Bischofseinführung von Felix Genn
Feierliches Pontifikalamt in Münster.
Münster (kathnews). Nach einjähriger Vakanz hat das Bistum Münster wieder einen neuen Bischof. Der bisherige Ruhrbischof aus Essen Felix Genn wurde gestern im St. Paulus Dom zu Münster feierlich als Nachfolger von Reinhard Lettmann in das Bischofsamt eingeführt. Über 50 Bischöfe aus dem In- und Ausland, sowie hochrangige Vertreter aus Politik, Kirchen und Gesellschaft wohnten dem feierlichen Pontifikalamt bei. Knapp 5000 Gläubige verfolgten die Bischofseinführung entweder im Dom oder auf den Großbildleinwänden in den benachbarten Pfarrkirchen.
Unter dem Geläut aller Domglocken wurde der neue Bischof von Münster von seinem neuen Amtssitz dem Bischöflichen Hof abgeholt und von Domkapitel und Domvikaren in einer Prozession zum Dom geleitet. Als Metropolit der Kölner Kirchenprovinz eröffnete der Kölner Kardinal Meisner die Feier im überfüllten Hohen Dom. „Bereits zum zweiten Mal führe ich Genn in das Bischofsamt ein“, bemerkte der Kardinal schmunzelnd. Meisner hatte Genn bereits am 6. Juli 2003 in das Amt des Bischofs von Essen eingeführt.
Der Apostolische Nuntius Erzbischof Jean-Claude Perisset überreichte Bischof Genn die Ernennungsurkunde von Papst Benedikt XVI, die anschließend vom Domprobst verlesen wurde: „Nachdem Du Dich nämlich zuerst in der Diözese Trier wahrhaft durch priesterlichen und bischöflichen Eifer hervorgetan hattest, hast Du mehr als fünf Jahre als umsichtiger Hirte die Herde in Essen geleitet. Darum ernennen wir Dich kraft Unserer Apostolischen Vollmacht […] zum Bischof von Münster“. Lautstarker Applaus und ausdrucksvolle orchestrierte Kirchenmusik spiegelten durchaus die Freude der Gläubigen über ihren neuen Bischof wieder. Eine junge Frau hat Tränen in den Augen. Nach der fast 3 stündigen Feier berichtet sie über den „tiefgreifenden und äußerst bewegenden Moment“, der ihr „Hoffnung für die Zukunft der Kirche“ gegeben hätte.
Nachdem der emeritierte Bischof von Münster Reinhard Lettmann, der die drittgrößte Diözese Deutschlands 28 Jahre lang geleitet hatte, feierlich den Bischofsstab des hl. Ludgerus seinem Nachfolger überreicht und Kardinal Meisner als Metropolit den neuen Bischof zur „Inbesitznahme“ der Cathedra geleitet hat, ist die kirchenrechtliche Besitzergreifung abgeschlossen. Bischof Felix Genn ist neuer Bischof von Münster.
In seiner ersten Predigt als „episcopus Monasteriensis“ fand der Anfang des Monats 59 Jahre alt gewordene Bischof klare und einfache Worte. Wie die Menschen zur Zeit des hl. Ludgerus mit dem Wort Gottes als Richtschnur gelebt hätten, sollten auch wir es tun. Der Hirtenstab des Bischofs „ist ein Zeichen für sein Amt der Leitung. Diese ist aber immer unter dem Wort Gottes“. Auftrag der Kirche sei „Menschen zu helfen, Jesus kennen zu lernen“ und solle nicht nur als „Agentur für Werte und Sinnfragen“ fungieren.
Gerade in einer Zeit, in der „mehr Niedergang als Aufbruch“ zu sehen ist, sollte das Bistum sich auf die „Spur der heiligen Ludgerus“ zurückbesinnen: Den Gekreuzigten verkünden, was heißt das Leben zu verkünden. In diesem Sinne lautet Genns Wahlspruch auch „Annutiamus vobis vitam“ („Wir verkünden euch das Leben“, 1 Joh 1,2). „Liudger hat dafür sein Leben gegeben.“ Auch sein Vorgänger, der selige Clemens August Kardinal Graf von Galen, hätte Jesus Christus ganz besonders verkündet, indem er „in dunkler Stunde der Geschichte Deutschlands“ die Würde des Menschen vom Anfang bis zum Ende, des Behinderten und des Gesunden verteidigt hatte. Das ist die „Spur des Glaubens“ zu der „wir uns gegenseitig helfen“ müssen.
Im Anschluss an die Messe äußert sich ein 30-Jähriger junger Katholik erfreut und dankbar über die Homilie des neuen Bischofs: „Die Predigt war stark. Demütige und richtungsweisende Worte, die echt sind. Das hat mich stark angesprochen.“ Es ist keine überschwängliche, affekthafte Begeisterung über das Event Bischofseinführung. Es ist eher ein frohes Hoffen, das die Katholiken im Bistum Münster bewegt.
In seinem Grußwort erinnerte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, an Vorgänger Bischof Reinhard Lettmann, der auf einen „langen und segensreichen Dienst an der Kirche“ zurückblicken könnte. „Wie wir Bischof Reinhard danken, begleiten wir Dich, lieber Bischof Felix.“ Der aus der Vordereifel stammende Genn hätte viele paulinische Eigenschaften an sich – wie die Liebe als selbstlose Hingabe für die Menschen. „Wie Liudger und Paulus damals wirst Du von heute an Neues wagen, das Leben verkünden“. Von Herzen wünschten die deutschen Bischöfe für diesen Weg treue Wegbegleiter, den Segen und die Nähe Gottes.
30. März 2009, 14:09