“Mit tiefer Erschütterung und Scham”

Missbrauchsverdacht an katholischem Elite-Gymnasium.

Canisius Kolleg BerlinBerlin (kathnews). Der Rektor des renommierten Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, schrieb in einem am Donnerstag öffentlich gewordenen Brief an rund 500 ehemalige Schüler “der potenziell betroffenen Jahrgänge”, dass mindestens zwei Priester in den 1970ern und 1980ern sieben Schüler sexuell missbraucht hätten. “Mit tiefer Erschütterung und Scham habe ich diese entsetzlichen, nicht nur vereinzelten, sondern systematischen und jahrelangen Übergriffe zur Kenntnis genommen”, heißt es in dem Schreiben unter anderem. Mertes bat stellvertretend für seine Schuleinrichtung um Entschuldigung und drängte gleichsam auf eine lückenlose Aufarbeitung der Geschehnisse und die dringliche Auseinandersetzung mit den Begleitumständen.

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag sagte Mertes, sieben Fälle seien seither bekannt, er gehe jedoch von einer höheren Dunkelziffer aus. Die beschuldigten Patres hätten die, vom Jesuitenorden geführte, Schule Ende der 80er Jahre verlassen. Einer der beiden Männer bestreite die Vorwürfe nicht. Ob die Taten verjährt sind, muss nun geprüft werden. Bei den Missbrauchsopfern handele es sich durchweg um männliche, mittlerweile über 40-jährige, Personen. Das Berliner Landeskriminalamt nahm am Donnerstag die Ermittlungen auf.

Die Missbrauchsserie kam erst jetzt ans Licht, da die ersten sich bekennenden Opfer noch um absolute Diskretion gebeten hätten. Damals habe der Rektor allein die zuständigen Stellen des Berliner Bistums und die Ordensleitung in München informiert. Im Dezember 2009 und Januar 2010 hätten sich dann fünf weitere Betroffene gemeldet und keine Bedingung zur Verschwiegenheit gestellt.

[ Roja Anne Said ]

29. Januar 2010, 08:07

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