Priesterausbildung und Psychologie
Neues Dokument über die Priesterausbildung vorgestellt.
Vatikan: Der Präsident der vatikanischen Bildungskongregation, Kardinal Zenon Grocholewski, stellte heute ein neues Dokument mit dem Titel „Leitlinien für die Anwendung der Psychologie bei der Aufnahme und Ausbildung von Priesterkandidaten“ vor. Darin ruft der Vatikan die Diözesen und Orden aus aller Welt zu äußerster Sorgfalt bei der Auswahl und Ausbildung ihrer Priesteramtskandidaten auf. Dazu sollten auch Psychologen herangezogen werden, wobei jedoch die Formen oder Mittel psychologischer Analyse die geistliche Begleitung keinesfalls ersetzen können.
Die jeweiligen Bischöfe bzw. Ordensoberen werden in den Leitlinien aufgefordert, darauf achten, dass die theologische und moralische Qualifikation der Kandidaten durch eine menschliche, psychische und emotionale Ausgeglichenheit gestützt wird, was natürlich auch die innere Bejahung des Zölibats einschließe. Die menschliche Dimension sei gleichsam das Fundament der gesamten Priesterausbildung. Gleichzeitig dürfe der Einsatz von Psychologen in der Priesterausbildung keine verpflichtende oder gewohnheitsmäßige Praxis sein. „Deswegen heißt es auch in dem Dokument, dass die psychologischen Fachleute nicht zur Hausleitung gehören dürfen.“, so Grocholewski.
Bei der Vorstellung des Dokuments betone der Kardinal erneut, dass Homosexuelle nicht zum Priester geweiht werden könnten. Er erklärte: „Wer diese tief verwurzelte Neigung hat, darf nicht zum Priestertum zugelassen werden, gerade wegen der Natur des Priestertums. Es handelt sich in gewisser Weise um eine Wunde, die einen in der Seelsorge behindert. Es geht auch um die Frage, wie man Beziehungen eingeht und nicht nur einfach um die Enthaltsamkeit.“ Möglicherweise sei psychologische Hilfe in dieser Hinsicht sinnvoll, damit Kandidaten den Zölibat und die sexuelle Enthaltsamkeit nicht nur als aufgezwungene Pflicht betrachteten.
Das Dokument über die Priesterausbildung ist angeblich gegen manche Entwicklungen vor allem in den USA gerichtet, wo die Auswahl und Beurteilung der Kandidaten zeitweise von der geistlichen Seminarleitung zunehmend auf (fragwürdige) Psychologen übergegangen. In den Leitlinien heißt es, herangezogene Psychologen müssten von einem Menschenbild geleitet sein, das die christliche Vorstellung vom Menschen, der Sexualität, der Priesterberufung und vom Zölibat teile.
30. Oktober 2008, 20:13