Zwischen Geist und Gespenst?
„Generation Benedikt“ mit Workshop zu Vatikanum II.
Bonn (kathnews). Am vergangen Samstag hat die Jugendinitiative „Generation Benedikt“ in Bonn zu einem Workshop eingeladen, der sich mit der Thematik „Zweites Vatikanisches Konzil – zwischen Geist und Gespenst?“ auseinandersetzte. Zahlreiche hochkarätige Referenten konnten für die durchaus sehr aktuelle Veranstaltung, zu der weit über 100 Gäste aus ganz Deutschland angereist waren. Der Tag begann mit einer feierlichen heiligen Messe, die Pfarrer Dr. Guido Rodheudt aus dem Bistum Aachen in der außerordentlichen Form des römischen Ritus zelebrierte.
Der emeritierte Weihbischof Dr. Klaus Dick war als erster Referent des Tages mit der Aufgabe betraut, die liturgische Spiritualität Papst Benedikt XVI. im Lichte des Zweiten Vatikanums beschäftigte. Schon in seiner Priesterausbildung habe Joseph Ratzinger durch Professor Josef Pascher gelernt, was Liturgie bedeute. In liturgischer Hinsicht könne man nicht zwischen dem jungen Joseph Ratzinger und dem alten Papst Benedikt unterscheiden. Er sei seiner Auffassung und Überzeugung stets treu geblieben. Es brauche eine neue liturgische Bewegung, die das Konzil wieder ernst nehme, so der Weihbischof. „Papst Benedikt will diese Kirche ‚konziliar‘ machen, damit Liturgie wieder der Lebensnerv der Kirche wird.“
Die erste von zwei Podiumsdiskussionen, durch die Nathanael Liminski als einer der Sprecher der „Generation Benedikt“ souverän führte, fragte, ob das Zweite Vatikanische Konzil als liturgischer Aufbruch zu verstehen sei. Auch hier kam die Erkenntnis, dass eine neue liturgische Bewegung vonnöten sei. Josef Dirnbeck, Schriftsteller und Autor moderner Meditationstexte, kritisierte den Papst für das Zeichnen einer Karikatur der liturgischen Fehlentwicklungen, welche die positiven Errungenschaften verdecke. Die beiden anderen Diskutanten jedoch, Liturgieprofessor Helmut Hoping aus Freiburg und Pfarrer Rodheudt, zeigten Entwicklungen auf, die durch das Konzil nicht gewollt worden seien, in der Mehrheit der Gottesdienste jedoch die Regel sei. Die Zelebration „versus populum“ etwa habe es in der heutigen Form nie gegeben, so Hoping. Auch die Fürbitten in der heutigen Form seien oft nicht dem Gottesdienst angemessen. Die Idealform der Fürbitten fände sich in der lateinischen Kirche am Karfreitag.
Nach einer Mittagspause ging es frisch gestärkt an das Interview, das Liminski mit Pater Matthias Gaudron, dem Beauftragten für den theologischen Disput auf Seiten der deutschen Piusbruderschaft, führte. Die Piusbruderschaft habe sich selbst nie als außerhalb der katholischen Kirche stehend betrachtet, machte Gaudron klar. Das Zweite Vatikanum habe bekanntlich keine Dogmen beschlossen, weshalb man auch darüber diskutieren dürfe und müsse. Das habe es immer gegeben. Ob die Bruderschaft in der Vergangenheit auch Fehler gemacht habe, konnte Gaudron nicht genau herausstellen. Man müsse in der Piusbruderschaft jedenfalls stärker auf die eigenen Äußerungen achten. Früher war man gleichsam als verrückt abgestempelt und konnte mehr oder weniger sagen, was man wollte. Seit der Annäherung an Rom stehe man nun mehr im Fokus der medialen Öffentlichkeit und bediene auch eine andere Zielgruppe.
Seinen Abschluss fand der Workshop mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Das Zweite Vatikanum – ein Traditionsbruch?“. Auf die Frage nach zentralen Errungenschaften des Konzils erwähnte ZdK-Generalsekretär Dr. Stefan Vesper besonders die neu akzentuierte Bedeutung der Laien. Der im Bischöflichen Ordinariat Augsburg tätige Dr. Peter Düren lokalisierte das Problem der Anerkennung des Konzils, das durch das ZdK und andere Organisationen in der Hauptsache am rechten Rand der Kirche gesehen werde, eher auf der linken Seite. Einfach und deutlich seine Empfehlung: „Da hilft nur eins – man muss sich mit den Texten auseinandersetzen.“ Professor Thomas Söding von der Ruhr-Universität Bochum betonte die positiven Aufbrüche durch das Konzil: „Mit dem Konzil ist die Theologie endlich ins freie Feld getreten und Fächer wie die Bibelwissenschaften konnten entstehen.“ Gerade in dem Aufbruch der Neuen Geistlichen Gemeinschaften sehe er einen positiven Gewinn für die Kirche nach dem Konzil, wobei er sich noch mehr spirituelle Initiativen wünschen würde.
Das Konzept der „Generation Benedikt“, durch die Auseinandersetzung im Rahmen von Workshops eine Grundlage für die eigene Argumentation im jeweiligen Umfeld zu schaffen, dürfte – so das Fazit – voll aufgegangen sein. Gemäß ihrem Charakter als Mediennetzwerk macht die „Generation Benedikt“ die Vorträge und Diskussionen in Bälde auch als Videodatei im Internet verfügbar.
Foto: „Generation Benedikt“
26. Oktober 2009, 21:15