“Die religiöse Dimension des Brotes”

Screenshot "Nacht der offenen Kirchen"Aachen (kathnews). Eine „Nacht der offenen Kirchen“ ist ja grundsätzlich nicht zwangsläufig eine schlechte Sache, insbesondere in Anbetracht der immer häufiger zeitweise oder sogar für immer verschlossenen Kirchenpforten. Wenn man als Katholik von Zeit zu Zeit die Möglichkeit hat, außerhalb der mittlerweile sehr eingeschränkten „Öffnungszeiten“ eine Kirche und damit Christus im Tabernakel zu besuchen, so ist eine „Nacht der offenen Kirchen“ mit Recht positiv zu bewerten.

Das dürfte allerdings nicht das Hauptanliegen sein – vielmehr besteht für die Organisatoren die geradezu einmalige Gelegenheit, am späten Abend und in der Nacht eine andere Zielgruppe zu erreichen als die der sogenannten Durchschnittschristen. Der Kirche fernstehende Menschen wieder mit Gott in Berührung zu bringen dürfte also, wenn man der Logik folgt, das eigentliche Anliegen einer „Nacht der offenen Kirchen“ sein, wie sie vom 9. auf den 10. Oktober 2009 in Aachen veranstaltet wird.

Betrachtet man die entsprechende Internetseite für das Projekt in Aachen einmal genauer, so scheint man allerdings gänzlich andere Ziele zu verfolgen: „Zu erleben sind Musik, Lesung, Film, Installationen, Gebete und ungeahnte Kirchenraumerfahrungen.“ Nun muss man freilich zugeben, dass es sich um eine Initiative mit ökumenischem Hintergrund handelt und dementsprechend nicht nur katholische Elemente zu erwarten sind. Reduziert sich das ganze Projekt indes auf ein „bezauberndes, abendliches Event“, so muss man sich fragen, ob die katholische Kirche überhaupt daran mitwirken soll.

In der ökumenisch genutzten Citykirche St. Nikolaus etwa (ursprünglich eine im 14. Jahrhundert erbaute Klosterkirche) soll um Mitternacht ein „Treff bei Wein & Brot mit Livemusik der Church-late-night-Band“ stattfinden. Die Analogie zu Leib und Blut Christi, die nach der Wandlung durch einen katholischen Priester unter der Gestalt von Brot und Wein gegenwärtig sind, ist unverkennbar. Auch wenn Wein und Brot in der Citykirche nicht konsekriert werden, so kann man doch unangemessene Nebeneinanderstellung von Profanem und Sakralem, ja sogar der Aller-Heiligsten bemerken.

Ähnlich geht es bei der katholischen Hochschulgemeinde Aachen zu: „Interreligiöse Tafel? Interreligiös miteinander Brot teilen? Gemeinsam wollen wir von 20-24 Uhr mit den verschiedenen monotheistischen Religionen, die in unserem Haus zu Gast sind, die religiöse Dimension des Brotes, des Brot-Teilens und des Brot-Essens erlebbar machen.“ Das einzige positive, was man der dortigen Herabsetzung des Allerheiligsten abgewinnen kann, ist, dass diese Veranstaltung nicht in einer Kirche stattfindet.

Nichtsdestotrotz gibt es auch sehr lobenswerte Initiativen. Die Benediktinerabtei Kornelimünster bietet beispielsweise eine „Einübung in den Choralgesang“ an. Um die negativen Aspekte einfach auszuschalten, wäre es für die katholische Kirche weitaus „gesünder“, etwa die „Nightfever“-Aktionen auszuweiten – wobei auch diese nicht über jeden Zweifel erhaben sind. Die „Nacht der offenen Kirchen“ jedoch gilt es – zumindest in den meisten Kirchen – nicht zu unterstützen.

2. Oktober 2009, 16:49

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