Von der Heiligkeit der Kirche
Seit ihrem ersten Anfang ist die Kirche ein Hort allerhöchster Heiligkeit. Sie ist derart mit Gott verbunden, daß nichts und niemand ihre Heiligkeit zu beflecken vermag. Die Kirche ist der Heiligkeit wegen gegründet, sie ist heilig geschaffen und heiligt selbst, durch sie tritt der Mensch in die bleibende Gegenwart Gottes ein, will heißen: wird ein Heiliger, die gesamte Existenz der Kirche zielt auf Heiliges ab. Der Kurzkatechismus bringt es auf den Punkt: Die Kirche ist heilig, weil der heilige Gott ihr Urheber ist.
Christus hat sich für sie hingegeben, um sie zu heiligen und heiligend zu machen. Der Heilige Geist belebt sie mit der Liebe. In ihr ist die Fülle der Heilsmittel vorhanden. Die Heiligkeit ist die Berufung aller ihrer Glieder und das Ziel aller ihrer Tätigkeiten. In der Mitte der Kirche befinden sich die Jungfrau Maria und viele Heilige als Vorbilder und Fürsprecher. Die Heiligkeit der Kirche ist die Quelle der Heiligung ihrer Kinder, die sich hier auf Erden alle als Sünder bekennen und ständig der Umkehr und der Läuterung bedürfen. (KKKK, Nr. 165).
Die Heiligkeit der Kirche ist dabei derart vollkommen, daß diese durch nichts Weltliches oder Außerweltliches, durch keine Sünde und durch keinen Frevel vermindert werden kann. In der Sünde handelt der Mensch nicht nur gegen Gott, sondern sekundär ebenso gegen die Kirche, welche selbst zwar daran Schaden nehmen kann, jedoch nicht bezüglich ihrer Heiligkeit: ihre Glieder können sündigen, sie selbst bleibt aber allzeit rein und über alle Sünde erhaben.
Ausgerechnet diese unantastbare Heiligkeit, welche den Menschen zu Gott hinzieht, ist jedoch selbst mit ein Grund, weshalb gerade die Kirche so oft nicht nur Hort unantastbarer Heiligkeit, sondern auch Schauplatz und Austragungsort von Bösem und von niederster Sünde ist, welche mit ihrer Heiligkeit unvereinbar ist: es scheint, als zöge gerade ihre Heiligkeit die Sünde und den Frevel auf sich, welche der Satan aussät.
Für viele Menschen existiert jedoch nur noch „das Böse“, es ist für sie etwas Vages, unbestimmbar, und auf jeden Fall unpersonal. „Das Böse“ in der Welt und auch in der Kirche ist unleugbar, aber es wird nur mehr als eine Struktur gedacht, als ein Geschehen oder als Ausdruck des Gegenteils von Gutem. Begriffe wie Satan, Teufel, Luzifer oder Beelzebub sind selbst für viele Theologen oftmals nur noch Chiffren oder figürliche Personifizierungen einer apersonalen Realität. Ohne Zweifel gibt es auch „das Böse“ als unpersonale strukturelle Wirklichkeit in der Welt, jedoch würde es zu kurz gegriffen sein und der Wirklichkeit nicht gerecht werden, würde man all das viele Böse allein und ausschließlich als ein Gefüge verstehen. Hinter dem Bösen als unpersonales Geschehen steckt in Wirklichkeit sehr wohl auch ein personales Wesen, ein Geschöpf Gottes, welches nicht bloß ein vager Unbekannter ist, sondern einen Namen hat und denkerisch faßbar ist: der Teufel ist nicht nur eine Metapher, sondern er ist ein real existentes und vor allem auch ein aktives, handelndes Wesen.
Daß viele, ja der Großteil der aufgeklärten Menschen nicht mehr die Existenz eines personalen bösen Wesens glaubt, kommt dabei dem Teufel mehr als gelegen: denn woran man nicht glaubt, dagegen wehrt man sich nicht und kämpft nicht mehr dagegen an. Somit hat er weitgehend freie Gewähr in seinem großen Ziel: gegen die Kirche zu kämpfen. Diese ist dem Satan deshalb so sehr zuwider, weil sie eben so unantastbar heilig ist und die Menschen zu seinem größten Widersacher, nämlich zu Gott führt. Gerade weil die Kirche heilig ist und selbst die Heilsmittel verwaltet und zur Verfügung stellt, ist sie das Hauptziel höllischer Angriffe. Nichts ist dem Teufel verhaßter als Gott, nichts ist ihm unerträglicher als Heiligkeit, deshalb haßt er nichts so sehr als die heilige Kirche Gottes. Weil mittels der Kirche die Seelen geheiligt werden und die Seelen in der Liturgie der Kirche ihren Schöpfer anbeten, ihn loben, ihm huldigen und ihm opfern, versucht er alles, um dies zu verhindern, und darum ist die Kirche ganz besonders seinen Angriffen ausgesetzt und deren Glieder, in erster Linie die gläubigen, sind seine bevorzugte Zielscheibe. Dabei greift er die heilige Kirche jedoch nicht nur von außen an, sondern versucht auch in ihr Inneres einzudringen um vom Inneren der Kirche her Böses zu wirken.
Der Teufel schleicht schon lange nicht mehr auf Klösterdächern umher – er geht längst in den Zellen von Klöstern, Gängen der Pfarrhäuser und den Räumlichkeiten bischöflicher Palästen ungestört spazieren.
Anders ist es kaum zu erklären, daß einst undenkbare Frevel in nicht geringem Ausmaße selbst im Inneren Kirche Fuß fassen konnten – in allen Etagen der Hierarchie, oftmals durch Vorgesetzte gutgeheißen oder angeordnet. Inmitten von so viel Gutem und Heiligendem, was ohne Zweifel in Gottes Kirche geschieht, jedoch weniger Aufmerksamkeit erheischt, konnte sich auch schwerste Sünde einnisten – und nicht nur als beschämende Einzelereignisse, sondern sogar als Grundhaltung.
Wie konnte es bloß möglich werden, daß unter jenen, welche eigentlich das Gute, ja das Heil der Seelen zu ihrer Berufung haben und dieser auch einmal gefolgt sind, Fälle von Pädophilie auftraten, und das nicht nur als seltene und sehr vereinzelte und vor allem einmalige Vorkommnisse, sondern diese Verbrechen wurden teils über Jahre hinweg von immer denselben Geistlichen und Kirchenleuten verübt. Sie lasen die Heilige Messe, hatten die cura animarum oder höhere Ämter in der Kirchenleitung inne, und zeitgleich lebten sie in fortdauender schwerster Sünde mit Männern, Frauen oder Kindern.
Der Schaden, den sie dabei anrichten, ist nicht nur ein Schaden der Seele, sondern es handelt sich um einen Schaden an welchem die gesamte Kirche und besonders der gesamte Klerus leidet: die Kirche verliert an Vertrauen und an Glaubwürdigkeit, Menschen fallen dadurch direkt oder indirekt vom Glauben ab, der Priesterstand im Ganzen verliert an Ansehen und Einflußmöglichkeit zum Wirken des Guten, das tägliche Mühen der Priester in der Seelsorge wird schwieriger und trägt gleichzeitig weniger Früchte, und nicht zuletzt muß man auch sehen, daß die einzelnen, glaubens- und sittentreuen Priester auch stärker ihren (persönlichen) Feinden ausgesetzt sind: auf Grund der Tatsache, daß tatsächlich in relativ hohem Außmaße Mißbrauchsfälle und andere Sünden contra sextam wirklich und nachweislich vorkamen, ist es auch leichter, unschuldigen Priestern bewußt solches gerüchteweise anzudichten, etwa um Ernennungen zu verhindern, eine Entscheidung oder Geld zu erpressen oder um sich persönlich zu rächen. Besonders in Nordamerika gab es dahingehende Fälle bewußt eingesetzter falscher Gerüchte, welchen leicht geglaubt wurde, nachdem zahlreiche tatsächliche Mißbrauchsfälle bekannt geworden waren.
Manche Geistliche, welche in erster Linie in die Dienste Gottes gestellt sind, mißachten nicht nur aus Schwäche, sondern auch aus Überzeugung das Naturgesetz Gottes, sehen in Homosexualität, Ehebruch und vorehelichem Verkehr eine völlig legitime, normale und erlaubte Sache, machen ihre Irrmeinung öffentlich kund, weisen die Sünder nicht mehr zurecht und werden teilweise sogar von ihren Oberen darin geduldet oder bestärkt – und sogar manche Oberen haben dieselben Ideen.
Das Abtreibungsdrama, welches unzählige Todesopfer fordert, ist sogar bei den meisten Bischöfen höchstens ganz unten auf der Prioritätenliste – weit nach allen Laiengremien, Statistiken, und PR-Strategien. Man hat sich mit der aktuellen Abtreibungssituation abgefunden, man denkt nicht vom Kind her sondern von den mit falschen Implikationen behafteten Forderungen der feministischen Bewegung. Viele schweigen gänzlich darüber, andere machen sich sogar moralisch mitschuldig, weil sie die sog. Fristenlösung erst gar nicht anrühren wollen, um es sich mit der Politik nicht zu verderben. Sie bezahlen den Preis eines friedlichen Klimas mit der Politik mit ihrem Schweigen zum größten Verbrechen unserer Zeit. Die wenigen Bischöfe, welche hier im Rahmen ihrer Möglichkeiten, welche ihnen ihr Stand eröffnet, im Sinne der heiligen Kirche ihre Mittel ausschöpfen und klar und deutlich die katholische Position beziehen, wie es beispielsweise Exzellenz Laun, Eminenz Meisner oder Exzellenz Mixa vorbildhaft tun, so wie es eigentlich absolute Pflicht eines jeden Bischofs wäre, werden deswegen von manchen ihrer Kollegen im Bischofsamt gemaßregelt, medial geprügelt und in ihrem heiligen Einsatz behindert. Viele Bischöfe sorgen sich mehr um die Zahlen der staatsbehördlichen Kirchenaustritte und der finanziellen Einbußen, welche alles andere als überraschen und in gewisser Hinsicht auch ihren Grund haben, als um die Seelen ihrer Gläubigen und das Leben der Schwächsten. Viel Unterlassungsschuld, welche sehr schwer wiegt, wird hier von Priestern und Bischöfen auf sich geladen, und die Geschichte der Zukunft wird ganz gewiß einmal den Vorwurf des schuldigen Schweigens erheben – und diesmal, jedoch im Unterschied zum selben Vorwurf gegen Papst Pius XII, leider zu Recht.
Gott wurde aus der Theologie und somit auch aus der Liturgie immer mehr entfernt, bis nur noch der Mensch als Inhalt aller Theologie übrigblieb. In nicht wenigen innerkirchlichen Kreisen ist ein Generalangriff auf alles gestartet worden, was den Geruch des Sakralen an sich trug. Viele Kirchenmänner handelten mit Wahrem, kehrte sich von Gott ab, entstellten den Kult, ließen die Seelen verwahrlosen, säkularisierten die Kirche. Dem Apostolischen Stuhl begegnete man mit Mißachtung, man wollte nicht mehr im Dienste Jesu Christi, im Dienste der Weltkirche, und schon gar nicht im Dienste der römischen Kurie stehen, sondern sich sein eigener Herr sein und sich durch neue Privatideen interessant und verehrt machen. Und all das geschieht bis heute inmitten der Kirche, gegen welche man jedoch zugleich arbeitet.
Dieses sind nur vier kurze Beispiele, welche ein wenig einen ersten, vagen Eindruck von den inneren Gefahren der Kirche verschaffen sollen. Es handelt sich dabei um Versuchungen und Angriffe der Hölle, welche nur deshalb so feuerwild gegen die Kirche wütet, weil so viel Wahres und glänzend Heiliges in ihr und durch sie geschieht. Der Teufel ist weit in die Kirche eingedrungen, und die Kirche wird längst nicht nur mehr von außen angegriffen, sondern auch von innen her zersetzt. Da man aber, wie oben umschrieben, nicht mehr die reale Existenz des Teufels glaubt, rechnet man auch nicht mehr mit dessen Listen und dessen Verwirrungsversuchen – umso besser gelingen ihm aber diese, da nur wenige gegen ihn ankämpfen und er so auch im Inneren der Kirche agieren kann und die Kirche in ihrer Heiligkeit zu beflecken versucht, welche ihm ein Greuel ist, da sie trotz all den dämonischen Sünden, welche in ihr unbestritten vorkommen, trotz all der Unzulänglichkeiten, welche sie in den letzten Jahrzehnten durcheinandergeworfen haben und trotz den ihres Amtes untreu oder unwürdig gewordenen Geistlichen in ihr sie immer die hochheilige Mutter geblieben ist, welche die Seelen ihrer Kinder dem Vater vorstellt und sie in den Himmel führt, gerade auch durch den Dienst so vieler heiligmäßiger Opferpriester, deren vielen guten Taten zumeist sehr verborgen bleiben.
Der großen Schar der vom Satan verführten Sündern steht eine unvergleichlich mächtigere Heiligenschar gegenüber, welche den Seelen, die zu den Heiligen und Engeln ihre Zuflucht suchen, in ihrem Kampf gegen die Versuchungen des Teufels beisteht und ihnen Schutz gewährt. Besonders zwei große Kämpfer gegen den Satan seien wärmstens empfohlen: der Heilige Erzengel Michael, welcher einst nach jeder Heiligen Messe angerufen wurde und besonders im Monat September mit den anderen Engeln verehrt wird, und die Gottesmutter, welche uns vorallem im Oktober zum Heiligen Rosenkranz ruft, bei dessen Rezitation wir den Teufel, welcher die heilige Kirche so sehr versucht, regelrecht auspeitschen. Beide Gelegenheiten sollten nicht ungenutzt bleiben, der Heilige Rosenkranz ebenso wenig als das schöne alte Gebet nach der Heiligen Messe, welches wirklich wieder eine Neubelebung erfahren sollte in einer Zeit, in welcher es die Kirche und wir alle doch so bitter nötig haben, uns Luzifer wieder mit aller Kraft zur Wehr zu setzen:
“Heiliger Erzengel Michael, schirme uns im Streite. Gegen die Bosheit und Arglist des Teufels sei unser Schutz. Gott gebiete ihm! so bitten wir flehentlich; Du aber, Führer der himmlischen Heerscharen, stürze den Satan und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen die Welt durchschweifen, in der Kraft Gottes hinab in die Hölle. Amen.”
29. September 2009, 08:02