Kommentar: Kirche mit Flügeln?
Immer wieder war in den letzten Tagen, gerade in Österreich, von einem rechten Flügel die Rede, manchmal wurde gar von einem rechten Rand der Kirche gesprochen. Es ist anzunehmen, dass der, der die Redeweise von einem rechten Flügel im Munde führt, stillschweigenderweise auch einen linken Flügel annimmt. Wer gehört aber zu welchem Flügel, wer gar zur Mitte? Nach den Medienberichten der letzten Tage kann man klar feststellen: zum rechten Flügel, oder gar Rand, gehören offensichtlich die, die treu zum Glauben der Kirche stehen, die sich bemühen in Einheit mit dem Papst zu leben. In der Mitte stehen demnach „aufgeklärte“ Katholiken, die sich in manchen Fragen des Glaubens ein von Rom abweichendes Urteil gebildet haben; der linke Flügel umfasst die Katholiken, die sich kämpferisch für eine Reform der Kirche nach eigenen Maßstäben einsetzen.
So wird natürlich klar, warum ein Pfr. Gerhard Wagner „polarisiert“: Er gehört nach obigem Maßstab schließlich zum rechten Flügel, was die „Mitte“ und den linken Flügel zum Widerstand reizen musste. Bei all diesem aus dem Politischen entlehnten Schubladendenken bleibt allerdings ein entscheidender Punkt verdeckt: In Wirklichkeit geht es um Glauben und Unglauben! Die Wahrheit des Glaubens ist nie links oder rechts, konservativ oder progressiv! Ist es möglich unter der Auferstehung Jesu Christi etwas anderes zu verstehen, als das, dass Jesus nicht im Tod geblieben ist, dass er lebt? Wer hier etwas anderes glaubt, ist in diesem Fall eben ungläubig!
Wenn die Wortbedeutung von „katholisch“ „allumfassend“ heißt, dann ist der Gläubige im eigentlichen Sinne katholisch, der einschlussweise den ganzen Glauben der Kirche annimmt und lebt. Wer einzelne Glaubensaussagen leugnet oder umdeutet, kann nicht mit gleichem Recht die Bezeichnung „katholisch“ für sich reklamieren! Zum Katholisch-Sein gehört ebenfalls die entsprechende Lebenspraxis, die aus der Lehre der Kirche folgt. Aus ihrem christlichen Menschenbild ergeben sich Konsequenzen, wie z.B. im Bereich der Sexualität, die oft gerade nicht gesellschaftlich anerkannt sind.
Wenn wir diese Betrachtungsweise auf die kirchlichen Verhältnisse in Österreich anwenden, dann haben nicht-mehr-katholische Kräfte einen wahrhaft katholischen Priester weggemobbt. Dieses nicht mehr in voller Einheit mit Rom stehende Milieu hat Pfr. Gerhard Wagner als eigentliche Ursache des kirchlichen Unfriedens sichtbar gemacht. Eine Heilung dieses Zustandes wird nur mit der Gnade Gottes und mit einer Wiederbelebung dessen, was katholisch heißt, möglich sein.
Martin Lienhart, Diplom-Theologe und Pastoralreferent
21. Februar 2009, 13:43