Von der Weitsicht eines Papstes
Papst Pius XII. war ein großer und bedeutender Mann, dessen Rolle im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Nationalsozialismus all zu oft völlig verzerrt dargestellt wird. Zahlreiche angesehene Historiker und Theologen haben mittlerweile aufgezeigt, dass das Leben und die Entschlossenheit dieses großen Papstes in den vergangenen Jahrzehnten viel zu selten in rechter Weise gewürdigt wurden. Dass das Handeln dieses Papstes von großer Weitsicht und Klugheit geprägt war, verdeutlichen viele Details seines Pontifikates, die dem Betrachter erst beim genaueren Hinsehen auffallen. Eine dieser Begebenheiten möchte ich in diesem Kommentar näher beleuchten. Es ist die Begebenheit von Pius XII. und „der Bombe“.
Heute, mehr als 60 Jahre nach den verheerenden Ereignissen von Hiroshima und Nagasaki, wissen wir um die große Gefahr, die von atomaren Waffen ausgeht. Betrachten wir jedoch die Ausgangssituation Ende der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts, müssen wir schnell feststellen, dass Atomwaffen für die meisten Menschen ein Thema waren, von dem sie noch nie – oder zumindest nur sehr selten – etwas gehört hatten. Verstehen konnten sie es da erst recht nicht, was diese „Superwaffen“ mit ihrer Strahlung und ihrer Sprengkraft anrichten konnten. Doch schon zweieinhalb Jahre vor den Nuklearschlägen von Hiroshima und Nagasaki war es Papst Pius XII., der gegen die nukleare Aufrüstung mahnte.
Am 21. Februar 1943 begann im Vatikan das siebte akademische Jahr der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Aus diesem Anlass hielt Pius XII. vor dieser Akademie und dem gesamten diplomatischen Corps einen Vortrag über „das System der Naturgesetze“. Rückblickend kann man davon ausgehen, dass dieser Vortrag, der durchaus als eine ebenso präzise wie knappe Zusammenfassung eines kurz vorher publizierten Artikels von Max Planck bezeichnet werden kann, mit großer Wahrscheinlichkeit sogar von diesem korrigiert, wenn nicht sogar selbst geschrieben wurde. Dafür spricht neben der Tatsache, dass Planck Mitglied er Päpstlichen Akademie der Wissenschaften war, die Tatsache, dass den Wissenschaftler eine enge Freundschaft mit dem Pontifex verband.
Papst Pius XII. warnte in dieser Rede eindringlich vor einer nuklearen Aufrüstung und der Verwendung von atomaren Waffen. Hierbei sprach er nicht nur über die Gefahren von Radioaktivität, sondern unterstrich vielmehr, dass eine Bombenexplosion nicht nur für eine einzelne Stadt, sondern für den gesamten Planeten eine Katastrophe bedeuten würde. Nur wenige Jahre später, wurde das, wovor dieser Mann Gottes so eindringlich warnte, bittere Realität für unzählige Menschen in Hiroshima und Nagasaki.
23. November 2009, 08:03