Warum Benedikt ein großer Papst ist

Papst Benedikt XVI. (Foto: Fabio Pozzebom/ABr)“Die eigentliche Aufgabe eines Freundes ist, dir beizustehen, wenn du im Unrecht bist. Jedermann ist auf deiner Seite, wenn du im Recht bist.” An diesen Aphorismus Mark Twains musste ich denken, als ich in der Schar der medialen Ankläger des Papstes auch auf Namen von Autoren stieß, die ich sonst sehr schätze. Auch wenn sie ihre Kritik moderat formulieren und ich ihnen zugutehalte, dass sie die Aufhebung der Exkommunikation mit ehrlicher Gesinnung für falsch halten: Von einem loyalen Katholiken erwarte ich jetzt gerade jenen Dienst, von dem Mark Twain spricht.

Dass der Papst im Unrecht ist, scheint auf den ersten Blick evident: Was kann es Schändlicheres geben, als einen Holocaust-Leugner zu rehabilitieren? In Wirklichkeit ist die Rede von der “Rehabilitation eines Holocaust-Leugners” nicht gerade falsch, wie Eberhard von Gemmingen meint, aber manipulativ: Sie suggeriert, dass der Papst jemanden, der wegen der Leugnung des Holocausts kirchlichen Sanktionen unterworfen war, nun wieder in seine Rechte einsetzte. Nichts davon trifft zu. Nur wenige Medien waren so fair wie die NZZ, die klarstellte: “Rehabiliert wurde Williamson als gewöhnlicher Katholik, nicht als ein vom Papst beauftragter Bischof und schon gar nicht als Holocaust-Leugner.” Eine solche Rehabilitation muss nach jenen Maßstäben gemessen werden, die zur Exkommunikation führten. Und das sind jene, die sich aus der Ekklesiologie und dem Kirchenrecht ergeben. Die Holocaust-Leugnung hat damit nichts zu tun.

Die Betroffenheit auf jüdischer Seite ist verständlich. Sie bezog sich in den ersten Stellungnahmen auf die päpstliche Maßnahme, soweit sie Bischof Williamson betraf, ohne das dahinterliegende Anliegen der Papstes infragezustellen, nämlich die Rückgewinnung der Piusbruderschaft in die Kirche. Shimon Samuels vom Pariser Simon-Wiesenthal-Zentrum äußerte für dieses Anliegen Verständnis, und David Rosen betrachtete es als innere Angelegenheit der Kirche (laut Meldungen der KAP vom 25. Januar).

Nicht durch eine Verschwörung, sondern durch Zufall fiel auf dieses Anliegen genau in dem Augenblick der böse Schatten des Antisemitismus, als der “Diener der Einheit” einen entscheidenden Schritt zu seiner Verwirklichung machte. Hätte der Zufall noch abgewehrt werden können? Drehbuchpanne im Vatikan hin oder her: Benedikt XVI. ist über jeden Verdacht der Sympathie mit antisemitischen Tendenzen so erhaben, dass der falsche Eindruck in der Öffentlichkeit schnell korrigiert gewesen wäre, wenn die Presse fair und Theologen loyal geblieben wären. Doch nach der anfänglich noch differenzierten Kritik von jüdischer Seite kam es bald zu einer zweiten Welle der Kritik, die nicht nur die Aufhebung der Exkommunikation, sondern den theologischen Kurs des Papstes im allgemeinen aufs Korn nahm. Und hier taten sich Theologen in trauriger Weise hervor. Nehmen wir als Beispiel die Erklärung aus Münster:

Der Gipfel der Heuchelei ist erreicht, wenn ein Theologe wie Stefan Schreiber zusammen mit seinen Kollegen von sich behauptet, “fest auf dem Boden des II. Vatikanischen Konzils” zu stehen und gleichzeitig der Piusbruderschaft vorwirft, “zentrale Inhalte der kirchlichen Lehre explizit” abzulehnen. Dabei ignoriert der Exeget Schreiber die Aussagen der Dogmatischen Konstitution “Dei Verbum” des Zweiten Vatikanischen Konzils, indem er in seiner Theologie vom historischen Jesus nicht viel mehr übrig lässt als einen einfachen Menschen. Schon als Kardinal Ratzinger sprach Benedikt vom Verrat am Konzil, begangen durch Theologen, die vom Glauben abgefallen waren, das Konzil nach ihrer Façon interpretierten und gerade das zerstörten, was das Konzil wollte. Papst Benedikt XVI. stellt wieder Jesus Christus in den Mittelpunkt. Die Kirche steht nicht über, sondern unter dem Wort Christi, lehrt das II. Vatikanum. Deshalb erhebt der Papst dieses Wort, also die übernatürliche Offenbarung, gegen alle Entmythologisierung und modernistische Verfälschung wieder in den Rang des zentralen Maßstabs kirchlicher Lehre und Praxis. Er stellt die richtigen Proportionen wieder her von dem, was in der Kirche gilt. Diese Befreiung des Konzils aus der Umklammerung des theologischen Verrats ist es, was vielen Theologen sauer aufstößt. Die Rückholung einer Bewegung, die sich in mancher Kritik am letzten Konzil zwar verrannt und allzulange “extravagante Gedanken” (Fellay) in ihren Reihen geduldet hat, aber die Gottheit Jesu Christi, seine Offenbarung und die kirchlichen Dogmen voll anerkennt, ist nun für diese Theologen der Aufhänger, um die Linie des Papstes als solche medienwirksam zu desavouieren.

Ob von den Menschen umjubelt oder geschmäht, Papst Benedikt geht unbeirrt seinen Weg, der ihm von seiner Pflicht im Dienste des Glaubens und der Einheit vorgezeichnet ist. Das macht ihn groß. Der heiligen Therese von Lisieux erschien die hl. Johanna von Orléans in der Verlassenheit des Gefängnisses größer als im Glanz ihrer Erfolge. Das gilt auch hier. Aller medialen Verkennung und Verzerrung zum Trotz oder gerade deswegen: Papst Benedikt ist größer als je zuvor.

P. Engelbert Recktenwald, Priester der Priesterbruderschaft St. Petrus

7. Februar 2009, 10:40

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