“Die Kirche muss Stellung nehmen”

Kardinal Meisner im Interview mit dem General-Anzeiger.

Joachim Kardinal Meisner (Foto: Pressestelle Erzbistum Köln)Köln (kathnews). In einem Interview mit dem Bonner Generalanzeiger sprach Erzbischof Joachim Kardinal Meisner über den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan und die Rolle der Kirche in der Tagespolitik. Meisner stellte dabei klar, dass es die Aufgabe der Kirche sei, sich zu Wort zu melden: „Die Kirche muss, ob gelegen oder ungelegen, zu wichtigen Fragen der Menschen Stellung nehmen. Ob das den Politikern passt oder nicht“. Angesprochen auf den Afghanistan-Einsatz der deutschen Bundeswehr machte er auf die Arbeit der deutschen Soldaten vor Ort aufmerksam. Meisner betonte, dass er zwar den Frieden von der Domkanzel predigen könne, er müsse dann aber auch diejenigen unterstützen, die das gesagte in die Tat umsetzen.

Meisner wörtlich: „Ich habe die Bundeswehr immer als ein Instrument unseres Staates zur Friedenssicherung und zur Kriegsverhinderung definiert, tue das auch jetzt“. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Margot Käßmann sagte kürzlich in einer Predigt: „Nichts ist gut in Afghanistan“. Vor diesem Hintergrund betonte Kardinal Meisner, dass er diesen Satz niemals gesagt hätte, da die deutsche Bundeswehr schon sehr viel Positives in Afghanistan bewirkt habe. Margot Käßmann steht für ihre Kritik am deutschen Vorgehen nach wie vor in der öffentlichen Kritik.

Meisner ging auch auf den von einem deutschen Oberst befohlenen Luftschlag in Kundus ein. Er unterstrich, dass er diesen Angriff als einen tragischen Unfall betrachtet. „Man kann grundsätzlich nie rechtfertigen, dass unschuldige Menschen sterben. Aber um Schlimmeres zu verhindern, ist ein bewaffneter Einsatz als Ultima Ratio sicher gerechtfertigt.“, so Meisner.

Kardinal Meisner wurde am 25. Dezember 1933 in Breslau geboren. Im Jahr 1951 trat er in das Priesterseminar Norbertinum in Magdeburg ein und studierte von 1959 bis 1962 Theologie und Philosophie in Erfurt. Das Sakrament der Priesterweihe empfing er 1961, zum Bischof geweiht wurde er 1975 für das Bistum Erfurt. Seit 1980 war Meisner Bischof von Berlin, bis er am 20. Dezember 1988 von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Köln ernannt wurde. Am 2. Februar 1983 wurde er zum Kardinal kreiert. Er ist Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband.

[ Benjamin Greschner ]

15. Januar 2010, 10:07

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