Der alte Ritus in Pfarrei und Seminar

Kathnews berichtet exklusiv aus Herzogenrath.

Priesterkonvent (Foto: Martin Bürger)Herzogenrath (kathnews). In diesem Jahr ging der 12. Kölner Liturgischen Tagung erstmals ein Priesterkonvent voraus, um sich in einem „geschützten Rahmen“ über die „Bedeutung des Motuproprio für die Pfarrseelsorge“ austauschen zu können. Die erste Podiumsdiskussion innerhalb des Priesterkonvents beschäftigte sich mit dem Thema „Halbzeit – Eineinhalb Jahre Motuproprio ‚Summorum Pontificum‘ in der Pfarrei“. Hierbei wurde deutlich, dass sich die Priester eine „Wiederbelebung des Alten Ritus“ auch und gerade in der Pfarrseelsorge wünschen.

Bis zum Inkrafttreten des Motuproprios am Fest Kreuzerhöhung 2007 habe der sogenannte alte Ritus innerhalb der Pfarreien kaum eine Rolle gespielt. Es sei häufig von Priestern zwar nach dem Missale Romanum von 1962 zelebriert wurden, doch durfte sich daneben keine Seelsorgetätigkeit entfalten. Ferner gelte es aufzupassen, „dass die Zeit nicht gegen uns arbeitet“. Diesbezüglich wiesen die Diskutanten besonders auf die kooperative Pastoral sowie die mit drei Jahren relativ kurze von Papst Benedikt gesetzte Frist zur Berichterstattung über die Implementierung des Motuproprios hin.

Von besonderer Bedeutung sei auch die „Standortfrage“, so die teilnehmenden Priester. In kleinen Dörfern sei die Situation besonders schwierig, da die meisten Gläubigen sich nicht von der Mehrheit unterscheiden möchten. In diesem Sinne sei die Situation in kleinen Städten wie Herzogenrath einfacher, so Pfarrer Dr. Guido Rodheudt, Gastgeber der Liturgischen Tagung. Hier könnten diejenigen Katholiken, welche die außerordentliche Form des römischen Ritus nicht besuchen möchten, einfach in den umliegenden Pfarreien zur Messe gehen. Dementsprechend sei die Situation in Großstädten noch einfacher, sodass dort auch häufiger eine Sonntagsmesse in der außerordentlichen Form gefeiert wird, als in ländlicheren Gegenden.

Schließlich kam man bei der Podiumsdiskussion auf die Frage zu sprechen, warum der alte Ritus von vielen Katholiken abgelehnt werde. Zunächst stellte man fest, dass besonders unter jüngeren Priestern und Gläubigen eine größere Offenheit für die außerordentliche Form herrsche. Bei älteren Gläubigen herrschten hingegen diverse Vorurteile, wie beispielsweise die Erinnerung an die moralische Enge der 1950-er Jahre. Einer der anwesenden Priester brachte es auf die Formel: „Rücken zum Volk gleich prügelnder Pfarrer in der Grundschule“. Auch die für den alten Ritus obligatorische Mundkommunion bereite vielen Katholiken Schwierigkeiten.

Am Nachmittag diskutierten die anwesenden Priester über das „Motuproprio in der Priesterausbildung“. Zur Einführung hielt Dr. Lorenz Gadient, Spiritual des Eichstätter Priesterseminars und dementsprechend mit großer Erfahrung auf diesem Gebiet. Auch er konnte das besondere Interesse vieler junger Leute an der außerordentlichen Form bestätigen. Der Generationswechsel bringe wohl auch „einen Mentalitätswechsel“ mit sich, so Gadient. Mit Nachdruck sprach sich der Spiritual dafür aus, die undefinierten Stellen im Messbuch für die ordentliche Form nicht gegen die Tradition auszulegen. Nicht umsonst habe der Heilige Vater die beiden Missalien als zwei Formen des einen römischen Ritus definiert. In diesem Zusammenhang verfolge der Papst auch den Plan einer „Reform der Reform“.

Zum Ende seines Referats leitete Gadient aus seinem Referat fünf Grundsätze für die Priesterausbildung ab. Demnach sei zunächst die Vermittlung einer liturgischen Grundhaltung elementar. Außerdem gehe es nicht nur um eine geschichtliche, sondern auch um eine innere Kenntnis der Liturgie. Eine genaue Kenntnis der Riten und Rubriken bewirke in diesem Sinne eine Standhaltung gegenüber dem Subjektivismus. Dennoch gelte es, die Tugend einer hoffenden und liebenden Geduld zu üben, um nicht im Übereifer kontraproduktiv zu wirken. Schließlich wies Gadient auf die Wichtigkeit von Lateinkenntnissen hin, die oftmals nicht genug berücksichtigt würden.

[ Martin Bürger ]

30. März 2009, 15:59

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