Liturgie ist kulturprägend

Herzogenrath im Zeichen der Karlsliturgie.

Karl der GroßeHerzogenrath (kathnews). Nach der Heiligsprechung Karls des Grossen im Jahre 1165 entstand eine große liturgische Verehrung des am Weihnachtsfest im Jahre 800 in Rom zum Kaiser gekrönten Franken. In diesem Zusammenhang entwickelte sich von Aachen aus, dem damaligen politischen und kulturellen Zentrum Europas, eine eigene Karlsliturgie mit Gebeten und Gesängen für die Messfeier und das Offizium (Stundengebet) zu Ehren Karls des Grossen, die über die Grenzen Aachens bekannt und gefeiert wurde. Als politischer, religiöser, kultureller und künstlerischer Mittelpunkt im christlichen Reich bewahrte Aachen mit der berühmten Hof- und Grabeskirche Karls des Grossen, dem heutigen Kaiserdom, die Tradition der Karlsliturgie, die immer am Sterbetag des Kaisers, dem 28. Januar, gefeiert wurde.

Am kommenden Montag, dem 23. November, singt die Aachener Schola “Carolina” unter Leitung von Dr. Michael Tunger, dem Präsidenten der “Sinfonia Sacra”, das Proprium (eigene Gesänge) der Karlsliturgie “In virtute tua” in einer Votivmesse zu Ehren des heiligen Karls des Grossen. Die Messe findet in der sogenannten außerordentlichen Form des Römischen Ritus, dem Gregorianisch-Tridentinischen Messordo, statt, dem klassischen römischen Ritus. Sie beginnt um 18.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt in Herzogenrath, 10 km nördlich von Aachen an der deutsch-niederländischen Grenze gelegen. Zelebrant ist Pfarrer Dr. Guido Rodheudt.

Nach der heiligen Messe hält die Vorsitzende des Aachener “Vereins zur Förderung der Karlsliturgie”, die Historikerin und Altphilologin Frau Hannelore Zowislo-Wolf, im “Haus der offenen Tür” in Herzogenrath im Rahmen der “Herzogenrather Montagsgespräche” einen Vortrag zur Entstehung, Entwicklung und Bedeutung der Karlsliturgie. Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr und wird von Klangbeispielen aus dem Karls-Offizium “Regali natu stirpe”, gesungen von der Schola “Carolina”, umrahmt.

Der Präfekt der römischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramente, Antonio Kardinal Canizares Llovera, würdigte neulich in einem Brief an Frau Hannelore Zowislo-Wolf die Kultur prägende Bedeutung der Karlsliturgie: “Das in Aachen entstandene Reimoffizium zu Ehren Karls des Grossen, stellt ein bedeutendes Beispiel dieser wichtigen Gattung mittelalterlicher Liturgie dar, und es ist zu begrüßen, dass für seine Erforschung Fachleute aus den Bereichen der Musikwissenschaft, Sprachwissenschaft, Kunstgeschichte und Geschichte gewonnen werden konnten. Diese Arbeit trägt zu einer Neubesinnung auf die geistigen und geistlichen Wurzeln Europas bei, zu dessen Vätern Karl der Grosse ohne Zweifel gerechnet werden kann. Die musikalische Aufführung des Offiziums vermittelt dabei einen lebendigen Eindruck von der kulturprägenden Kraft der Liturgie der Kirche.”

[ Gero P. Weishaupt ]

18. November 2009, 16:42

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