Kritische Würdigung der Organspende
Kirchenoberhaupt betont Respekt vor dem Leben des Spenders.
Vatikan: Papst Benedikt XVI. hat am gestrigen Freitag das Spenden von Organen gewürdigt. Im Rahmen eines internationalen Kongresses, organisiert von der Weltdachorganisation katholischer Ärzteverbände und der Päpstlichen Akademie für das Leben, sprach er von Gewebe- und Organverpflanzungen als einem „großen Fortschritt der medizinischen Wissenschaft“. Es handle sich bei Organspenden um eine „besondere Form, Nächstenliebe zu zeigen“, so der Papst.
Der Körper dürfe nie nur als Objekt betrachtet werden, da ansonsten die Logik des Marktes siegte. Leib und Seele bildeten eine Einheit, der „das Bild Gottes selbst aufgeprägt ist“. Dementsprechend heiße dies für die Organtransplantationen, dass „man nur geben kann, wenn das keine ernste Gefahr für die eigene Gesundheit und Identität darstellt – und auch immer nur aus einem moralisch gültigen Motiv“, betonte der Hl. Vater. „Inakzeptable Praktiken“, die oft Unschuldige und sogar Kinder betreffen, sollen zurückgewiesen werden.
Zum heiklen Kriterium des Hirntods meinte Papst Benedikt, „vitale Organe“ dürften nur „ex cadavere“ entnommen werden. Der Respekt vor dem Leben des Spenders müsse bei Organspenden eines Sterbenden das „Hauptkriterium“ sein. Ferner verurteilte der Papst die Zerstörung von menschlichen Embryonen für therapeutische Ziele. Die Idee, den Embryo als „therapeutisches Material” anzusehen stehe im Widerspruch zu den kulturellen, gesellschaftlichen und ethischen Grundlagen, „auf denen die Würde der Person gründet”, erklärte der Papst.
Seine Ansprache stellt eine lange erwartete und erbetene Stellungnahme der Kirche zum Thema Organspende dar. Zu den Gerüchten, er besitze selbst einen Organspendeausweis, äußerte der Hl. Vater sich nicht.
8. November 2008, 10:50