Gysi: “Linke nicht kirchenfeindlich”
Spitzenpolitiker der Linkspartei weist Vorwürfe Bischof Müllers zurück.
Regensburg / Berlin: Gregor Gysi, Vorsitzender der Bundestagsfraktion der Linkspartei, wies Vorwürfe des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller zurück, wonach die Linkspartei eine antikirchliche Haltung einnehme. Diese Vorwürfe bezeichnete Gysi als „daneben“ und betonte gegenüber dem Deutschen Depeschendienst (ddp), dass die Linkspartei auch gegenüber Religionen tolerant sei. Damit reagiert der Politiker auf Aussagen Gerhard Ludwig Müllers, der in Bezug auf einen möglich Berlinbesuch des Heiligen Vaters auf „antikirchliche Töne“ verwies, die in Berlin immer wieder von „weltanschaulichen Gruppierungen, die noch mit der alten kommunistischen Ära verbunden sind“, propagiert würden.
In diesem Zusammenhang bezeichnete Müller die Bundeshauptstadt als ein „großes Missionsfeld“. Besonders kritisch betrachtete der Regensburger Oberhirte den Umgang des Landes Berlin mit dem Religionsunterricht. Er übte Kritik daran, dass der Religionsunterricht in Berlin kein ordentliches Schulfach sei, sondern nur zusätzlich in der Freizeit besucht werden könne. Gysi betonte, dass er sich nicht gegen einen Besuch des Papstes in der Bundeshauptstadt aussprechen würde: „Gegen einen Papstbesuch in Berlin ist zu keiner Zeit irgendetwas einzuwenden“, so der Politiker.
Zugleich verwies er darauf, dass die gegenwärtige Regelung im Umgang mit dem Religionsunterricht selbst in West-Berlin bereits seit Jahrzehnten übliche Praxis sei. Er bezeichnete den obligatorisch eingeführten Ethikunterricht als „genial“, da dieser im Unterschied zum Religionsunterricht die Kinder nicht spalte und nach Konfessionen in religiöse und nicht religiöse einteile. Rückendeckung bekam Gysi durch den Chef der Berliner Linkspartei, Klaus Lederer. Gegenüber der Presse sagte er: „Wir Berliner Heiden sind weltoffen und tolerant auch gegenüber Religionen. Das gilt selbstverständlich ebenfalls für den Papst“.
8. November 2008, 13:29