Enteignung von Klosterland

Das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel in der Türkei unterliegt und gewinnt in Prozessflut.

IustitiaMidyat (kathnews). Das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel, eines der ältesten christlichen Klöster der Welt, ist am Mittwoch vor einem türkischen Gericht in einem Rechtsstreit um Klosterland unterlegen. Das Gericht in Midyat im Südosten der Türkei habe entschieden, dass eine Enteignung von mehr als 276 Hektar Land durch das Forstamt gerechtfertigt sei, ließ das Kloster verlauten. Außerdem habe das Gericht den Bau einer Mauer des Klosters auf dem Land als illegal deklariert, weswegen nun der Stiftungsvorsitzende Kuryakos Ergün vor dem Strafgericht verurteilt wurde. Das Strafmaß ist noch ungewiss, da das Kloster in Revision gegangen ist. Für die enteigneten Flurgrundstücke, die das Kloster seit Jahrhunderten nutzte, zahlte das Kloster seit über 70 Jahren Grundsteuern an den türkischen Staat. Zurückgewiesen wurden allerdings in einem anderen Verfahren Ansprüche des Schatzamtes Midyat auf Klosterterrain, das dass 1600-Jahre alte Kloster beansprucht.

Das Kloster sieht sich seit Jahren einer Prozessflut örtlicher Politiker und Institutionen ausgesetzt. Neben dem Vorwurf um angeblich widerrechtlich angeeignete Ländereien, ging es bei den gegen den Bischof oder das Kloster angestrengten Prozessen auch um den Vorwurf der Steuerhinterziehung und der Missionstätigkeit. Das im Jahr 397 gebaute Monasterium Mor Gabriel gehört zu den wenigen erhaltenen syrisch-orthodoxen Klöstern in der Türkei. In dem Kloster lebt Erzbischof Timotheos Samuel Aktas mit knapp 80 Mönchen, Schwestern und Schülern. Das Kloster gilt als geistliches Zentrum der christlich-aramäischen Minderheit in der Türkei.

Durch Verfolgungen, Benachteiligung und staatliche Unterdrückung sowie durch regelmäßige und systematische Übergriffe fanatischer Moslems ist es seit Jahrzehnten zu einer Auswanderungswelle aus dem Kerngebiet der Aramäer gekommen. Heute leben nur noch rund 3.000 vor allem ältere christliche Aramäer im Tur Abdin, mehr als 300.000 sind nach Europa geflohen.

[ Franz Jakob Schipp ]

27. Juni 2009, 10:53

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