Engelsgeschichten

Filippas EngelSayn (kathnews). „Man weiß erst, ob man einem Engel ins Gesicht gesehen hat, wenn er wieder gegangen ist.“, so eine jüdische Weisheit. Wie oft doch diese jüdische Weisheit zutrifft, erkennen wir meist erst spät. Einer dieser Engel war Prinzessin Filippa zu Sayn-Wittgenstein. Sie wurde am 23. Juli 1980 als viertes von sieben Kindern des Fürstenpaares Alexander und Gabriela zu Sayn-Wittgenstein in Koblenz geboren. Bereits im Alter von acht Jahren begann die junge Prinzessin ihr erstes Tagebuch zu schreiben. Nach dem Abitur studierte sie Kommunikation und Fotografie an der „Akademie Lorenzo di Medici“ in Florenz, Italien.

1999 lernte sie Graf Vittorio Mazzetti d’Albertis kennen, den sie 2001 heiratete. Nur drei Monate nach ihrer Hochzeit verstarb sie bei einem Autounfall in Südengland. Sie wurde in Montegemoli in Italien beigesetzt, wo sie mit ihrem Ehemann leben wollte. Wenige Monate nach Filippas Tod fanden ihre Eltern die Tagebücher der jungen Prinzessin. Voll Liebe, Gottvertrauen und Freude schrieb Filippa über Jahre hinweg ihre Gedanken und Gefühle nieder. Gedanken und Gefühle, die für viele junge Menschen eine Hilfe sein könnten. Davon waren Fürst Alexander und Fürstin Gabriela überzeugt.

Nach reiflicher Überlegung entschloss sich das Fürstenpaar, die Tagebücher ihrer verstorbenen Tochter auszugsweise zu veröffentlichen. Vom Erlös des Buchverkaufs gründeten sie 2003 im Don Bosco Stiftungszentrum die Stiftung „Filippas Engel“. Seither zeichnet die Stiftung Jugendliche und junge Erwachsene aus, die sich sozial, karitativ oder ökologisch engagieren. So wurden in den vergangenen fünf Jahren mehr als zweiduzend Preise mit Preisgeldern in einer Gesamthöhe von mehr als 70.000 Euro an die Jugend Europas vergeben. Im vergangenen Jahr wurde unter anderem auch die Generation Benedikt, ein Netzwerk katholischer Jugendlicher, durch die Stiftung ausgezeichnet. Kathnews berichtete.

Von nun an informieren wir sie exklusiv in unserer neuen Kolumne „Engelsgeschichten“ über die Aktivitäten der Stiftung Filippas Engel. Ferner möchten wir die Preisträger und ihr Engagement genauer betrachten. Wir möchten unseren Lesern somit vor Augen führen, dass die „Jugend von heute“ nicht faul ist, nicht träge und lustlos, sondern motiviert, engagiert und aktiv für Menschen, die ihrer Hilfe ganz besonders bedürfen. Im ersten Artikel unserer Kolumne richten wir unseren Fokus auf Mirjam Tutzer aus Bozen in Südtirol (Italien), die 2007 für ihren nachhaltigen Einsatz für Waisenkinder in Kenia ausgezeichnet wurde.

Kenia ist bei den meisten Menschen nur für seine Landschaften, die schönen Küstengebiete mit ihren langen Korallenriffen, schneebedeckte Gipfel und weite Savannen mit Großwildtieren bekannt. Abseits der für den Tourismus erschlossenen Gebiete hingegen erlebt man ein anderes Kenia, das nichts mit den luxuriösen Urlaubsoasen gemein zu haben scheint. Mirjam lernte dieses andere Kenia 2003 schon mit 17 Jahren bei ihrer ersten Reise dorthin kennen. Die Armut, das Leiden und die Not der Menschen berührten den Teenager so sehr, dass sie beschloss, sich zukünftig für Kinder in Afrika zu engagieren.

Bereits im Folgejahr arbeitete sie zwei Monate in einer kenianischen Gesundheitsstation. Ihre Eindrücke und Erlebnisse beschrieb sie bald darauf in ihrer Abiturarbeit. Mit der Organisation „Südtiroler Ärzte für die Dritte Welt“ fand Mirjam Tutzer einen starken Partner und Träger für das Gesundheitszentrum der Kindertagesstätte „Manigma“ wo sich täglich bis zu 400 Kinder aufhalten. Über ein Jahr engagierte sich Mirjam Tutzer vor Ort und organisierte Spenden für medizinische Geräte und Kleidung. Auch nach ihrer Auszeichnung durch die Stiftung „Filippas Engel“ nutzte Mirjam das Preisgeld für „ihre Kinder“ und reiste wieder nach Kenia um ihre Projekte weiterführen zu können.

In den vergangenen Monaten erlebte Kenia nach der Präsidentenwahl schwere Unruhen. Die Gewalt eskalierte im Januar 2008 und forderte bislang über 800 Todesopfer. Etwa 300.000 Menschen sind derzeit Flüchtlinge im eigenen Land. In dieser, für das Land und die Menschen so schweren Zeit, entschied sich Mirjam Tutzer ein Semester an der Universität auszusetzen um wieder in Kenia zu helfen. „Ich habe mich während der Unruhen spontan entschlossen hierher zu kommen um so weit wie möglich einen Beitrag zu leisten und jene zu unterstützen, die unter den Umständen am meisten gelitten haben“, so Mirjam Tutzer. Derzeit arbeitet sie hauptsächlich mit Kindern und deren Familien in Nairobi, der Hauptstadt Kenias und engagiert sich in der Flüchtlingshilfe. Ihre Arbeit in der Gesundheitsstation der Kindertagesstätte „Manigma“ verliert sie dabei natürlich nicht aus den Augen: „Ich fahre immer wieder hin um zu sehen was vor sich geht.“, lässt sie uns wissen.

Mirjam Tutzer ist wie die anderen Preisträger von Filippas Engel, ein junger Mensch der durch ehrenamtliches Engagement großartiges bewirkt. Die landläufige Meinung, Jugendliche unserer Zeit wären nur eigennützig und ohne Perspektiven kann man am Beispiel der Preisträger des Stiftungspreises getrost widerlegen. Diese bewundernswerten jungen Menschen gestalten jetzt schon die Zukunft – eine Zukunft in der Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Nächstenliebe nicht bloß fromme Tugenden sind, sondern gelebte Tatsachen.

[ Benjamin Greschner ]

13. Januar 2009, 14:41

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