Auf dem Weg zur Einigung?

Exklusiv: Robert Spaemann warnt vor zu viel Euphorie.

Prof. Robert SpaemannStuttgart (kathnews). Angeblich steht die Aufhebung der Exkommunikationen der Bischöfe der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. unmittelbar bevor. Laut italienischen Medienberichten beabsichtige der Heilige Vater, noch an diesem Wochenende ein entsprechendes Dokument zu veröffentlichen. Weder seitens des Vatikans noch seitens der Priesterbruderschaft St. Pius X. ist man derzeit zu einer offiziellen Stellungnahme bereit. Kathnews berichtete. Viele „Vatikan-Kenner“ und Journalisten sehen nun bereits das Ende der bislang problematischen kirchenrechtlichen Situation der Priesterbruderschaft gekommen.

Kathnews-Chefredakteur Benjamin Greschner sprach mit dem renommierten Philosophen Professor Robert Spaemann. Dieser warnt vor zu viel Euphorie: „Ob die Aufhebung der Exkommunikationen schon bedeutet, dass die volle Einheit zwischen der Priesterbruderschaft St. Pius X. und der Kirche wiederhergestellt ist, wage ich nicht zu behaupten.“ Spaemann weiter: „Denn auch die Exkommunikation des Patriarchen von Konstantinopel hat schon Papst Paul VI. aufgehoben, was nicht heißt, dass seither die volle kirchliche Einheit mit der Orthodoxie besteht. Was die Aufhebung der Exkommunikationen in diesem Fall bedeutet, ist also noch nicht klar.“

Auch in Bezug auf den kirchenrechtlichen Status der betreffenden vier Bischöfe nach der eventuellen Rückname ihrer Exkommunikation sieht Spaemann Klärungsbedarf: „Ob die Bischöfe der Priesterbruderschaft gänzlich anerkannt werden, kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht einschätzen. Zumal Bischof Williamson mit seinen aktuellen Aussagen über die Juden etwas gesagt hat, was die Einigung sicherlich erschwert.“ Bischof Richard Williamson geriet unlängst in die Schlagzeilen, weil er in einem Interview mit dem schwedischen Staatsfernsehen die Existenz von Gaskammern im Dritten Reich bestritt. Wörtlich sagte Williamson: „Ich glaube, dass es keine Gaskammern gab“.

Professor Robert Spaemann wurde 1927 in Berlin geboren. Er gilt als einer der bedeutendsten Philosophen des 20. und 21. Jahrhunderts. Nach dem Abitur studierte er Philosophie, Geschichte, Theologie und Romanistik an den Universitäten in Münster, München, Fribourg (Schweiz) und Paris. Robert Spaemann gilt als ein enger Vertrauter Papst Benedikts XVI. und besuchte den Heiligen Vater 2006 in Castel Gandolfo.

[ Benjamin Greschner ]

23. Januar 2009, 19:12

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