Die Versuchung des Theologen
Papst Benedikt über akademische Kälte bei der Arbeit mit der Heiligen Schrift.
Vatikan (kathnews). Seit Montag, den 30. November 2009, tagt die Internationale Theologenkommission im Vatikan. Unter dem Vorsitz des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal William Levada, geht es bei der Versammlung vor allem um die Gegenstände, die in der nächsten Fünf-Jahres-Periode behandelt werden sollen, unter anderem die Frage der theologischen Methodologie. Die Leitung der Tagung wurde indes dem Sekretär der Theologenkommission, Pater Charles Morerod OP, übertragen, der zugleich Sekretär Glaubenskongregation ist.
Am gestrigen Dienstag feierte Papst Benedikt XVI. in der kürzlich restaurierten Cappella Paolina mit den Mitgliedern der Theologenkommission eine heilige Messe. Dabei zelebrierte er – obwohl diese Möglichkeit bestanden hätte – nicht zu den Gläubigen gewandt, sondern blickte gemeinsam mit ihnen in Richtung des liturgischen Ostens. In seiner Predigt sprach der Heilige Vater über eine der Versuchung des Theologen, mit einer gewissen akademischen Kälte das Geheimnis Gottes und der Welt zu sezieren. Es möge sogar intelligente und anspruchsvolle Bibelforscher geben, die trotzdem den Funken des Transzendenten nicht kennen, so Papst Benedikt.
Es gebe einen „Prototyp des pedantischen Theologen“, der die Heilige Schrift rein sachlich auf ihren Informationsgehalt hin analysiere. Dazu gehörten die Schriftgelehrten, von denen Matthäus im Kindheitevangelium Jesus spreche. Diese Schriftgelehrten, so der Papst, seien „große Spezialisten“. Sie seien imstande zu sagen, „wo der Messias geboren werden wird“, fühlten sich jedoch nicht eingeladen, zu ihm zu gehen. Zwar könnten sie Informationen liefern, doch würden diese Information keinen Einfluss auf ihre Lebensgestaltung nehmen.
Wörtlich sagte das Kirchenoberhaupt: „Es gibt große Gelehrte, Lehrer im Glauben, die uns viele Dinge gelehrt haben. Sie sind in die Details der Heiligen Schrift, der Heilsgeschichte eingedrungen. Aber sie konnten das Geheimnis nicht erfassen, den wahren Kern: dass Jesus wirklich der Sohn Gottes war.“ Auf diese Weise werde „das große Geheimnis Jesu“ auf einen „historischen Jesus“ reduziert – „einer wirklich tragischen Gestalt, die ein Gespenst ohne Fleisch und Knochen bleibt, einer, der im Grab bleibt, verwest und wirklich tot ist“.
Als Alternative zu dieser Art der Arbeit mit der Heiligen Schrift verwies Benedikt XVI. auf die Klugheit von Heiligen, die in besonderer Weise „gelehrt“ seien. Dazu zählte er etwa Bernadette Soubirous, die Seherin von Lourdes, oder Therese von Lisieux. Letztere sei „mit einer neuen Lesart der Heiligen Schrift, die nicht wissenschaftlich war, in das Herz der Schrift eingetreten“.
2. Dezember 2009, 11:09