Die Kirche geht online

Glaubensweitergabe im 21. Jahrhundert

PetersplatzVatikan (kathnews). „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ So lautet der Auftrag für die Christen und ihre Kirche. Die „ganze Welt“, das haben die Nachfolger Jesu über Jahrhunderte rein geographisch verstanden – und umgesetzt. Im Paulus-Jahr, das Ende Juni durch Papst Benedikt XVI. feierlich in Rom geschlossen worden ist, hat man in der Kirche vor allem der frühen Mission riesiger Landstriche durch die ersten Jünger gedacht.

Doch die Welt ist größer geworden. In den neuen Medien und vor allem im Internet sind Ebenen der Kommunikation entstanden, für die es lange Zeit kein Angebot einer entsprechenden Seelsorge gegeben hat. Es war vor allem Papst Johannes Paul II., der seiner katholischen Kirche einen neuen Zugang zu diesen Medien verordnet hat: Sie müssten fortan als neuer Weg, weitere Chance, größerer Raum der Weitergabe des Glaubens verstanden werden, nicht jedoch als Gefahr für den Glauben und die mit ihm vermittelten Werte, wie es immer noch viele in der Mutter Kirche sehen. Das Kirchenoberhaupt wandte sich in verschiedensten Ansprachen etwa zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel an die Öffentlichkeit, aber auch an seine Kirche. Wie kein Papst vor ihm nutzte er die Möglichkeiten von Radio, Fernsehen und Internet, um die Frohe Botschaft zu verkünden.

Langsam, aber doch stetig zeigt sich, dass sein Einsatz Wirkung zeigt. So lässt sich eine zunehmende Anzahl katholischer Informations- und Dienstleistungsportale im World Wide Web verzeichnen. Was von der katholischen Kirche in den USA nicht zuletzt aufgrund der starken Konkurrenz zahlreicher Initiativen aus dem evangelikalen Bereich schon länger genutzt wird, hält nun auch Einzug in die deutschsprachige Kirchenlandschaft.

Dietmar Heeg etwa, seines Zeichens Pfarrer und zuständig für die Koordinierung der katholischen Fernseharbeit bei der Deutschen Bischofskonferenz, predigt jeden Tag eine Minute in seine Kamera und stellt seinen „Tagessegen“ anschließend bei einschlägigen Videoportalen (youtube, clipfish, Sevenload) online. Die Anzahl der Klicks kann sich sehen lassen. „Da müsste ich in der Kirche oft predigen, ehe ich so viele Menschen erreiche“, ist der Self-Made-Online-Pfarrer überzeugt.

Mit dieser Überzeugung ist er nicht allein. Die Möglichkeiten der „Online-Seelsorge“ haben mittlerweile auch andere kirchliche Stellen erkannt und tasten sich langsam an ihren Gebrauch heran. So etwa darf auch die Innovation gedeutet werden, die sich derzeit bei der Deutschen Bischofskonferenz abspielt: Deren Vorsitzender, der Freiburger Erzbischof Zollitsch, lässt die Besucher der offiziellsten Internetseite der Katholischen Kirche in Deutschland, www.dbk.de, an seinen zahlreichen Erlebnissen auf seiner Reise durch Nigeria zeitnahe teilhaben – via Blog. In seinem Online-Tagebuch kann der interessierte Leser, ob katholisch oder nicht, Fotos einsehen und die Eindrücke und Gedanken des ersten Vertreters des deutschen Bischofskollegiums nachlesen.

Selbst in Rom, wo bekanntermaßen die Mühlen langsamer malen, hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Auf www.pope2you.net wird gleich eine ganze Palette an Möglichkeiten angeboten, auf denen junge Menschen mit dem Papst in Kontakt treten können – oder zumindest mit seinen Gedanken. Im Vatikan war man so klug, anlässlich der Präsentation der Plattform zum 43. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel am 24. Mai 2009 darauf hinzuweisen, dass der Heilige Vater sein Profil bei Facebook nicht selbst pflege. Hier scheint dann doch die Grenze gesetzt zu sein – selbst in der wunderbaren Welt der neuen Medien.

[ Nathanael Liminski ]

7. September 2009, 08:11

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