Nicht eucharistisch fasten, sondern opfern

Hl. Messe (Foto: Patnac)Derzeit geistert der etwas merkwürdige Vorschlag durch die deutschsprachige Medienlandschaft, daß es der Einheit zwischen der Kirche und nichtkirchlichen Glaubensgemeinschaften, besonders den protestantischen, dienlich sein könnte, gemeinsam eucharistisch zu fasten. Noch unverständlicher, und geradezu beängstigend wird dieser Vorschlag, wenn man bedenkt, daß er nicht von einem einfachen gutgläubigen Katholiken kommt, auch nicht von einem Studenten des ersten Abschnittes Theologie. Er stammt von einem Liturgieprofessor. Noch dazu: von einem Priesterprofessor.

Im Wesentlichen sind die Aussagen, welche für gläubige Ohren eine unannehmbare Anstößigkeit sind und die eucharistische Liebe des Katholiken tief verletzen folgende:

„Da in allen Kirchen die Eucharistie aufs Engste mit der Einheit der Kirchen – der Kirche – verknüpft ist, widerspricht es dem Wesen und dem Sinn der Eucharistie, wenn sich Schwester-Kirchen in der einen Kirche gegenseitig von der eucharistischen Kommunion ausschließen … Wenn für die Wiederherstellung der communio eucharistica (der eucharistischen Gemeinschaft) als wahrnehmbares Zeichen der communio ecclesiarum (der Gemeinschaft der Kirchen) gemeinsam gebetet wird, warum soll nicht auch – wenigstens von Zeit zu Zeit und wenn möglich gemeinsam – eucharistisch gefastet werden?”

Das Eucharistiefasten sieht er als: „freiwillige und bewußte Abstinenz von Feier und Empfang der Eucharistie … Priester verzichten auf die Zelebration und auf den Empfang der Eucharistie; Laien verzichten auf den Empfang der Kommunion … Auf die Kommunion zu verzichten, ist Ausdruck der Solidarität mit denen, die sie nicht bekommen – eine Solidarität, die vor allem von Ehepaaren mit unterschiedlicher Konfession oder von geschieden Wiederverheirateten verstanden wird “.

Einige Fehler in den Ansätzen
Der erste und gravierendste Fehler ist gewiß der, daß behauptet wird, Katholiken und Protestanten könnten gemeinsam eucharistisch fasten. In Wirklichkeit kann es aber erst gar kein gemeinsames eucharistisches Fasten geben, einfach deswegen, weil die protestantischen Glaubensgemeinschaften keine gültige Eucharistie haben. Fasten ist ein freiwilliger Verzicht auf etwas Mögliches. Was nicht möglich ist weil es nicht vorhanden ist, darauf kann ich nicht verzichten. Wenn ich in einer Kleinstadt mit dem Bus fahre weil es keine Untergrundbahn gibt, macht es keinen Sinn zu sagen, ich verzichte darauf, in dieser Kleinstadt mit der Untergrundbahn zu fahren. Es gibt sie ja nicht, deshalb kann ich auch in dieser Stadt nicht aus diese nichtvorhandene Untergrundbahn verzichten.

Zu sagen, daß in allen Kirchen (Plural) die Eucharistie (Singular) mit der Einheit der Kirchen/Kirche verknüpft ist, impliziert zum einen, daß es mehrere Kirchen gäbe, und zum anderen, daß alle diese Kirchen die eine, selbe Eucharistie hätten. Beides ist aber vollkommen verkehrt: die einzige Kirche ist die katholische, und gerade in Bezug auf die getrennten protestantischen Glaubensgemeinschaften, welche gemäß der Forderung Professor Harnocourts ja in erster Linie die „Fastenpartner“ sein sollen, ist es ein schwerer Fehler, von der einen Eucharistie zu sprechen. Bei den Protestanten bleibt das Brot Brot und wird nie Eucharistie, wird nie verum corpus Domini.

Zumindest auf einen weiteren schweren Implikationsfehler sollten wir noch eingehen: Wenn die Behauptung aufgestellt wird, daß der Kommunionverzicht ein Ausdruck der Solidarität mit jenen ist, welche die Kommunion nicht „bekommen“, so muß man doch erstaunt rückfragen, welches Eucharistieverständnis Hw. Harnocourt denn vertrete und was seiner Meinung nach der Sinn des sakramentalen Kommunizierens denn überhaupt sei. Denn die Aussage, man solle aus Solidarität auf den Empfang des Allerheiligsten der Kirche, auf den Herrenleib, verzichten, legt den Irrtum gefährlich nahe, daß die Frage, ob ich kommuniziere oder nicht kommuniziere eine Frage dessen sei, wem gegenüber ich „Solidarität“ zeigen möchte.

Dadurch aber wird der Empfang der Heiligen Eucharistie aus seinem heilsökonomischen Kontext herausgelöst und anstatt dessen in einen rein weltbezogenen soziologischen Bezug gestellt: nicht mehr die Antwort auf die Fragen nach meinem Gnadenstand und den würdigen äußeren Umständen sagt mir, ob ich den Herrenleib empfangen darf, kann oder soll, sondern plötzlich wird der Maßstab ausgetauscht und ist nur mehr jener alltägliche von bürgerlichen und weltlichen Höflichkeiten, von fragwürdiger Brüderlichkeit und oberflächlicher Solidarität die letztlich aber doch nichts bewirkt. Es handelt sich dabei um nichts Geringeres als um eine geistige Profanierung des Sakralsten was es auf Erden gibt.

Liest man die Aussage, man solle Solidarität mit jenen zeigen, welche die Kommunion nicht „bekommen“, indem man sie auch nicht – „nimmt?“, so scheint beinahe so, als ob es unsere Schuld wäre daß sich manche vom Sakramentenempfang ausgeschlossen haben. Auch zu sagen, daß manche die Kommunion nicht „bekommen“ suggeriert in der Wortwahl eine Boshaftigkeit dessen, der die Heilige Kommunion nicht spenden kann. Ganz so, als wäre die Schuld beim Spender gelegen und nicht bei dem, der sich von dieser durch schwere Fehler im Glauben oder Verhalten ausgeschlossen hat. Dieser Ausdruck begünstigt ebenso stark als auch subtil eine Verschiebung in der Wahrnehmung der Realitäten.

Die Eucharistie ist selbstwertiges und heiligstes Opfer
Wenn der Professor nun ausgerechnet im Rahmen des Vorschlags eines gemeinsamen eucharistischen Fastens behauptet, daß Eucharistie-Fasten nur verstanden werden könne, wenn der Sinn der Eucharistie verstanden werde, um dann selbst aber die Heiligste Eucharistie zu einem Instrument auf einer rein horizontalen Ebene zu machen, verbunden mit der Aufforderung an Priester, eine Zeit lang nicht zu zelebrieren, so mutet dies mehr als befremdlich und überaus widersprüchlich an: Ein solch beschämender Vorschlag, der bedeutet, die Eucharistie von einem göttlichen Subjekt zu einem Objekt der Solidaritätsbekundung zu degradieren, kann nur dann entstehen, wenn man den sakramententheologischen Fakten dessen nicht Rechnung trägt, was die Heiligste Eucharistie, das Herz der Kirche und des katholischen Glaubens, ihrem gotteingesetzten Wesen nach ist. Wo man um Fragen des Kommunizierens handelt, kann man dies nur dann recht tun, wenn man diese Fragen über den Weg der Sakramententheologie angeht. Es handelt sich nämlich hierbei um keine rechtliche Frage, sondern um eine dogmatische. Nicht bürgerliche Gesetze, sondern göttliche sind die Antwort bestimmend.

Die Heiligste Eucharistie ist der reale Leib und das wahre Blut des Gottessohnes Jesus Christus: Fleisch, Blut, Menschheit, Gottheit, Leib und Seele. Kurz: das Zentrum der Kirche, von dem und aus dem die Kirche lebt: Ecclesia de Eucharistia vivit. Dieser Herrenleib kommt in der Heiligen Messe durch die Wandlungskraft des Priesters auf Erden herab, indem der Priester gemäß göttlicher Verfügung das eine und selbe Erlösungsopfer des Kreuzestodes Gottes unblutig fortsetzt. Es ist ein einziges, fortdauerndes Opfer, welches allein fähig ist, den Menschen zum Heile zu erlösen. Indem die eine und einzige Kirche fortfährt die Heilige Messe zu lesen, setzt sie das erlösende Kreuzesopfer fort. Es handelt sich bei der Heiligen Messe, genauer bei der Heiligsten Eucharistie, nicht um ein ideelles Opfer, sondern um ein eigentliches und reales Opfer, weil es dasselbe Opfer ist wie das Kreuzesopfer des Herrn, mit denselben Wirkungen und Früchten.

Weil das Kreuzesopfer das Heiligste und größte ist, was je auf Erden geschehen ist, da es den Menschen Erlösung wirkt, ist auch die Heiligste Eucharistie, der sich hinopfernde Herrenleib, das Allerheiligste, das heiligste Opfer, ein Gottesopfer, dessen Wert in sich selbst gelegen ist.

Konsequenzen des Eucharistiefastens
In dem Moment, in dem wir freiwillig aufhören würden das Opfer darzubringen und zu vollziehen, würden auch auf die Opferwirkung verzichten. Das eucharistische Opfer des Priesters ist zwar immer dasselbe Opfer wie das im Abendmahlssaal und dam Kreuzesstamm vollzogene Opfer des Gottessohnes, und insofern ist das einmal vollzogene Kreuzesopfer hinreichend und wird weder vermehrt noch wiederholt, woraus sich ergibt, daß die gewirkte Erlösung nicht mehr zurückgenommen und die Opferwirkung nicht unterbrochen würde. Aber dennoch ist es kein Luxus und keine Fleißaufgabe, wenn die Kirche das Opfer darbringt.

Indem die Kirche nämlich opfert, opfert sie auch immer für etwas oder jemanden, ein Anliegen oder eine Seele. Denn das Opfer, das muß man unbedingt bedenken, geht in zwei Richtungen. Es ist sowohl katabatisch, als auch anabatisch. Es geht einerseits von Gott in Richtung Mensch indem der Vater seinen Sohn für die Menschen opfert, aber zugleich opfert auch die Kirche dem Vater den Sohn, und nicht nur den Sohn, sondern auch sich selbst.

Deshalb bedeutet ein zeitliches Einstellen des Opferns doppeltes: durch schuldhafte Unterlassung würde das Opfer, das Gott ohne Unterlaß durch die Kirche für die Menschen und deren Heil darbringen möchte unterbrochen, andererseits würde aber zugleich auch das Opfer der Kirche an Gott unterbrochen, welches nicht nur ein Lob- und Dankopfer ist, sondern zudem auch ein überaus wirksames Bittopfer.

Das Abensmahlssaal- Kreuzes- Altar- und Meßopfer, welches ein einziges und stets dasselbe Opfer ist, zielt in erster Linie immer auf das ewige Seelenheil des Menschen ab. Dafür hat die zweite göttliche Person Menschennatur angenommen, dafür ist Gott Mensch geworden, dafür hat Gott Sohn gelitten, dafür wurde Gott zugleich Opferpriester, Opfergabe und Opferempfänger, dafür hat Christus die eine, hochheilige Kirche mit dem Priesteramt eingesetzt und den Auftrag gegeben: tut dies zu meinem Gedächtnis.

Die erste, wichtigste und höchste Aufgabe der Kirche ist es, durch den Priester unaufhörlich das Heilsopfer darzubringen, und deshalb ist es auch die erste, wichtigste und größte, unverzichtbare Aufgabe des Priesters, Gott für das Heil der Menschen täglich das Heilige Opfer darzubringen. Das ist die Wesensaufgabe des Priesters, dazu ist er geweiht, das ist ab dem Augenblick seiner heiligen Weihe das Zentrum seines Seins und das Wichtigste seines Lebens. Bis vor wenigen Jahrzehnten was die einzige Sorge von Priestern, welche in Gefangenschaft oder Krankheit gerieten, wo sie zelebrieren konnten.

Warum? Weil es des Priesters Wesen ist, das Opfer darzubringen. Zum Lobe Gottes, zum Heil der Menschen, zum Nutzen der Welt. Papst Johannes Paul II sagte in seiner letzten Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, Nr. 9: die Eucharistie „ist das wertvollste Gut, das die Kirche auf ihrem Weg durch die Geschichte haben kann.“ Es ist unverantwortlich und dumm, auf das wertvollste Gut, das Heil und Gnaden bringt, zu verzichten.

Es ist ein wirklicher und wahrhaftiger Skandal: nicht irgendwer, sondern ausgerechnet ein Priester fordert, daß der Priester nicht zelebrieren soll, er soll sein Opfern einstellen, und so seinen Gläubigen, deren cura animarum er inne hat, Heilsnotwendiges vorenthalten; er soll das nicht tun, wozu er zu allererst geweiht ist. Was kann einem solchen Priester sein Priestertum bedeuten?

Eine beständige Einheit wird sich nur im gemeinsamen Glauben an die eine und einzige Wahrheit, die der einen und einzigen Kirche gegeben ist, verwirklichen können. Dazu gehört an zentralster Stelle der eucharistische Glaube. Deshalb macht es keinen Sinn, das Zentrum, in dem sich alle treffen müssen, beiseite zu schieben, da dies auch eine Einheit verunmöglicht. Wer auf Wirksames und Heilsbringendes, ja das Allerheiligste, auf Gott aus Solidarität zu verzichten bereit ist, signalisiert, daß das Allerheiligste anscheinend nicht so wichtig, vermutlich nicht so wirksam sei.

Wenn ein Einssein in der Wahrheit je möglich sein sollte, dann kann es nur den umgekehrten Weg gehen: nicht den sinn- und wirkungslosen Weg des solidarischen Verzichtes auf das eucharistische Opfer, sondern jenen des eucharistischen Opferns für die Einheit in der Wahrheit.

[ Mag. Michael Gurtner ]

17. November 2009, 08:12

© 2005 - 2013 by kathnews.de    |    Impressum