Laut erschallt der Ruf nach der Sedia…
Mitte September gab es erstmals Gerüchte, angestoßen durch den berühmten Blogger John Paul Sonnen, die eine eventuelle Wiedereinführung der „Sedia Gestatoria“ betrafen. Damals hieß es, die Rückkehr der Sedia sei zwar ein „Gerücht, ja, aber das Stadtgespräch“. Die Entscheidung sei weder von Msgr. Guido Marini und seinem Stab noch von Papst Benedikt XVI. selber getroffen worden, sondern vom Staatssekretariat. Man könne den Papst so leichter und besser sehen.
Die Sedia Gestatoria besteht aus einem reich verzierten Thronsessel, der auf einer Plattform, dem sogenannten suppedaneum, befestigt ist. An den Seiten sind zwei Stangen befestigt, mittels derer der Thron von zwölf Männern, den „Sediari pontifici“, getragen wird. An den Seiten wurden traditionell die sogenannten Flabelli, Fächer aus weißen Federn, getragen. Seit etwa dem 15. Jahrhundert wurde die Sedia zunehmend zu einem festen Bestandteil des päpstlichen Zeremoniells.
Bislang hat sich das Gerücht einer Rückkehr der Sedia nicht bewahrheitet. Womöglich hatte man auf Seiten des Vatikans Angst, was für einen öffentlichen Eindruck diese Maßnahme gemacht hätte. Man kann sich die Vorwürfe – „zurück hinter das Konzil“, „päpstliche Eitelkeit“, „triumphalistisch“, „unzeitgemäß“ – gut ausmalen. Noch Papst Johannes Paul I., der auch fürchtete, unzeitgemäß zu erscheinen, musste zunächst überzeugt werden ,dass die Menschen ihn sonst nicht sehen würden, bevor er zustimmte, auf der Sedia getragen zu werden. Erst Papst Johannes Paul II. brach schließlich mit dieser jahrhundertealten Tradition.
Mit dem jüngsten Angriff auf Papst Benedikt XVI., bei dem dieser zu Fall kam und ein Kardinal sich sogar den Oberschenkelhals brach, wird der Ruf nach der Sedia Gestatoria wieder laut. Aus gutem Grund. Mindestens ebenso wichtig wie seine Sichtbarkeit ist die Sicherheit des Papstes. In „luftiger Höhe“ befände sich der Papst zumindest einigermaßen außerhalb der unmittelbaren Reichweite von geistig Verwirrten. Darüberhinaus könnten links und recht der „Sediari“ Sicherheitskräfte positioniert werden, was bislang natürlich nicht in dieser Form möglich ist, weil die Anwesenden einen mehr oder weniger freien Blick auf den Heiligen Vater haben wollen. Mit dem Vorfall in der vergangen Christmette hätte man in jedem Fall eine gute „Ausrede“, wenn die Unverbesserlichen mit ihren unvermeidlichen Vorwürfe (siehe oben) gegen Papst und Kirche schießen.
26. Dezember 2009, 14:08