Krone, Brot und Rosen – I. Teil
Es war in den Jahren 1206 und 1207, nach der Geburt des Herrn, als sich der legendäre „Sängerkrieg“ auf der Wartburg hoch über dem thüringischen Städtchen Eisenach zutrug. Damals kamen die Minnesänger Wolfram von Eschenbach, Heinrich der Schreiber, Walther von der Vogelweide, Reinhart von Zwetzen und Heinrich von Ofterdingen zusammen, um den thüringischen Landgrafen Hermann I. und seine Gemahlin Sophia von Bayern mit ihren Sangeskünsten zu beeindrucken. An dieser Stelle möchten wir jedoch nicht über den hitzigen Verlauf des berühmten „Sängerkrieges“ schreiben, sondern vielmehr die Person des sagenumwobenen Zaubermeisters Klingsor in den Mittelpunkt des Ereignisses rücken.
Schließlich war er es, der den „Sängerkrieg“ auf der Wartburg nach mehr als einem Jahr friedlich beendete. Nach den Schriften Dietrichs von Apolda war es auch ebendieser mystische Zaubermeister, der von der Geburt der Heiligen Elisabeth von Thüringen und Ungarn in prophetischen Worten kündete: „Ich sehe einen Stern, der leuchtet von Ungarn bis nach Marburg und von Marburg über die ganze Welt. Ihr sollt also wissen, dass dem König von Ungarn heute Nacht eine Tochter geboren wurde. Sie wird Elisabeth heißen und heilig werden. Und man wird sie dem Sohn des Thüringer Fürsten zur Frau geben. Ihre Heiligkeit wird das ganze Land erfreuen und erhöhen, von Ungarn bis nach Marburg und von Marburg in die ganze Welt!“
Geboren wurde Elisabeth am 7. Juli 1207 als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. und seiner Gemahlin Gertrud, einer Gräfin von Andechs-Meranien, auf Burg Sárospatak, oberhalb der gleichnamigen Kleinstadt, in der heutigen nordungarischen Region Észak-Magyarország. Bereits als Vierjährige wurde die Prinzessin mit dem damals elfjährigen Landgrafensohn Hermann von Thüringen verlobt und zur weiteren Erziehung an den thüringischen Hof geschickt. Es ist offensichtlich dass die politischen Interessen des Papstes Innozenz III. bei dieser Verlobung eine bedeutende Rolle spielten. Bereits 1216 verstarb der junge Hermann und kurz darauf auch sein Vater, der Landgraf von Thüringen. Zwei Jahre später übernahm dann der jüngere Sohn des thüringischen Landgrafenpaares die Regentschaft und wurde als Ludwig IV. Landgraf von Thüringen.
Die junge Witwe seines Bruders fiel ihm in dieser Zeit besonders durch ihr tugendhaftes Leben, ihre tiefe Frömmigkeit und ihre bezaubernde Schönheit auf, sodass er sich unsterblich in „seine Elisabeth“ verliebte. Die beiden heirateten 1221, als Elisabeth vierzehn Jahre jung war. Beide waren einander – trotz der arrangierten Ehe – in inniger Liebe zugetan. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Hermann, Sophia und Gertrud. Hermann übernahm später das Erbe und wurde 1227 Landgraf von Thüringen, Sophia heiratete Herzog Heinrich II. von Brabant und Gertrud wurde Äbtissin des Prämonstratenserinnen-Klosters in Altenberg an der Lahn. Letztere verstarb 1297 und wird als Selige verehrt.
Es ist bekannt, dass Elisabeth und Ludwig ein frommes und gottesfürchtiges Leben führten. 1226 bestellte Ludwig den bekannten Ketzerverfolger und Kreuzzugsprediger Konrad von Marburg zum Beichtvater seiner Gattin. Im selben Jahr gelobte Elisabeth im Eisenacher Katharinenkloster ein doppeltes Gelübde: ihrem Beichtvater Konrad versprach sie Gehorsam und für den Fall, dass Ludwig vor ihr sterben sollte, gelobte sie ewige Keuschheit. Es war kein Zufall, dass Ludwig IV. ausgerechnet einen Kreuzzugsprediger an seinen Hof rief. Bereits 1218/19 begab sich Elisabeths Vater, König Andreas II. von Ungarn, auf einen Kreuzzug nach Ägypten. An diesem Kreuzzug nahm auch Graf Heinrich III. von Sayn teil, der mit Gräfin Mechthild von Landsberg (1203–1285) verheiratet war. Mechthilds Mutter Jutta von Thüringen war eine direkte Kusine von Elisabeths Mann.
Im Sommer 1227 jedoch begab sich Elisabeths Gatte Ludwig IV. auf jenen Kreuzzug, von dem er nicht wieder zurückkehren sollte. Er erlag am 11. September 1227 im süditalienischen Otranto einer schweren Seuche, ohne das Ziel seiner Reise – die heiligen Stätten in Jerusalem – je erreicht zu haben. Er fand seine letzte Ruhestätte im Kloster Reinhardsbrunn, dem Hauskloster der Ludowinger. Elisabeth war tieftraurig über diesen schmerzlichen Verlust und geriet nach dem frühen Tod ihres geliebten Mannes immer mehr unter den Einfluss ihres Beichtvaters Konrad von Marburg. Mit Strenge und Härte zwang er sie zum Verlassen ihrer Kinder und zu absolutem Gehorsam um sie somit auf dem Weg der Heiligkeit zu leiten.
Elisabeths tiefe Frömmigkeit und Selbstaufgabe führte auch zu unlösbaren Konflikten mit der Familie ihres Mannes. Lesen Sie mehr dazu im zweiten Teil unseres Artikels über das Leben und Wirken der hl. Elisabeth von Thüringen – morgen auf kathnews.de
19. November 2009, 13:34