Österreich: Pfarrer des Amtes enthoben

„Zerrüttungen“ zwischen Pfarrer Pater Bernhard Sirch und seinen Oberen.

Pater Bernhard Sirch (Foto: Pater Bernhard)Achenkirch (kathnews). Der bekannte Pfarrer und Benediktinerpater Bernhard Sirch von Achenkirch in Tirol wird am 31. August 2009 seines Amtes enthoben. Die entsprechende Anordnung geht auf den Bischof der Diözese Innsbruck, Manfred Scheuer, sowie auf den Abt des Stiftes St. Georgenberg-Fiecht, dem Pater Bernhard angehört, zurück. Einem Bericht der „Tiroler Zeitung“ vom Mittwoch zufolge habe der Pfarrer zuvor nicht freiwillig auf sein Amt, das er bereits seit 15 Jahren ausübt, verzichten wollen.

Der Generalvikar von Innsbruck, Jakob Bürgler, erklärte, es gebe eine starke „Zerrüttung im Verhältnis von Sirch mit Abt Anselm Zeller“ vom Stift Fiecht. Zwar sei Pater Bernhard „sicher sehr aktiv“, doch habe er in seiner Arbeit als Pfarrer zusehends Probleme gehabt, Brücken zu bauen. „Deshalb war leider eine Klärung notwendig“, so Bürgler. Auf Anfrage von kathnews erklärte Pater Bernhard, er werde in dem Artikel der „Tiroler Zeitung“ als Mitbruder und Arbeiter im Weinberg des Herrn „öffentlich an den Pranger gestellt“. Über den Grund für seine Absetzung sagte der Pfarrer: „Die Ursache für die ‚Zerrüttungen‘ gehen auf Gespräche mit einem einzelnen Menschen der Pfarrei Achental zurück, dessen Meinung als objektiv bewertet wurde.“

Pater Bernhard schilderte vor kathnews seinen „Leidensweg der inzwischen 200 Tage“. Durch allgemeine Beschuldigungen sei er am 15.November 2008 zu einem Gespräch in das Stift Fiecht gerufen worden. Dort hätten ihn Generalvikar Jakob Bürgler und Abt Anselm Zeller mit Vorwürfen überhäuft und „nicht ein einziges gutes Wort über meine Seelsorge von 15 Jahren gefunden“. Am Karfreitag dieses Jahres hatte Pater Bernhard einen weiteren Gesprächstermin mit seinem Abt, seinem Bischof und dem Generalvikar. Der Benediktiner kommentierte: „Wer weiß nicht, dass am Karfreitag ein Priester sehr viel zu tun hat! Wieder zwei Stunden nur Anschuldigungen. Das ‚Karfreitagsgespräch‘ beinhaltete alle seelischen Grausamkeiten.“ Schließlich war Pater Bernhard am 9. Mai für ein erneutes Gespräch in Innsbruck. „Es war für mich wieder eine Zeit der Verdemütigungen. Die insgesamt fast fünf Stunden von Verdemütigungen waren für mein Seelenheil und meinen Umgang mit Mitmenschen sicherlich heilsam und haben mich reifer gemacht. Um die Angelegenheit verarbeiten zu können, muss ich mich öfters vier bis fünf Stunden zurückziehen um zu beten“, so Pater Bernhard.

Der Pfarrgemeinderat von Achental stellte sich hinter seinen Pfarrer. In einer Petition wird der Innsbrucker Bischof dazu aufgefordert, den Pater auf seinem Posten zu belassen: „Wenn jemand seine Arbeit gut macht, schickt man ihn nicht einfach weg.“ Ab September soll der Benediktinerpater in sein Stammkloster St. Ottilien zurückkehren. Dass er tatsächlich aus seinem Kloster austreten werde, wie von manchen spekuliert wurde, ist unwahrscheinlich. Gegenüber kathnews sagte Pater Bernhard, er könne darauf nicht eingehen, „da ich mein Kloster zu sehr liebe“.

Geboren am 26. April 1943 in Günzburg, trat Bernhard Sirch nach dem Abitur in die Erzabtei St. Ottilien ein. Im Jahre 1970 wurde er zum Priester geweiht und promovierte drei Jahre später zum Doktor der Theologie über den „Ursprung der bischöflichen Mitra und päpstlichen Tiara“. Bereits seit 1972 war Pater Bernhard Leiter des klostereigenen EOS-Verlags sowie der zugehörigen Druckerei und machte ihn bis 1993 zu einem angesehen Betrieb in der Branche. In dieser Zeit legte er auch sowohl die Promotion als auch die Habilitation des jetzigen Papstes auf. Als Geistlicher Beirat der österreichischen Mesnerverbände empfing ihn der Heilige Vater im vergangenen Jahr in Audienz. In seiner Tätigkeit als Pfarrer von Achenkirch hat Pater Bernhard mehrere Kirchen renoviert und in der Hauptkirche sogar eine neue Kommunionbank installiert.

Jetzt online: die Stellungnahme von Pater Bernhard im Wortlaut.

[ Martin Bürger ]

29. Mai 2009, 06:28

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