirchliche Sexuallehre derart weit vom realen Alltag und den Fragestellungen junger Menschen entfernt hätte, dass zwischen der Kirche und der jungen Generation Sprachlosigkeit herrsche. Bei einer Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag sagte Mertes, sieben Fälle seien bislang bekannt, er gehe jedoch von einer höheren Dunkelziffer aus. Die beschuldigten Priester hätten die vom Jesuitenorden geführte Schule Ende der 1980er Jahre verlassen und seien auch nicht mehr Mitglied der Gesellschaft Jesu. Einer der beiden Männer bestreite die Vorwürfe nicht. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen.
Pater Klaus Mertes SJ wurde am 18. August 1954 in Bonn geboren. Er erblickte als zweites von insgesamt fünf Kindern das Licht der Welt. Sein Vater ist der 1985 in Bonn verstorbene CDU-Politiker Alois Mertes, der zuletzt als Staatsminister im Auswärtigen Amt tätig war. Zuvor war Alois Mertes als Diplomat im Ausland tätig. Klaus Mertes wuchs daher in Marseille, Paris und Moskau auf, bevor die Familie wieder nach Deutschland zurückkehrte. Nach dem Abitur trat er in den Orden der Jesuiten ein und studierte Philosophie in München. Seine theologischen Studien führten ihn an die Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main.
1986 empfing er das Sakrament der Priesterweihe und ist seit 1990 als Lehrer tätig. So wirkte er zunächst an der Sankt-Ansgar-Schule in Hamburg bevor er nach einem Auslandsjahr an das Berliner Canisius-Kolleg der Jesuiten wechselte, dessen Rektor er seit 2000 ist.
31. Januar 2010, 11:46