“Abtreibung schlimmer als Kindesmissbrauch”
Kardinal Cañizares verurteilt Abtreibung.
Vatikan (kathnews). Einen flammenden Appell gegen die Abtreibung formulierte kürzlich Antonio Kardinal Cañizares, Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Dabei nahm der Kirchenfürst Bezug auf die aktuelle Debatte um angebliche Kindesmissbräuche in kirchlichen Einrichtungen in Irland. In einem Interview mit dem Fernsehsender TV3 stellte Cañizares klar, dass das, „was in einigen Schulen geschehen sein mag“, nicht zu vergleichen sei mit den „Millionen von Leben, die durch gezielte Schwangerschaftsabbrüche zerstört“ würden. Zugleich betonte er auch, dass die Vorfälle in Irland absolut zu verurteilen seien. „Dafür müssen wir uns entschuldigen.“, so der Kardinal wörtlich.
Kurz nach Ausstrahlung des Interviews hagelte es bereits Kritik an den Worten des Kardinals. Mit besonderer Schärfe attackierte ihn die spanische Gesundheitsministerin Trinidad Jiménez. Sie bezeichnete es als „völlig unangebracht und unverantwortlich“, den Missbrauch von Kindern mit der Abtreibung, der Tötung von ungeborenen Kindern (Anmerkung der Redaktion), zu vergleichen. „Dies sind zwei völlig verschiedene Dinge“, betonte die sozialistische Ministerin.
Am 18. Oktober 1945 im spanischen Utiel geboren, studierte Kardinal Cañizares Llovera Theologie in Valencia sowie Salamanca und empfing im Jahr 1970 die Priesterweihe. Später wurde er Professor für Fundamentaltheologie in Madrid und Salamanca. 1985 wurde er Sekretär der Glaubenskommission der Spanischen Bischofskonferenz. Am 6. März 1992 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zunächst zum Bischof von Ávila und vier Jahre später zum Erzbischof von Granada. Seit dem 24. Oktober 2002 war er Erzbischof von Toledo. Dieses Amt ist gleichzeitig mit der Würde des Primas von Spanien verbunden.
Außerdem war Cañizares Llovera für drei Jahre Vizepräsident der Spanischen Bischofskonferenz. Im Rahmen eines Konsistoriums am 24. März 2006 nahm Papst Benedikt XVI. ihn in das Kardinalskollegium auf. Relativ bald nach der Wahl Joseph Ratzingers zum Papst wurde der spanische Kardinal in den Medien als dessen möglicher Nachfolger im Amt des Präfekten der Glaubenskongregation gehandelt. Seine theologische Nähe zu Benedikt XVI. brachte ihm den Spitznamen „kleiner Ratzinger“ ein.
28. Mai 2009, 19:57