Mit den Gesetzen der Logik
Ein Kommentar von H.H. Kaplan Thomas Jäger.
Die Gesetze der Logik und des gesunden Menschenverstandes zwingen mich, Partei für Pater Sirch zu nehmen. Rekapitulieren wir: Angenommen, dem Pater würde eine konkrete Verfehlung in seinem priesterlichen Stand vorgeworfen – und ich meine hier nicht irgendwelche Mätzchen, sondern auf zivil- bzw. kirchenrechtlicher Basis (Beweise durch entsprechende Kontoauszüge, DNA-Proben oder Audiomitschnitte) begangene Taten; dann kann und muss die kirchliche Autorität ihm dies vorhalten und ihn über seine Versetzung informieren. Dazu braucht man aber keine – über mehrere Stunden dauernde – Gespräche.
Die Versetzung des Pfarrers würde – eben im Interesse des Pfarrers selbst – ohne Angabe von Gründen erfolgen. Persönlichkeitsrechte würden geschützt. Wenn nun der Priester eine Protestkampagne gegen seine Oberen startet, wird der Schutz der Persönlichkeitsrechte sofort obsolet. Die Oberen könnten ihre Beweggründe, eben die Verfehlungen des Priesters, offenlegen. Juristisch gesehen hat der Beschuldigte durch seinen Protest den ihm gebührenden Schutz seiner Persönlichkeitsrechte verwirkt.
An diesem Punkt stehen wir jetzt. Wenn ich den Nachrichten auf kathnews.de und kathnet Glauben schenken darf, sprechen aber die dem Pfarrer übergeordneten Autoritäten von „Zerwürfnissen“ und „Unfähigkeit, Brücken zu bauen.“ Sorry – aber das ist ja wohl der letzte Schmarrn. Der Ausdruck „Zerwürfnis“ kann und muss nun in diesem Fall konkret belegt werden. Und es muss sich eben um eine objektive Verfehlung gegen Kirchengebot oder Zivilrecht handeln, denn sonst wäre von Seiten der Oberen nichts Geringeres als der Straftatbestand der Verleumdung erfüllt (Ich hoffe, die entsprechenden Stellen in den Ordinariaten lesen hier mit). Nach den Interviews des Paters in entsprechenden Medien, brauchen die Oberen – wie ich oben ausführte – ja keine Sorge mehr vor der Verletzung eventueller Persönlichkeitsrechte mehr zu haben.
Wenn die ganze Sache tatsächlich ein typischer Absetzungsversuch modernistischer Kirchenkreise gegen einen romtreuen und konservativen Priester sein sollte (was mir leider mein Bauchgefühl wieder sagt) dann darf es diesmal auf keinen Fall einen weiteren Triumph der Progressisten wie in Fulda, St. Pölten oder Linz geben. Dann muss auch ein sonst demütiger, dem Papst und der Tradition verbundener Priester auf seine eigenen Bedürfnisse nach „Ruhe und Frieden zugunsten des Kirchenfriedens“ verzichten (wie es leider die SJM oder Pfarrer Wagner getan haben) und den öffentlichen juristischen Kampf aufnehmen.
Der Schutz der allerseligsten Jungfrau und Gottesgebärerin und der Beistand des Heiligen Geistes sei ihm in diesen letzten Tagen des Marienmonats und am Vorabend des Pfingstfestes sicher.
Der Autor ist Priester der Erzdiözese Vaduz, Fürstentum Liechtenstein
30. Mai 2009, 16:01