“An der Hand der Mutter gehen wir zu Jesus”

Kathnews-Chefredakteur Benjamin Greschner im Gespräch mit Fürstin Gloria von Thurn und Taxis.

Fürstin Gloria von Thurn und TaxisRegensburg (kathnews). Sie ist eine der bekanntesten Katholikinnen unseres Landes: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Ihr öffentliches Auftreten und ihr Einsatz für den Glauben, die Kirche und die Liturgie haben sie auch weit über die kirchlichen Medien hinaus bekannt gemacht. Kathnews-Chefredakteur Benjamin Greschner sprach mit ihr über ihren Glauben, ihr vielfältiges kirchliches Engagement und die 2005 in Regensburg gegründete Marianische Frauencongregation.

Geboren wurde sie am 23. Februar 1960 als Gräfin Mariae Gloria von Schönburg-Glauchau. Ihre Eltern sind Graf Joachim von Schönburg-Glauchau und Gräfin Beatrix Széchényi von Sárvár und Felsővidék. Sie hat vier Geschwister und wuchs in Togo und Somalia auf, wo ihr Vater beruflich tätig war.

Am 31. Mai 1980 heiratete sie den Regensburger Fürsten Johannes von Thurn und Taxis. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Am 14. Dezember 1990 verstarb Fürst Johannes während einer Herzoperation. Nach dem Tod ihres Mannes fiel Fürstin Gloria die alleinige Verantwortung für den Thurn-und-Taxis-Konzern sowie die fürstliche Familie zu. Seit 2001 ist ihr Sohn als Fürst Albert II. Oberhaupt des fürstlichen Hauses von Thurn und Taxis sowie Chef des Unternehmens.

Benjamin Greschner: Durchlaucht, Sie sind Präfektin der Marianischen Frauencongregation. Man kennt Sie als eine der profiliertesten Vertreterinnen des konservativen und traditionellen Katholizismus in Deutschland. Welche Bedeutung hat Ihr katholischer Glaube für Sie persönlich?

Fürstin Gloria: Der Glaube gibt mir Kraft und Hoffnung und er gibt meinem Leben einen Rahmen, der mir Halt gibt und in dem ich mich geborgen fühlen kann.

Benjamin Greschner: Der hl. Ludwig Maria von Grignon sagt, die Verehrung Mariens sei der „sicherste, schnellste und vollkommenste Weg zu Christus“. Wie versuchen Sie und die Mitglieder der Marianischen Frauencongregation diesen besonderen Weg der Christusnachfolge zu gehen?

Fürstin Gloria: An der Hand der Mutter gehen wir zu Jesus. Sie führt uns, sie legt Fürsprache für uns ein und sie ist uns Nahe. Durch die Mutter finden wir den Sohn.

Benjamin Greschner: Neben Ihnen und ihren Töchtern, Prinzessin Elisabeth und Prinzessin Maria Theresia, ist auch die italienische Prinzessin Alessandra Borghese Mitglied der Congregation. In welcher Rolle sehen Sie den europäischen Adel bei der Bewahrung und Verteidigung von Glauben, Moral und Werten?

Fürstin Gloria: Adel hat mit Geschichtsbewusstsein zu tun. Man fühlt sehr konkret, dass man Glied einer großen Reihe ist. Damit sind Verpflichtungen verbunden, auch gegenüber der Kirche. Adel und Kirche haben in Mitteleuropa immer zusammen gehört. Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass auch Könige den Anspruch erhoben, von Gottes Gnadentum zu regieren. Wer sich auf Gottes Gnaden beruft, ist auch verpflichtet Gottes Gebote zu halten.

Benjamin Greschner: Viele Katholiken assoziieren Sie, verehrte Fürstin, mit einem beharrlichen und souveränen Eintreten für die traditionelle Liturgie der Kirche. Warum setzen Sie sich in besonderer Weise für die „außerordentliche Form“ des römischen Ritus ein?

Fürstin Gloria: Die sakrale Atmosphäre ist sicherlich im alten Ritus leichter erfahrbar. Ich habe nie eingesehen wieso eine Messform, die ein halbes Jahrtausend verpflichtend gewesen ist, von heute auf morgen verboten sein soll. Und natürlich hat mich auch aufgeregt, dass Rock/Pop-, Kinder-, Familien- und Senioren-Gottesdienste überall wohlgelitten sind, der überlieferte Ritus jedoch mit schikanösen Sperren verbunden ist.

Benjamin Greschner: Vielerorts spricht man seit geraumer Zeit von einer „Reform der Reform“ der römischen Liturgie. Seit Jahren schon sind Sie gut mit dem Heiligen Vater bekannt, daher erlaube ich mir an dieser Stelle die Frage, ob Sie damit rechnen, dass Papst Benedikt XVI. weitreichende Änderungen im „neuen Ritus“ der römischen Liturgie beabsichtigt?

Fürstin Gloria: Die Reform der Reform, ist sicherlich ein prägnanter Ausdruck für das, was jetzt geschehen muss. In der real existierenden Liturgie – nicht in der gedruckten und vorgeschriebenen Form – wird aus der Messe häufig ausschließlich eine Mahlgemeinschaft. Die unblutige Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi tritt dagegen zurück, beziehungsweise kommt gar nicht mehr vor und wird auch nicht vermittelt. Dieser Defekt muss behoben werden, weil das einer Protestantisierung unseres Ritus gleichkommt.

Leider ist es so, dass zwar viel von der liturgischen Vielfalt geredet wird, dabei aber de facto Mundkommunion oder Knien, häufig ausgeschlossen, wenn nicht sogar in bestimmten Pfarreien, verboten sind.

Die würdig gefeierte Messe nach dem Messbuch von Paul VI., wäre schon ein großer Fortschritt, wenn die teilweise abenteuerlichen Eigeninterpretationen der Heiligen Messe ausbleiben könnten. Damit wäre vielen Traditionalisten die Argumentationsgrundlage entzogen. Man ist im Alltag so viel liturgischer Willkür ausgesetzt, dass man oft aus reiner Verzweiflung zu den Traditionalisten rennen muss. So geht es mir zum Beispiel in New York oder Paris aber auch in München habe ich schon die “tollsten” Sachen erlebt in der Heiligen Messe.

Benjamin Greschner: Im vergangenen Jahr erschien das Buch „Die Fürstin und der Kardinal“, worüber wir gerne berichtet haben. Vielen unserer Leser ist dieses Buch seither wohlbekannt. Fürstin, wie kam es eigentlich zu dieser beeindruckenden Zusammenarbeit mit Kardinal Meisner?

Fürstin Gloria: Mir ist dabei aufgefallen, dass gerade Kardinal Meisner mit seiner klaren Dogmatik viel volksnäher und pastoraler ist, als die meisten liberalen Priester denen ich begegnet bin.

Benjamin Greschner: Wie bereits in meiner vorangegangenen Frage angedeutet, war das Buch „Die Fürstin und der Kardinal“ ein großer Erfolg. Darf man in Zukunft auf weitere Buchprojekte aus dem Hause Thurn und Taxis hoffen?

Fürstin Gloria: Ja, meine Tochter Elisabeth hat ihr erstes Buch mit dem Titel „FROMM“ welches im “FE Verlag” erscheinen wird, vorgelegt. Sie ist dabei von zwei hohen geistlichen Herren umrahmt, die für ihr Buch das Vor- und Nachwort geschrieben haben. Das Vorwort hat der Hwst. Protonotar und Domkapellmeister Georg Ratzinger verfasst und das Nachwort kommt vom H.H. Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild Prälat Imkamp.

Benjamin Greschner: Durchlaucht, ich danke Ihnen für das Gespräch.

[ Benjamin Greschner ]

8. September 2009, 18:00

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