Vatikan rechnet mit kurzem Prozess
Vatikan prüft Sachlage und Möglichkeit eines Prozesses.
Vatikan (kathnews). Der Angriff einer jungen Frau auf Papst Benedikt XVI. wird juristische Konsequenzen für die Angreiferin haben. Dies berichtet die katholische Zeitung „Avvenire“. Demnach werde gegenwärtig geprüft, ob es zur Eröffnung eines Hauptverfahrens kommt und inwiefern die Angreiferin zum Tatzeitpunkt schuldfähig war. Davon hängt der Verlauf und die Zielsetzung eines Verfahrens gegen die junge Frau ab. Unterdessen wurde der verletzte französische Kardinal operiert. Giuseppe Dalla Torre, verantwortlicher Richter des Vatikans, sagte gegenüber „Avvenire“, dass er damit rechne, dass das Verfahren des Vatikanstaates gegen Susanna M., die den Heiligen Vater zu Beginn der Christmette zu Boden riss, schon in wenigen Wochen abgeschlossen sein könnte.
Ausschlaggebend für die kurze Prozessdauer ist nach Angaben des Klerikers, dass keine weiteren ausländischen Justizinstanzen in den Fall involviert seien und die Angelegenheit allein vor einem vatikanischen Tribunal zur Anklage kommen kann. Er betonte, dass es auch die Aufgabe eines vatikanischen Gerichts sei, die Hintergründe der Tat zu erfragen und die Motive der jungen Frau zu betrachten. Gleichzeitig müsse man medizinische Gutachten abwarten, die sich mit der Zurechnungsfähigkeit der Angreiferin befassen.
Sollte dabei eine Schuldfähigkeit festgestellt werden, erwartet die junge Frau wahrscheinlich eine Verurteilung durch ein vatikanisches Tribunal. In diesem Fall könnte ihr eine Haftstrafe drohen, die Strafe könnte allerdings auch zur Bewährung ausgesetzt werden, was durchaus der gegenwärtig üblichen Praxis entspräche. Hierbei könnte positiv bewertet werden, dass die Angreiferin zum Tatzeitpunkt nicht bewaffnet war, so der zuständige Richter. Sollte jedoch festgestellt werden, dass sie nicht zurechnungsfähig gewesen ist, als sie sich auf Papst Benedikt XVI. stürzte, kann sie nach aktueller Rechtslage im Kirchenstaat nicht verurteilt werden, so „Avvenire“.
In diesem Falle müsse sie sich jedoch einer psychologischen Behandlung unterziehen, was dann aber nicht mehr im Zuständigkeitsbereich des Vatikans liegt, da die junge Frau nicht die vatikanische Staatsbürgerschaft besitzt.
Der bei dem Zwischenfall an Heiligabend ebenfalls zu Boden gestürzte Kardinal Etchegaray wurde unterdessen in einer römischen Klinik operiert. Die Operation am Sonntagmorgen sei gut verlaufen, heißt es aus Vatikankreisen. Der Kardinal sei wohl auf und verbleibe vorerst in der Klinik, in die er unmittelbar nach dem Angriff eingeliefert wurde.
27. Dezember 2009, 18:28