Im Dienste der Liebe Christi

Br. Eustachius KuglerIm Oktober 2009 wurde in Regensburg der Diener Gottes Eustachius Kugler selig gesprochen. Mehr als 1300 Gläubige nahmen an dem Gottesdienst teil, darunter auch zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft. Neben zahlreichen Bischöfen waren auch die beiden bayerischen Metropoliten, Erzbischof Reinhard Marx von München und Freising sowie Erzbischof Ludwig Schick von Bamberg, unter den Ehrengästen. Doch wer war Frater Eustachius Kugler und was können wir heute noch von ihm lernen?

Bruder Eustachius gehörte der Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Brüder an. Der Orden entstand 1540 in Granada, Spanien. Seither gibt es verschiedene Gemeinschaften, die unter dem Namen der Barmherzigen Brüder weltweit für kranke und notleidende Menschen einstehen. Zu den bekanntesten Gemeinschaften gehören die Barmherzigen Brüder in Bayern, die bereits seit dem 17. Jahrhundert ihren Dienst versehen und die Barmherzigen Brüder von Montabaur, eine Gründung aus dem 19. Jahrhundert.

Bruder Eustachius wurde am 15. Januar 1867 in Neuhaus bei Nittenau als Josef Kugler geboren. Nach dem Besuch der Schule begann er eine Lehre zum Bauschlosser und zog sich in München bei einem Arbeitsunfall eine schwere Beinverletzung zu. Ein Leiden, dass ihn für sein weiteres Leben zeichnen sollte. 1884 zog der junge Josef Kugler nach Reichenbach, wo seine Schwester mit ihrem Mann lebte. Dieser ermöglichte es ihm, wieder in seinem alten Beruf arbeiten zu können, trotz seiner Behinderung. Seine Schwester kümmerte sich in dieser Zeit fürsorglich um ihren Bruder. 1890 kam erstmals ein Kontakt zwischen Kugler und der Gemeinschaft der Barmherzigen Brüder zustande.

In dieser Zeit erwarb der Orden die Klosteranlage Reichenbach, um dort eine Niederlassung des Ordens mit angrenzender Klinik für Arme, Epileptiker und Geisteskranke zu errichten. Josef Kugler, sein Schwager und die anderen Handwerker des kleinen Ortes waren fleißig damit beschäftigt, die Klosteranlage entsprechend der Vorgaben des Ordens umzugestalten. Hier gewann Josef erstmals tiefere Einblicke in das Wirken des Ordens. Am 11. Januar 1893 trat er in die Gemeinschaft der Barmherzigen Brüder in Reichenbach ein und nahm im Noviziat den Ordensnamen Eustachius, der Standhafte, an.

Einige Jahre vergingen und Bruder Eustachius war hauptsächlich in einer Einrichtungen für behinderte Menschen in Straubing, sowie dem Krankenhauses St. Wolfgang in Neuburg an der Donau beschäftigt. Zeitweise stand der diesen Einrichtungen auch als Oberer vor. 1925 wurde Bruder Eustachius überraschend zum Provinzial der bayerischen Ordensprovinz und somit zum Oberen aller ordenseigenen Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Klöster gewählt. Eine Aufgabe, die zur Lebensaufgabe des frommen Mannes werden sollte.

Als Meisterleistung seiner Amtszeit als Provinzial der Barmherzigen Brüder wird die Errichtung des Klinikums der Barmherzigen Brüder in Regensburg gewertet. Ein Bauvorhaben, das selbst innerhalb der Gemeinschaft stark umstritten war, da es mit hohen Kosten verbunden war. Kritikern entgegnete Kugler stets: „Ich habe die Sache mit meinem Herrgott ausgemacht. Es wird nichts fehlen“. Am 10. Juni 1946 starb er in „seinem“ Krankenhaus an einem Krebsleiden.

Wir sehen das Leben und Wirken eines Mannes, der all seine Kraft und seinen Mut aus dem Glauben an Jesus Christus geschöpft hat. Ein Ordensbruder, der für viele aufgrund seiner Behinderung ein Außenseiter gewesen sein mag. Auch innerhalb des Ordens gab es wohl Kritiker, die bemängelten, dass man einen Mann mit solch einem Fußleiden nicht zur Profess zulassen könne. Doch Frater Eustachius lies sich nicht entmutigen und ging in Vertrauen auf Gott und die Heiligen unbeirrt seinen Weg im Namen der Liebe Christi. Er wird somit zu einem Glaubenszeugen, der für viele Menschen ein großes Vorbild sein kann.

Wie oft sind wir zögerlich, haben Angst und möchten uns am liebsten verkriechen. Wenn wir uns in diesen Momenten das Leben und Handeln dieses bescheidenen Dieners Gottes vor Augen führen, können wir erahnen, mit wie viel Entschlossenheit er seine Ziele verfolgte. Nehmen wir diesen Entschiedenheit und diese Demut zum Anlass, unser eigenes Handeln immer wieder zu überdenken und nehmen wir uns besonders auch solchen Entscheidungen an, vor denen wir geradezu davonlaufen möchten. Entschlossenheit und Vertrauen auf die göttliche Vorsehung waren seine Stärke, die Eustachius Kugler heute noch zu einem nachahmenswerten Diener Gottes machen.

[ Benjamin Greschner ]

6. Dezember 2009, 14:08

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