Kommentar: Liturgische Herzbeschwerden?
Die Liturgie ist das Herz der Kirche. Dies stellte der Kölner Diözesanpriester Ulrich Filler bereits vor geraumer Zeit in einem gleichnamigen Buch fest. Wenn die Liturgie also das Herz der Kirche ist, darf man auch als medizinischer Laie davon ausgehen, dass unsere Kirche seit einigen Jahrzehnten unter erheblichen kardiologischen Beschwerden leiden muss. Einen liturgischen Herzinfarkt hingegen konnte erleben, wer sich zum diesjährigen Fronleichnamsfest in der Diözese Linz in Oberösterreich aufhielt. Die dortigen Feierlichkeiten zu Fronleichnam dürften selbst liberaler eingestellte Katholiken erschrecken.
Doch was war nun so dramatisch, so anti-katholisch und so furchtbar, dass wir gar von einem liturgischen Herzinfarkt sprechen? Mittelpunkt einer jeden Fronleichnamsprozession ist der Leib des Herrn Jesus Christus, der in einer kostbaren und hübsch verzierten Monstranz durch die Städte und Dörfer getragen wird. So war es seit Jahrhunderten. In Linz wollte man jedoch scheinbar von hübschen Verzierungen und goldenen Gefäßen nichts mehr wissen. Sogleich tauschte man die konsekrierte Hostie gegen ein überdimensioniertes Fladenbrot und die goldene Monstranz gegen eine riesige Grillzange. Die „Monstranz“, wie das seltsame Tragegerät auf der Internetseite der Diözese Linz genannt wird, wurde dabei getragen von Dechant Helmut Part.
Ein Priester der Piusbruderschaft kommentierte diese liturgische Katastrophe bereits mit den Worten: „Nein, das ist kein alt-ägyptischer Frischluftfächer für einen Pharao“. Ja, die ganze Sache wäre sicherlich richtig amüsant, wenn es nicht so traurig wäre, was wir hier sehen müssen. Die allgemeine Hochachtung und Verehrung gegenüber dem Allerheiligsten sinkt von Jahr zu Jahr spürbar, immer weniger Katholiken glauben noch an die Realpräsenz Christi in den Gestalten von Brot und Wein. Als wäre diese Situation für die Kirche Gottes nicht schon prekär genug, müssen die Gläubigen, die noch am überlieferten katholischen Glauben festhalten, mit den liturgischen Eskapaden geweihter Hobby-Kabarettisten herumschlagen.
Ich bin nur ein einfacher Gläubiger – nicht mehr und nicht weniger. Doch wenn ich mir das großartige Engagement Papst Benedikts XVI. um die kirchliche Liturgie anschaue, wenn ich betrachte, wie sehr dieser Pontifex dafür kämpft und arbeitet, dass die Liturgie unserer Kirche wieder in Würde und tiefer Frömmigkeit begangen wird, dann wächst mit meinem Unverständnis für das Verhalten in Linz auch die Enttäuschung darüber, was dort passiert. Die Enttäuschung darüber, dass selbst an Fronleichnam nicht mehr der Heiland der Welt im Mittelpunkt steht, sondern die selbstdarstellerischen „Glanzleistungen“ der modern(d)en Kleriker.
Hoffen und beten wir, dass das liturgische Herz unserer heiligen Kirche bald wieder in seiner ganzen Schönheit und seinem ganzen Reichtum zu schlagen beginnen kann.
Das Skandalfoto aus Linz finden Sie hier.
Ein Kommentar von Chefredakteur Benjamin Greschner
13. Juni 2009, 14:08