Erzbischof Zollitsch beim Karlsfest

Vorsitzender der Bischofskonferenz besucht Kaiserstadt.

Erzbischof Dr. Robert Zollitsch (Foto: Nicole Cronauge/Bistum Essen)Aachen (kathnews). Hauptzelebrant beim diesjährigen Karlsfest am kommenden Sonntag in Aachen ist der Erzbischof von Freiburg und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Das teilt die Website des Aachene Domes mit. Nach dem liturgischen Kalender der sog. ordentlichen Form des römischen Messritus feiert die Kirche am 28. Januar das Gedächtnis des heiligen Thomas von Aquin. In der ausserordentlichen Form ist sein Gedenktag der 7. März.

In den liturgischen Kalendern gewisser Städte wie Aachen oder Osnabrück steht an diesem Tag jedoch auch Karl der Grosse. Tatsächlich haben einzelne europäische Städte, so auch in Frankreich und Italien, das Privileg, den grossen Frankenherrscher als Heiligen zu verehren. Wiewohl Kaiser Karl unter dem Gegenpapst Paschalis III 1165 in Aachen heiliggesprochen wurde und Kaiser Friedrich I. Barbarossa den Kanonisationsakt auch als sakral-politische Legitimierung des Staufenkaisertums instrumentalisierte, hat die Kirche im nachhinein die kultische Verehrung Karls des Grossen für bestimmte mit seinem Namen besonders verbundene Städte in Europa gutgeheissen. In Aachen, in dessen Dom die Gebeine Karls des Grossen in einem kostbaren Schrein, dem Karlsschrein, aufbewahrt werden, ist der 28. Januar ein Hochfest.

Karlsliturgie
Nach der Heiligsprechung Karls entwickelte sich die Karlsliturgie, ein eigenes Karlsoffizium. Es wurde vor allem im Aachener Dom am Sterbetag des Kaisers gefeiert. Nach Karls Biograph Einhard, dessen berühmte “Vita Karoli Magni” auch in linguistischer Hinsicht eine bemerkenswerte Hommage an seinen kaiserlichen Förderer und Gönner darstellt, ist der Frankenherrscher am 28. Januar 814 in seiner geliebten Aachener Pfalz gestorben. Seitdem wird im Aachener Dom Karl der Große liturgisch verehrt. Die ehemalige Pfalzkapelle hat Karl der Grosse nach dem Vorbild der Kirche San Vitale in Ravenna als oktogonalen Zentralbau errichten lassen, der diesseits der Alpen seinesgleichen sucht. Die äußere Feier des diesjährigen Karlsfestes beginnt mit der ersten Vesper am kommenden Samstagabend und findet ihren Höhepunkt im Pontifikalamt am Sonntag, dem 31. Januar, um 10.00 Uhr im Aachener Dom. Einer der Konzelebranten ist der Aachener Bischof, Seine Exzellenz Heinrich Mussinghoff, der zugleich Vize-Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist.

Bischof Mussinghoff würdigte Aachener Karlsliturgie
Der Aachener Oberhirte hat anlässlich der 1200-Jahr-Feier des Aachener Domes im Jahre 2000 die Karlsliturgie mit folgenden Worten gewürdigt: “Man muss die Karlsmesse erleben, wenn unter feierlichem Gesang das Lotharkreuz unter den brennenden Kerzen des Barbarossaleuchters zum Altar zieht, dem heiligen Kaiser Karl in seinem goldenen Schrein in lichtvoller gotischer Halle entgegen, wenn Architektur, Licht und Farbe, wenn Chorgesang, Orgel und Orchestergesang, wenn Kerzen und Weihrauch die feierliche Liturgische Handlung erhöhen, um Gottes Wort zu künden und Christi Opfer zu feiern – dann wird unser Herz im Gebet zu Gott erhoben. Und wenn dann die alte Sequenz angestimmt wird, wird Gottes Volk betende und singende Gemeinschaft: ‘Urbs Aquensis, urbs regalis’” (Aachen, köngliche Stadt).

Lob des Präfekten der Gottesdienstkongregation
Im Pontifikat Benedikts XVI. erwacht in der Kirche ein neues Bewusstsein für die zentrale Bedeutung der Liturgie für die Kirche. Der Papst ist der Motor einer neuen liturgischen Bewegung zu Beginn des dritten Millennium. In diesem zeithistorischen Kontext erfreut sich auch die mittelalterliche Karlsliturgie, die jahrhunderteland das liturgische Leben in zentralen Kultstätten Europas geprägt hat, erneuter Aufmerksamkeit.

Zu ihrer Erforschung und Förderung hat sich vor einigen Jahren der “Verein zur wissenschaftlichen Erforschung der Karlsliturgie” konstituiert. Dessen Arbeit hat jüngst der Präfekt der Gottesdienstkongregation, Kardinal Antonio Canizare Llovera, lobend als ein Beitrag für die Neubesinnung auf die “geistigen und geistlichen Wurzeln Europas” gewürdigt. Das Karlsoffizium vermittle, so der Kardinal, einen einen lebendigen Eindruck von der kulturprägenden Kraft der Liturgie der Kirche.
In Aachen laufen derzeit bereits die Vorbereitungen für den 1200. Todestag Karls des Grossen am 28. Januar 2014.

[ Gero P. Weishaupt ]

27. Januar 2010, 17:26

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