Schweizer Bischof gegen den Zölibat

Norbert Brunner sieht keine Notwendigkeit.

Pileolus - Kopfbedeckung eines BischofsSitten (kathnews). Norbert Brunner, Bischof des Bistums Sitten, hat sich erneut für die Aufweichung des priesterlichen Zölibats eingesetzt. Brunner ist designierter Vorsitzender der Bischofskonferenz seines Landes. Wörtlich sagte er in einem Interview mit der „Neuen Züricher Zeitung: „Ich halte es für möglich, den Pflichtzölibat für Priester abzuschaffen. Denn es gibt keine Wesens-Verbindung zwischen dem Zölibat und dem Priestertum“. Der Zölibat müsse zwar als mögliche Lebensform des Priesters bestehen bleiben, als verpflichtende Lebensform will Brunner den Zölibat jedoch abgeschafft wissen.

Weiter sagte er: „In der Geschichte der Kirche wurde der Zölibat von Beginn weg als die privilegierte Form des priesterlichen Seins betrachtet. Daneben sollte es aber auch die Möglichkeit geben, verheiratete Männer zu Priestern zu weihen“. Im Interview betonte der Bischof, dass dies eine Entscheidung sei, die nicht nur für eine Region oder ein Land getroffen werden könne. Vielmehr handle es sich hierbei um eine Thematik die für die Weltkirche zu regeln sei. Darüber hinaus behauptete er, dass die Mehrheit der Schweizer Bischofskonferenz der gleichen Meinung sei.

Bereits 1995, kurz nach seiner Ernennung zum Bischof von Sitten, sagte Brunner gegenüber Medienvertretern, dass er die Zulassung von verheirateten Männern zum Priesteramt befürworte. Er bezeichnete die Weihe von Verheirateten als aus „theologischen Gründen und von der Kirchenverfassung her für möglich“.

Erst in der vergangenen Woche provozierte Alois Glück, neuer Vorsitzender des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), mit seinen Aussagen zum priesterlichen Zölibat. Gegenüber der „BILD“ sagte er: „Ich würde es begrüßen, wenn bewährte, verheiratete Diakone mit einer entsprechenden Fortbildung zur Priesterweihe zugelassen würden“. Für diese unangebrachten Aussagen kassierte Glück umgehend schwere Kritik von Dr. Walter Mixa, Bischof von Augsburg. Dieser sagte in einer Pressemitteilung: „Man könnte erwarten, dass der Vorsitzende des Zentralkomitees angesichts eines zunehmend aggressiven Atheismus und der Verdunstung menschlicher Werte in unserer Gesellschaft andere Sorgen hat als eine neuerliche Debatte über den Zölibat vom Zaun zu brechen“.

Bischof Norbert Brunner wurde am 21. Juni 1942 in Naters im schweizerischen Kanton Wallis geboren. Er studierte Theologie und Philosophie an der Universität Innsbruck und empfing 1968 das Sakrament der Priesterweihe. Anschließend studierte Brunner Moraltheologie und Kirchenrecht an der Universität Freiburg in der Schweiz. 1995 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Bischof der Diözese Sitten ernannt. Die Bischofweihe spendete ihm sein Vorgänger im Amt des Bischofs von Sitten, Henri Kardinal Schwery.

[ Benjamin Greschner ]

30. November 2009, 08:49

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