Kommentar: Von Katern und Gutsherren
Ja, Walter Mixa ist ein „umstrittener“ Bischof. Wer mit diesem Attribut belegt wird, gilt heute schon als disqualifiziert. Bischof Dyba war „umstritten“, Papst Johannes Paul II. war es und Kardinal Meissner und Bischof Müller von Regensburg tun es ihnen gleich. Eigentlich sollte man nach dieser Klassifizierung seine Aufmerksamkeit überhaupt nicht mehr auf diese Herren richten und ihnen keine Beachtung mehr schenken. Schließlich verstoßen sie mit ihren Taten und Äußerungen immer wieder gegen die Grundprinzipien der postmodern(d)en Gesellschaft und besitzen auch noch die Unverschämtheit, feste Standpunkte zu vertreten, und dazu noch katholische. Pfui!
Eigentlich müsste man die genannten Herren also ignorieren, wenn man ihre Ideen nicht teilt. Eigentlich! Da der (inzwischen meist ergraute) 68er aber seine Pubertät bis aufs Sterbebett ausdehnt, kann er nicht ignorieren, sondern muss lamentieren, krakeelen und protestieren. Dies um so mehr, wenn sein hart erkämpftes, autoritätsfreies Weltbild angegriffen wird, womöglich noch von einer Vatergestalt. Die Gefahr, als Bischof ins Visier der Kritiker zu geraten, wächst mit einem klaren katholischen Profil, das sich nicht scheut, auch unangenehme Positionen in der Öffentlichkeit zu vertreten. Dies soll nur zur Beruhigung einiger deutscher Bischöfe erwähnt werden!
Der bekannteste Protestant war in jüngster Zeit der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck. Aber nein, der ist ja eigentlich Katholik, wird der Kenner jetzt einwenden. Da war das Wörtchen wieder: eigentlich! Also der protestierende Katholik Kurt Beck meinte, er müsse den Bischof von Augsburg, Walter Mixa, nach dessen völlig richtigen Einlassungen zur Krippendebatte als „kastrierten Kater“ bezeichnen. Diese Aussage offenbart nicht nur das Fehlen jeder Kinderstube, sondern zeigt auch auf, wie weit die argumentative Geistesleistung des „Landesvaters“ reicht. Übertroffen wurde diese Unverschämtheit nur noch von einer Claudia Roth, deren Auslassungen wir aber an dieser Stelle (wie auch sonst) ignorieren.
Nach diesen Angriffen war es auf beiden Seiten eine Weile ruhig geworden. Der Bischof kümmerte sich um die gewissenhafte Ausübung seines Amtes und die Kritiker „spielten“ auf anderen Plätzen. Bis zur vergangenen Woche! Da erdreistete sich doch der Bischof eine Personalentscheidung zu treffen, und das in seinem eigenen Bistum. Als er nun nichts anderes tat, als seinem Wächteramt (!) als Bischof nachzukommen und einen neuen Regens für sein Priesterseminar zu bestimmen, prasselte erneut das ganze Repertoire der Kritik auf ihn herab. Berufen dazu fühlte sich ein Andreas Roß von der Süddeutschen Zeitung, die nie im Verdacht stand, der Kirche allzu gewogen zu sein. Als „selbstgefälligen Kirchenfürsten“, der „seinem Gutsherren-Stil treu geblieben“ sei, beschimpfte er den Bischof und riss den unbeteiligten Bischof Müller als „nicht minder selbstherrliche(n) Amtsbruder“ gleich noch mit hinein in seine Schelte. Beide seien „eine Zumutung für jeden aufrechten Christen im Freistaat“.
Wir können und wollen nicht auf den aktuellen Fall im Augsburger Seminar eingehen, doch zwei Repliken seien uns erlaubt: Wer Bischof Gerhard Ludwig Müller persönlich kennt, der weiß, dass man wohl keine Charakterisierung finden kann, die mehr danebenliegt als die der „Selbstherrlichkeit“. Bischof Müller erfüllte in seinen oft schweren Entscheidungen lediglich seine Pflicht als Hirte seines Bistums und sollte zahlreichen Amtskollegen als Vorbild dienen, deren Menschenfurcht sie lähmt, die notwendigen Schritte zu gehen. Und wenn Roß Bischof Mixa „Gutsherren-Stil“ vorwirft, dann sollte der Gescholtene darin ein Bestätigung und eine Anerkennung seines Amtes sehen. Denn der Bischof ist tatsächlich Herr über das ihm anvertraute Gut und wird am Jüngsten Tag Rechenschaft dafür ablegen müssen, ob er seiner Pflicht, zu leiten, zu lehren und zu heiligen nachgekommen ist. Jeder aufrechte Katholik erfreut sich auf jeden Fall an einem aufrechten Hirten, wie er ihn in den genannten Bischöfen findet. Als „Zumutung“ empfunden zu werden galt in der Kirche seit Gründerzeiten übrigens als höchste Auszeichnung, die die Welt ihr machen kann!
Von unserer Seite kann der Aufruf daher nur lauten: Weiter so, Bischof Walter, weiter so, Bischof Gerhard Ludwig und wie ihr treuen Verwalter des Weinbergs des Herrn alle heißen möget!
27. Januar 2009, 19:56